Filmhandlung und Hintergrund

Packendes und berührendes Drama um eine Kleinstadt, die durch den Fund einer Frauenleiche in Aufregung gerät.

Nachdem sein Sohn ein Tier in der Schule tötete und nun auf seine Strafe wartet, braucht Tankstellenbesitzer Stewart (Gabriel Byrne) Abstand. Er fährt mit Carl (John Howard), Rocco (Stelios Yiakmis) und Einfaltspinsel Billy (Simon Stone) für ein Wochenende ins Grüne zum Fischen. In einem Stausee über dem versunkenen Dorf Jindabyne entdecken sie die Leiche einer jungen Aborigine, die ein Unbekannter dort versenken wollte. Da sie den Vorfall nicht melden und weiterfahren, gerät Stewart später zuhause mit seiner Frau Claire (Laura Linney) aneinander.

Der Australier Ray Lawrence, Meister der subtilen Psychothrillerstudie („Lantana„), durchschreitet wieder mit starken Charakteren die moralischen Grauzonen menschlichen Verhaltens. Ausnehmend gute Leistungen von Laura Linney und Gabriel Byrne begeistern.

Als vier Kumpels bei einem Angelausflug eine Frauenleiche finden und nicht sofort die Polizei rufen, sondern ihren Urlaub weiter genießen, hat das Folgen. Zurück in der heimatlichen Kleinstadt werden sie nicht nur als verroht von Familienmitgliedern und Nachbarn angeklagt, sondern beschwören auch rassistische Ausschreitungen herauf. Denn das tote Mädchen gehörte einer Aborigines-Familie an.

Als vier australische Kumpels bei einem Angelausflug die Leiche eines Aborigine-Mädchens finden und nicht sofort die Polizei rufen, sondern ihren Urlaub weiter genießen, hat das Folgen. Zurück in der heimatlichen Kleinstadt werden sie nicht nur als verroht von Familienmitgliedern angeklagt, sondern beschwören auch rassistische Ausschreitungen herauf. Die Familie des toten Mädchens ist empört und erhöhte den Druck auf die vier Männer. Die Lage muss erst eskalieren, bevor einer der Vier endlich über seinen Schatten springt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Die Geschichte kann einem mit gutem Grund bekannt vorkommen: Schon Robert Altman hat in seinem Ensemble-Stück „Short Cuts“ neben anderen die Kurzgeschichte Raymond Carvers verwendet, aus der nun auch Regisseur Ray Lawrence ein ganz besonderes Drama gemacht hat. Wenn auch eines, dass nicht wirklich rund läuft, und das, wie Altmans Film, der Vorlage gar nicht gerecht werden kann.

      „So viel Wasser, direkt vor der Tür“ heißt die Story, ist nur wenige Seiten lang, und wie stets bei Carver stecken hinter den kurzen lakonischen Sätzen ungeheure Abgründe, herausgerissene Schlaglichter. Die funktionieren dann nur bedingt, wenn man sie wie in „Jindabyne“ auswalzt und dem Schrecken und der Wahrheit darin auf den Grund gehen will.

      Schon in dem bemerkenswerten „Lantana“ hatte Lawrence verschiedenen Personen und Paaren dabei zugesehen, wie sie sich an Krisen und Katastrophen, privaten und gesellschaftlichen aufreiben. Auch in „Jindabyne“ gerät ihm das mit erstaunlicher Schärfe, wobei freilich die beiden famosen Hauptdarsteller Laura Linney und Gabriel Byrne ihren Teil beitragen.

      Ihre überschatteten Beziehungen zueinander und zu den Freunden, die persönlichen Unzulänglichkeiten und Unzufriedenheiten, entzünden sich an dem typischen Carver’schen Vorfall: Die Männer brechen ihren Angelausflug nicht ab, binden die Leiche stattdessen mit der Schnur fest, damit sie nicht abtreibt. Unmenschlich in ihrer Indifferenz? So einfach macht es Lawrence sich – und uns – nicht.

      Claire, die fassungslos ist angesichts des Verhaltens ihres Mannes, läuft und kämpft gegen Mauern und Unverständnis, auch gegen den trotzigen Unwillen ihrer Freundin, die ihren Mann verteidigt, ficht schon fast störrisch, engagiert sich (was die Aborigines, aus deren Mitte das Opfer stammt, nicht wertschätzen wollen). Und doch ist all das auch fast nur ein Symptom ihres eigenen Leidens.

      „Jindabyne“ ist ein ruhiger, schnörkelloser Film. Mit beiläufiger Ästhetik gefilmt, wie eine kleine Doku aus dem Hinterland eines fremden Kontinents. Doch diese Beiläufigkeit geht inhaltlich irgendwie verloren. Vielleicht funktioniert der Film auch deshalb nur bedingt: Bei Altman ist es das „gewöhnliche“ L.A., und das Achselzucken, mit dem die Fischerfreunde etwas tun, indem sie nichts tun, gerät in aller Ambivalenz für den Zuschauer noch brutaler.

