1959. Pilenz (Wolfgang Neuss) erinnert sich an einen bewunderten wie verachteten Schulkameraden: In Danzig während des Zweiten Weltkriegs ist Joachim Mahlke (Lars und Peter Brandt) aufgrund einer körperlichen Missbildung zum Außenseiter verdammt - er hat einen riesigen Adamsapfel. Dieses Manko versucht er stets durch extreme sportliche, schulische und sexuelle Leistungen auszugleichen. Als er einem Leutnant das Ritterkreuz stiehlt, wird er der Schule verwiesen und versucht sich durch eine militärische Karriere zu rehabilitieren.

Zusammen mit „Hundejahre“ und „Die Blechtrommel“ bildet die titelgebende Novelle die Danzig-Trilogie von Günter Grass. Daraus formte Hansjürgen Pohland („Warum die UFOs unseren Salat klauen„) eine bissige Satire über die Gehirnwäsche der Nazis an der Jugend.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Der Ausschuss hat über den Film ungewöhnlich lang und intensiv diskutiert. Der Rückgriff auf die literarische Vorlage, der unter Umständen als eine Beeinträchtigung einer rein immanenten Betrachtung des Films selbst angesehen werden könnte, war unerlässlich. Der Film ist nach Ansicht des Ausschusses in der ersten Partie beträchtlich besser gelungen als in der Schlusspartie. Wenn auch das Motiv des Marienkults nicht in Anlehnung an das Buch bis in die Marienkapelle und die Sakristei ausgesponnen wurde, so ist es doch in den Szenen auf dem gesunkenen Wrack und in dem Zimmer des Knaben Mahlke ausreichend angedeutet. Die Gesamtanlage des Films ist dadurch bestimmt, dass der Erzähler, der nach Jahren an den Ort der Geschehnisse zurückkommt, ohne irgendwelche Mittel der filmtechnischen Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Gegenwart wie selbstverständlich hin- und herwandert. Das hält der Ausschuss für ebenso kühn wie im ganzen gelungen, wenn auch Neuß als Erscheinung nicht immer die differenzierte und subtile darstellerische Leistung erbringt, die für ein so anspruchsvolles Motiv zu wünschen wäre. Die Leistung des jüngeren Mahlke ist stark und intensiv. Dieser Junge hat in der Ausstrahlung, in der Geste, in der Gesamterscheinung den Habitus der Einsamkeit um sich, der seine Lage und vor allem seine geistige Situation in der Schulklasse charakterisiert. Filmisch scheinen dem Ausschuss die Szenen auf dem Boot, auch die Szene der „männlichen Spiele“, mit Delikatesse gemacht zu sein, ohne Spekulation auf fragwürdige Nebeneffekte. Der Wechsel von realistischen Szenen zu den gespenstigen Puppenarrangements ist dramaturgisch im allgemeinen richtig in das Ganze eingebaut. Freilich gibt es da Ungleichmäßigkeiten. Auch optisch sind die Puppenszenen nicht immer ganz gleichwertig. Der ausgelassene Freudentanz mit dem Ritterkreuz ist nicht geschmackvoll und nicht im Sinne der Grass’schen Novelle.

      Die Schwäche des Films liegt nach Ansicht des Ausschusses im zweiten Teil. Der Darsteller des älter gewordenen Mahlke spricht schülerhaft ungelenk und laienhaft und stimmt im Sprachhabitus überhaupt nicht mit der Figur, die er darzustellen hat, überein. Die Fahrt im Boot mit dem Monolog des älteren Mahlke ist nicht nur bildlich, sondern vor allem im Text und in der Darstellung und Darbietung des Textes sehr schwach. Hier geht sowohl das Differenzierte des jungen Mannes als auch der geistige Horizont, in dem seine Handlungen zu verstehen sind, fast ganz verloren. Der Darsteller deklamiert und weiß dass, was er zu sagen hat, nicht mit Leben zu erfüllen.

      Die Kamera ist im Beginn großartig. Sie gibt in raschen Fahrten eine Einstimmung in das Heute und Damals, die insbesondere lobende Erwähnung verdient, weil das Damals ja nicht mehr in dem für die Novelle bedeutsamen Sinn existent ist. Die Jugendlichen aus der Schulklasse des Mahlke sind im großen und ganzen, vor allem, wenn sie nichts zu sprechen haben, sondern spielen oder sich balgen oder sonst in Aktion zeigen, mit Geschick geführt. Die beiden Ritterkreuzredner entsprechen dem Typ und sind ohne Verzerrung richtig gesehen. Dass die Regie sich entschlossen hat, das Gespenstische dieser Vorträge durch ein überwirkliches Arrangement zu betonen, nämlich dadurch, dass der Saal nicht voll und gelegentlich nur mit Puppen besetzt ist, verdient hervorgehoben zu werden. Wie denn überhaupt die vielfältigen Details der surrealen Überhöhung mit relativ einfachen Mitteln, das, was man die verfremdenden Tendenzen nennen könnte, zu bejahen sind.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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