Johanna von Orleans

   Kinostart: 13.01.2000

Filmhandlung und Hintergrund

Die unsterbliche Geschichte Jeanne d'Arcs vom Meister des rauschhaften Kinos, Luc Besson.

Aufstieg, Fall und tragische Verdammnis des jungen Bauernmädchens Jeanne, die, von göttlichen Stimmen berufen, als Heerführerin Frankreich im Hundertjährigen Krieg aus der Umklammerung der englischen Invasoren befreit, um dann als Opfer von Egozentrik, Intrigen und politischer Diplomatie auf dem Scheiterhaufen zu enden.

Im Frankreich des 15. Jahrhunderts erhält das junge Bauernmädchen Johanna mittels göttlicher Stimmen die Botschaft, dass es Frankreich, das sich im Hundertjährigen Krieg befindet, endlich aus der Umklammerung der englischen Invasoren befreien soll. Tatsächlich führt Johanna als Heerführerin ihre Armee in der blutigen Schlacht von Orleans zum glorreichen Sieg über die Briten. Doch schließlich wird sie das Opfer von Egozentrik, Intrigen und hoher Politik, als Ketzerin verurteilt und am 30. Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Die bedeutendste französische Nationalheldin aus der Sicht Luc Bessons: Ein bildgewaltiges Schlachtenepos mit Milla Jovovich als Jungfrau von Orleans, die Frankreich zum Sieg über die Briten führt und auf dem Scheiterhaufen endet.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Johanna von Orleans: Die unsterbliche Geschichte Jeanne d'Arcs vom Meister des rauschhaften Kinos, Luc Besson.

    Die Intellektuellen - ob im Wort wie Voltaire, Schiller, Brecht, oder im Bild wie Bresson oder Rivette - hatten ihr Forum. Jetzt ist das Volk am Zug. Mit einem populären Mainstreamepos löst Luc Besson Frankreichs Heiligtum aus der Umklammerung seriöser und akademischer Auseinandersetzung und wuchtet eine Historienoper auf die Leinwand, die einem großen Publikum vor allem über ihre Ästhetik und die Erfolgsgeschichte ihres Regisseurs als Ereigniskino vermittelt werden kann.

    Den Kopf, das zeigen „Das fünfte Element“, „Léon, der Profi“ und im Grunde alle Besson-Filme, vertritt im Kino des Hitlieferanten in erster Linie das Auge, weshalb Anreize traditionell visueller, nicht intellektueller Natur waren. Nicht subtil oder tiefgründig, sondern spektakulär und damit zuschauerfreundlich ist somit auch sein Ansatz in der Verfilmung der Jeanne-d’Arc-Geschichte, die zuletzt 1994 in den Händen Jacques Rivettes eine asketische, meditative, in den historischen Fakten authentische und damit zwangsläufig kommerziell zum Scheitern verurteilte Umsetzung fand. Bessons Bühne ist nicht das Kammerspiel, sondern die Oper, wie schon seine Ouvertüre zeigt. Atemlos führt er uns in die dörfliche Idylle des Bauermädchens Jeanne ein, illustriert mit Kamerafahrten durch Blumen- und Weizenfelder die kindlich-kitschige Lebenssicht des Mädchens und beendet Märchen und Unschuld mit einem Mordzug der Besatzer, die Jeannes Schwester grausam vergewaltigen und töten. Die Vertreibung der Engländer vor dem Hintergrund des Hundertjährigen Kriegs gegen Frankreich bekommt damit neben dem erwarteten, ungreifbaren religiösen einen biografisch-emotionalen Impuls. Im Unterschied etwa zu Victor Flemings Technicoloropus „Johanna von Orleans“ deutet Besson die Visionen Jeannes, die Stimme Gottes, seine vermutete (das Gesicht in den Wolken, der Wind) und materialisierte Präsenz (die Jesus-ähnliche Figur im Wald, das Schwert im Feld) weniger als Zeichen einer wunderbaren Macht, sondern eines biografisch begründbaren religiösen Wahns, den am Ende Dustin Hoffman als personifiziertes Gewissen der Heiligen zur Diskussion stellen darf. An der Reinheit der Motive und der Größe der Leistung von Frankreichs Nationalstolz ändern die Fragezeichen bezüglich der auslösenden Impulse allerdings nichts. Bessons Film ist somit dennoch Denkmalpflege, die visuell opulent (Kamera: Thierry Arbogast) vor allem in den monumentalen, das lange Mittelstück des Films bildenden Schlachtensequenzen mitreißt. Und in den Blöcken davor, die Jeannes Ankunft bei Hof (John Malkovich als mittelalterlich angemessen degenerierter und beeinflußbarer Dauphin) zeigen, und danach, die ihre Entmachtung, Gefangennahme und Anklage als Ketzerin illustrieren, eine Grundversorgung an Informationen liefert. Die Heuchelei in der Akzeptanz von Frauen in Männerrollen ist als thematischer Anreiz für Besson, der in seinen Filmen Frauen auch gerne in diese Rollen steckt, so offensichtlich wie stilistische und inhaltliche Parallelen zu „Braveheart“. Aber die Leidenschaft und tragische Wucht der Gibson-Oper erreicht Besson nicht, der das Ende Jeannes überhastet inszeniert und uns im Unterschied zu „Braveheart“ emotional alleine läßt, weil keiner ihrer früheren Freunde im Bild um sie zittern und trauern darf. Solche Versäumnisse fallen in Koalition mit atmosphärischen Störungen durch Humor und Sprache stärker ins Gewicht als die (wie einst schon Jean Seberg bei Otto Premingers „Die heilige Johanna“) etwas zu Unrecht von Teilen der US-Presse attackierte Milla Jovovich („Das fünfte Element“), die sich gegen den Ballast ihrer Model-Biographie und Bessons hysterische Interpretation Jeannes durchaus achtbar zur Wehr setzt. Ihre vor allem in den Ansprachen an die Massen eher Bronchitis als Passion vermittelte Stimme kann durch die Synchronisation korrigiert werden, damit nach dem zu erwartenden Heimspiel in Frankreich dieses Leinwandspektakel auch hierzulande ein Hit werden kann. Was angesichts von Bessons bisherigen Erfolgen möglich sein sollte. Auch ohne Wunder. kob.

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