Keine Lieder über Liebe

Kinostart: 27.10.2005
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Filmhandlung und Hintergrund

Auf DV gedrehtes Dreiecks-Melodram vor dem Hintergrund einer Band-Tournee.

Eine Indie-Band geht auf Deutschland-Tournee. Begleitet werden die Musiker und ihre Crew von einem Kamerateam, das von Tobias (Florian Lukas), dem Bruder des Sängers Markus Hansen (Jürgen Vogel), geleitet wird. Als plötzlich Tobias‘ Freundin Ellen (Heike Makatsch) auftaucht, kommt Bewegung in die Angelegenheit. Ellen hatte nämlich mal was mit Markus. Der daraus resultierende Eifersuchtskonflikt droht nun die Dreharbeiten zu belasten.

„Keine Lieder über Liebe“ ist keine Mockumentary à la „Spinal Tap“, sondern ein halbdokumentarisch wirkendes Beziehungsdrama vor der unglamourösen Kulisse eines typischen Touralltags.

Der Rockmusiker Markus Hansen wird von seinem Bruder Tobias während seiner Deutschlandtournee in einem Dokumentarfilm portraitiert. Die Brüder belastet eine totgeschwiegene Affäre zwischen Markus und Tobias Freundin Ellen. Als Ellen bei den Dreharbeiten auftaucht, bricht der ungelöste Konflikt auf.

Der junge Filmemacher Tobias Hansen lebt glücklich mit seiner Freundin Ellen in Berlin. Allerdings scheint irgendetwas zwischen ihnen zu stehen, seitdem die beiden vor einem Jahr bei Tobias‘ Bruder Markus, ein Rockmusiker, zu Besuch waren. Um die Wahrheit darüber herauszufinden, ob damals etwas zwischen Ellen und Markus passiert ist, begleitet Tobias seinen Bruder und dessen Band unter einem Vorwand mit der Kamera auf deren Deutschlandtournee. Da taucht plötzlich Ellen auf.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Der Film tut so, als sei er eine Dokumentation: das ist natürlich ein neckisches Spiel, gehören doch die drei Hauptdarsteller zu den Stars des deutschen Films. Tobias Hansen, gespielt von Florian Lukas, glaubt, dass sein Bruder Markus (Jürgen Vogel) mal was hatte mit seiner Freundin Ellen (Heike Makatsch): Und er beschließt, ab jetzt Regisseur zu sein.
      Film als Therapie, Film als Selbsthilfegruppe: Tobias muss schnell erkennen, dass er eigentlich gar nicht weiß, was er will. Er begleitet die Tournee der Band seines Bruders, er will seine privaten Angelegenheiten unter dem Kameraauge, unter dem Blick der Öffentlichkeit klären. Big Brother on Tour, sozusagen, die Kameras sind überall dabei, sie sind Teil der Spielhandlung.

      Tatsächlich hält der Film formal am Dokumentarstil fest, auch wenn die dramaturgische Entwicklung, die kleinen Nebengeschichten, die ihre Inszeniertheit kaum verbergen, auch die Lichtsetzung, die die Stimmung der jeweiligen Szene widerspiegelt, die Mittel des Spielfilmes sind. Regisseur Lars Kraume hat zusammen mit seinen Hauptdarstellern die Figuren entwickelt, gedreht wurde chronologisch und weitgehend improvisiert, die fiktive Band Hansen wurde aus den Musikern der wirklichen Gruppe Kettcar rekrutiert – direkt und unvermittelt folgt der Film seiner Liebesgeschichte, ungekünstelt und gleichzeitig künstlerisch.