      Hier jedoch, in der fast magischen, urwüchsigen Landschaft kommt ein irreales Moment hinzu, etwas traumhaftes, das schließlich auch aus den staubigen Straßen des Städtchens nicht verschwindet, in dem die gleichgültigen Angler zum kurzen politischen Fall geraten. Und zugleich entblättern Lawrence und seine Drehbuchautorin Beatrix Christian diesen singulären Moment, dieses parabelhafte Ereignis, indem sie schon anfangs das lebende Mädchen zeigen, das Opfer eines (Serien-?)Mörders wird (und diesen im Film über auch immer wieder).

      Es stört, dieses „unnötige“ Leben, das „Jindabyne“ mit dieser Toten im Fluss verbindet – was nun ein Dilemma auf künstlerischen Ebene ist, dass dem der fast tatenlosen Männer gleicht. Zuletzt, ganz ähnlich: Da kommt es zu einer fast zu großen, zu langen (und fast: zu ehrlichen) Geste der Vergebung. Das tut dem Film nicht wirklich gut, sprengt sein böses Potential. Und trotzdem muss man Lawrence darüber auch Respekt zollen.

      Wenn „Jindabyne“ nicht ganz funktioniert, tut er das im wahrlich besten Sinne.

      Fazit: „Lantana“-Regisseur Ray Lawrence macht aus einer lakonischen Kurzgeschichte Raymond Carvers ein Drama aus Vorgeschichte und Folgen einer gedankenlosen (Un-)Tat, das auf hohem Niveau zu sehr über sich hinauswächst.
    2. Jindabyne - Irgendwo in Australien: Packendes und berührendes Drama um eine Kleinstadt, die durch den Fund einer Frauenleiche in Aufregung gerät.

      Ein leiser und trotzdem ungemein berührender Film ist Ray Lawrences Adaption einer Kurzgeschichte von Raymond Carver, die bereits Robert Altman in einem Erzählstrang in „Short Cuts“ verarbeitete.

      Das darin beschriebene Grauen in der Kleinstadtidylle ist beliebter Stoff für Horrorfilme und Satiren. Der australische Ausnahmefilmemacher Ray Lawrence macht daraus ein präzise beobachtetes, aber nie kühles, psychologisches Kammerspiel. Das wiederum hat nichts Theaterhaftes, sondern lebt von seinen starken, warmen Kinobildern und der exzellenten Performance seines Ensembles. Lawrence ist dieses Kunststück bereits bei „Lantana“ gelungen, ein von der Thematik ähnlich gelagertes Ensemblestück aus dem Jahr 2001. Bei „Jindabyne“ geht er noch ein Stück weiter, denn eine Leiche sorgt hier nicht nur für Aufruhr im Privatleben einiger Figuren, sondern gar zu Rassenkrawallen in der beschaulichen, australischen Ortschaft Jindabyne.

      Jindabyne-Neubürger Stewart, der einmal erfolgreicher Rennfahrer war und nun eine Tankstelle betreut, und drei Kumpels stoßen auf die Leiche einer jungen Frau bei ihrem traditionellen Angelausflug in wildromantischer Natur. Statt den Fund gleich der Polizei zu melden, verbringen sie noch das Wochenende dort. Nicht nur Stewarts Frau Claire ist ob der Kaltschnäuzigkeit fassungslos. Bald stehen böse Graffitis auf ihrem Haus und auch in den Familien der Angelfreunde gibt es Auseinandersetzungen. Claires Versuch bei der Aborigine-Familie des toten Mädchens ihr Mitgefühl zu demonstrieren, kommt nicht gut an - weder bei deren Familie noch den Nachbarn. Die Situation spitzt sich zu.

      Die subtile Inszenierung und das nuancierte Spiel der Darsteller bringt die zwiespältige Gefühlswelt der Protagonisten glaubhaft dem Zuschauer näher. So hat der erst gar keine Chance, die Figuren und ihre Taten vor zu verurteilen. Laura Linney als Claire wurde für ihre Leistung beim Filmfestival in Vallodolid geehrt, Gabriel Byrne als Stewart u.a. für den australischen Filmpreis nominiert, aber auch die anderen Mitglieder des Ensembles überzeugen. Am Ende steht bei einer Trauerzeremonie der Aborigines am Feuer nicht nur symbolisch der Beginn der Versöhnung der Volksgemeinschaften und der einander entfremdeten Eheleute, so dass der Zuschauer nicht völlig bedrückt den Kinosaal verlässt. hai.

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