Filmhandlung und Hintergrund

Umstrittener, bisweilen quälend langsamer Film über die Vergeblichkeit des Hoffens.

Der Polizist und Einzelgänger Pharaon ist in seine Nachbarin verliebt, die Fabrikarbeiterin zieht aber Sex mit ihrem virilen Freund vor. Gemeinsam verbringt das Trio oft die Wochenenden. Während der polizeilichen Untersuchung eines Sexualmords an einem elfjährigen Mädchen entdeckt Pharaon die Vergeblichkeit des Hoffens, denn das Böse lauert überall.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • L' humanité: Umstrittener, bisweilen quälend langsamer Film über die Vergeblichkeit des Hoffens.

    Mit Spannung wurde Bruno Dumonts Wettbewerbsbeitrag in Cannes erwartet, von der Fesitvalleitung strategisch klug in die Mitte des Festivals positioniert. Der äußerst umstrittene Film durfte gleich drei Preise kassieren - den „Großen Preis der Jury“, den „Preis für die beste Darstellerin“ und für den „Besten Darsteller“

    Die Entscheidung löste jedoch Kopfschütteln aus, denn „L’Humanité“ spannt den Zuschauer 148 Minuten auf die Folter. In quälend langen Einstellungen erzählt Dumont von Pharaon, einem pflichtbewußten und naiven Polizisten in den 30ern, der - ganz sensibles Seelchen - erst einmal an das Gute im Menschen glaubt, an sich und der Welt, unter Kriminalität und Brutalität leidet, und dem ob der allgemeinen Misere leicht die Tränen kommen. Ausgangspunkt ist der Sexualmord an einem 11jährigen Mädchen in einem nordfranzösischen Kaff. Der Protagonist und sein Chef begeben sich dilettantisch auf Spurensuche, befragen Verdächtige, kommen nur sehr schwer voran und beweisen eine ausgeprägte Unflexibilität im Geiste. Einzelgänger Pharaon, der bei seiner Mutter lebt, ist in seine Nachbarin Domino verliebt, die Fabrikarbeiterin zieht aber Sex mit ihrem virilen Freund vor, gemeinsam verbringt das Trio oft die Wochenenden. Während der polizeilichen Untersuchung entdeckt der arme Mann die Vergeblichkeit jeglichen Hoffens und die monströse Natur des Menschen, das Böse lauert schließlich überall.

    In großer Dichte vermittelt Dumont die drückende Atmosphäre des kleinen Ortes, in dem jeder jeden kennt, die soziale Kontrolle perfekt funktioniert, zeigt auch keine Scheu vor drastischen Sex- und Nackt-Szenen. Die Laienschauspieler Emmanuel Schotté als leicht debiler Polizist und Séverine Ceneele als Objekt der Begierde sind (trotz der Auszeichnungen) nicht gerade leinwandfüllend, die Erzählstränge nicht bis zum Ende ausgeführt. So erfährt man zuwenig über Pharaons Vorleben, den Tod von Frau und Kind, seine Beziehung zur „overprotecting“ Mutter oder den für Pharaon wichtigen Großvater, einen anerkannten Künstler und Porträt-Maler der Region. „L’Humanité“ ist eine formal interessante Kopfgeburt (Kamera: Yves Cape), die aber nie wirkliche Gefühle für ihre Helden weckt. Das kontemplative Kino des Bruno Dumont will sich der Realität annähern und bleibt ihr doch fern. Nach ungefähr 40 Kurzfilmen, Dokumentationen und Werbespots reüssierte Dumont 1997 mit seinem ersten Film „La vie de Jésus“ in der „Quinzaine des Réalisateurs“ und brachte es zu einem kleinen Publikumserfolg. Das Zuschauerpotential für „L’Humanité“ dagegen ist als sehr gering anzusehen. mk.

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