Filmhandlung und Hintergrund

Zweite Culture-Clash-Komödie mit Horst Krause in der Rolle des Berliner Rentners Paul Krüger.

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Kritikerrezensionen

  • Krügers Odyssee: Zweite Culture-Clash-Komödie mit Horst Krause in der Rolle des Berliner Rentners Paul Krüger.

    Wenn unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen, ist der Witz in der Regel das Resultat eines Vorurteils: weil ein meist älterer und gern verbohrter Deutscher erkennen muss, dass die Anderen Menschen wie er selbst sind.

    Krüger aus Almanya“ (2015) hat diese Geschichte in Reinkultur erzählt: Paul Krüger (Horst Krause), ein alter Grantler aus Kreuzberg, dem die vielen Türken in seinem Kiez mächtig gegen den Strich gehen, musste seiner Tochter zuliebe nach Antalya reisen, weil sie sich dort ausgerechnet mit einem Türken verlobten wollte; prompt bekam Krügers zementiertes Weltbild kräftige Risse. Nun erzählt Regisseur Marc-Andreas Bochert die gleiche Geschichte noch mal. Reiseziel ist diesmal jedoch Griechenland, denn dort lebt Annas Vater. Den hat sie zwar nie kennen gelernt, doch er soll sie zum Altar führen. Weil die junge Frau (diesmal von Anna Hausburg verkörpert) hochschwanger ist und nicht mehr fliegen darf, soll Paul den Erzeuger ausfindig machen. Begleitet wird er von seinen besten Freunden: dem lebensfreudigen Ecki (Jörg Gudzuhn) und dem gebildeten Bernd (Fritz Roth). Der Titel „Krügers Odyssee“ nimmt vorweg, dass die Suche nach Harald (Harald Schrott) gar nicht so einfach ist; das Trio landet unter anderem in einer Aussteigerkommune und schließlich in einem Kloster. Als Fortbewegungsmittel dient zwar vorübergehend auch ein Auto, doch im Wesentlichen findet dieses Road Movie per Schiff, zu Fuß oder auf Eseln statt.

    Wie schon „Krüger aus Almanya“ lebt auch der zweite Film von der Konfrontation des Klischees mit der Wirklichkeit. Und weil der Titelheld dank seiner Erfahrungen in der Türkei etwas weltmännischer geworden ist, war es eine ausgezeichnete Idee, ihn diesmal von seinen Freunden begleiten zu lassen. Das Trio wäre schon für sich allein komisch, weil die drei alten Hasen ihre Figuren mit großer Spielfreude verkörpern, aber die Begegnungen mit den Einheimischen sorgen natürlich für viel Zünd- und Gesprächsstoff. Bochert hat das Drehbuch zusammen mit Ulla Ziemann geschrieben, und vermutlich hat es großen Spaß gemacht, alle nur denkbaren Vorurteile in die Geschichte zu packen. Sehr schön sind auch die Running Gags: Der ständig hungrige Ecki wird immer verzweifelter, weil es ausgerechnet in Griechenland nirgendwo seinen geliebten „Akropolis-Teller“ mit verschiedenen Fleischsorten gibt. Andererseits machen die Freunde die gleiche Erfahrung, wie sie Krüger bereits in der Türkei erleben durfte: Die Menschen sind von einer fast schon beschämenden Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit und Gastfreundschaft.

    Die Handlung ist ohnehin weit mehr als bloß ein Vorwand für die Odyssee, in der Menschen mit humanistischer Bildung selbstverständlich diverse Anspielungen auf die Irrfahrten des Odysseus entdecken werden. Auch die Dialoge machen großen Spaß. Was sich die drei Freunde, die ständig zwischen Streit und Versöhnung pendeln, an den Kopf werfen, hat zum Teil echten Aphorismencharakter. Außerdem fallen die geäußerten Vorurteile ausnahmslos auf das Trio zurück, zumal Bochert jedes Griechenklischee prompt mit typisch deutschen Verhaltensweisen kontert. Trotzdem ist „Krügers Odyssee“ kein Klamaukfilm; der Regisseur streut immer wieder nachdenkliche Momente ein. Es wäre daher schön, wenn sich in Krügers Biografie weitere Bezüge zu südeuropäischen Gefilden finden ließen. tpg.

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