      Tobias reitet sich mit seinem Projekt, mit seinem Film als Vorwand für die Familienzusammenführung, in eine Beziehungskrise, und langsam enthüllt sich sein paranoides Scheuklappendenken, vor der ständig anwesenden Kamera und vor Ellen, die unter ständiger Beobachtung steht, von Kameras wie von Tobias. Vor allem sie greift immer wieder die Themen der Inszeniertheit auf, sie durchschaut ihren Freund, beinahe zumindest. Die Gespräche zwischen Tobias, Markus und Ellen, getreulich eingefangen vom immer mal wieder ins Bild ragende Mikrophon, kreisen um Masken und die Rollen, die jeder vor anderen spielt, um Freizügigkeit und Spießigkeit, Treue, Vertrauen, Seitensprung und Liebe, in frischer, direkter, nicht auswendiggelernter Sprache, die dabei doch immer auf einen Punkt zusteuert, sich nicht im Kreise dreht… Und dazwischen dann, als Kommentar zur Liebesgeschichte, Konzertausschnitte der Hansen-Band, im „Chez Heinz“ in Hannover oder im „KlingKlang“ in Bremerhaven, pure, handgemachte Musik mit melancholischen Texten – keine Lieder über die Liebe halt.

      Lars Kraume hat einen Liebesfilm gedreht mit neuen Mitteln, die scheinbare Unmittelbarkeit trägt das Thema der Konfrontation weiter: Künstlich bringt Tobias Ellen und Markus nocheinmal zusammen, um zu sehen, was daraus passiert, und in einem masochistischen Akt lässt er alle filmen, um dann, letztendlich, das Scheitern seiner Beziehung für die Ewigkeit eingefangen zu haben… Am Ende, als Tobias im Voice-Over-Kommentar eine Anekdote über Andy Warhol erzählt, die in der Frage „Kennst du zwei Leute, die sich wirklich nah sind?“ gipfelt, dann zeigt sich deutlich, wie nah Kraumes Film an Woody Allens tragikomischem „Stadtneurotiker“ liegt.

      Fazit: Tragischer und komischer Liebesfilm, spontan und improvisiert in der Form eines Dokumentarfilms inszeniert.
    2. Keine Lieder über Liebe: Auf DV gedrehtes Dreiecks-Melodram vor dem Hintergrund einer Band-Tournee.

      Ein interessantes Film-Experiment mit Doku-Charakter über Liebe, Lebenslügen und Verrat. Schauspieler Jürgen Vogel ist auch als Sänger der „Hansen-Band“ einfach top.

      In größtenteils improvisierten Szenen und spontanen Dialogen entstand dieses Drama, in dem ein junger Mann einen Film über die Tournee seinen Bruders und dessen Band Hansen drehen will. Eine schon beendete Affäre zwischen seiner Freundin und dem Musiker stört das Verhältnis zwischen den Geschwistern. Im Verlauf der chaotischen Dreharbeiten bricht der schwelende Konflikt aus, kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen und heißen Diskussonen über Liebe, Treue und Betrug. Existenzielle Fragen werden nicht einfach abgehandelt, sondern mit Herzblut und bis zur Selbstzerstörung debattiert. Lars Kraume und Jürgen Vogel, der sich als Produzent „mit allem Drum und Dran“ beteiligte, entwickelten das Projekt, inklusive der Gründung einer Band mit Mitgliedern der deutschen Bands TOMTE und KETTCAR. Vogel mimt den coolen Typen, der Gefühle nicht zulässt und seine verletzte Seele hinter Ruppigkeit versteckt. Er tritt sogar ganz passabel als Leadsänger auf, und tourte mit großer Resonanz durchs Land (zum Filmstar gibt’s die CD). Die Schauspieler kannten nur den groben Rahmen der Story (Kraume hatte für den Notfall ein Drehbuch in petto) gemeinsam entwarfen die Protagonisten ihre Figuren, handelten und sprachen, was sie sich situativ vorstellten. Ein Risiko, das Vogel, Heike Makatsch und Florian Lukas bewusst auf sich nahmen. Sie wirken echt, hören auf ihre eigenen Wahrheiten. Auch wenn man sich an die bewegte Kamera, manchmal losen Gesprächsfragmente und neue Narrationsform gewöhnen muss - die in nur vier Wochen Geschichte übt Sogwirkung aus, trotz langer Busfahrten, Herumsitzen in verrauchten Backstage-Räumen, Übernachtungen in Billighotels und einem etwas herausgezogenes Ende. Knapp 100 spannende und emotionale Minuten sind das Ergebnis von 150 Stunden Material. Mit „Keine Lieder über Liebe“ haben alle Beteiligten etwas gewagt und gewonnen. Auch der deutsche Film, der hier Innovationskraft beweist. mk.

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