Jenseits der Hügel

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   2012

Jenseits der Hügel: Beklemmendes Glaubensdrama nach wahren Begebenheiten, in dem ein junges Mädchen in einem entlegenen Kloster den Verdacht erweckt, sie könne besessen sein.

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Filmhandlung und Hintergrund

Jenseits der Hügel: Beklemmendes Glaubensdrama nach wahren Begebenheiten, in dem ein junges Mädchen in einem entlegenen Kloster den Verdacht erweckt, sie könne besessen sein.

Die Tage scheinen sich zu gleichen in einem entlegenen Kloster in Rumänien, wo ein Priester und eine Gruppe von Nonnen ein Leben in Armut und Bescheidenheit führen. Trotz aller Beschwerlichkeit sind sie zufrieden mit ihrer Existenz. Unruhe kommt in den Verband, als die Freundin einer jungen Nonne auftaucht. Die Mädchen waren gemeinsam im Waisenhaus, ihre Freundschaft war wohl etwas enger als üblich. Nun hofft das Mädchen, ihre Freundin von einst zum Verlassen des Konvents überreden zu können. Alsbald entgleist die Situation.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mit dem düsteren Abtreibungsdrama "Vier Monate, drei Wochen, zwei Tage" gelang Regisseur Christian Mungiu im Jahr 2007 nicht nur der internationale Durchbruch, sondern er rückte gleichfalls die "Neue Rumänische Welle" in den cineastischen Fokus. Viele dieser Werke sind auf eine radikale, minimalistische Inszenierung ausgerichtet und verzichten häufig auf den Einsatz von Musik. Auch Mungius aktuelles Werk "Jenseits der Hügel", das vergangenes Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes für die Leistung beider Hauptdarstellerinnen und das Drehbuch ausgezeichnet wurde, trifft dies ebenfalls zu. Insgesamt fallen seine Arbeiten allerdings weniger sperrig aus als die seiner Kollegen. Bei dramatischen Szenen setzt Mungiu auf eine dynamische Handkamera, was sich mit statischen Einstellungen mit minimaler Bewegung und verhaltenen Zooms abwechselt.

    Mit dem Vorgängerfilm hat diese radikale Abrechnung mit Aberglauben, überholten religiösen Vorstellungen und mangelnder Hilfsbereitschaft zunächst den Umstand gemein, dass zwei Frauen und ein autoritärer Mann im Mittelpunkt stehen. Doch die Geschichte schlägt eine andere Bahn ein: Erst allmählich werden Informationen über die Vergangenheit der Ex-Heimmädchen Voichita und Alina offenbart. Anscheinend waren beide früher ein Liebespaar, wobei die schlaksige, kräftigere Alina ganz in der Beschützerrolle für ihre zerbrechlichere Freundin aufging. Inzwischen richtet Voichita ihr ganzes Streben nach den klösterlichen Geboten aus, was die liebeskranke Alina nicht akzeptieren will.

    Mit diesem Verhalten vermag die Kirche nicht umzugehen. Obwohl der Abt zunächst auf die Auswüchse der dekadenten westlichen Zivilisation mit gleichgeschlechtlicher Liebe schimpft, stellen sich er und die Nonnen später blind gegenüber Alinas sexuellem Begehren. Als Erklärung für alle unerklärlichen Dinge müssen "der Teufel" und "das Böse" herhalten. Bei seltsamen Vorkommnissen wie das veränderte Legeverhalten der Hühner wird nun Alinas angebliche Besessenheit heran gezogen. Wo Einfühlungsvermögen notwendig wäre, wird mit Gebeten und Beichtgeboten reagiert. Schon zuvor legt der Vorsteher wenig christliche Nächstenliebe an den Tag, wenn er im Bezug auf Alinas Aufnahme darauf beharrt, dass das Kloster weder ein Hotel noch ein Asylheim sei.

    Allerdings verweist Mungiu in immer wieder auf die prekäre wirtschaftliche Lage des Konvents, wo man mit wenigen Mitteln auskommen muss. "Jenseits der Hügel" nimmt sich Zeit, die alltäglichen Verrichtungen zu dokumentieren, was den realistischen Ansatz verstärkt. Doch der kirchenkritische Tonfall zeigt sich bereits in einer der ersten Einstellungen, wenn auf einem Schild vor dem Grundstückszugang zu lesen ist: "Kein Zutritt für Andersgläubige. Glaube! Frage nicht!".

    Schon hier lässt sich erkennen, dass Alinas Werben, die ihrem bösen Schicksal hätte entrinnen können, kein gutes Ende nehmen wird. Wenn die hektischen Nonnen ihren wütenden verbalen und zudringlichen Attacken ein Ende bereiten wollen, indem sie das Mädchen auf ein handgezimmertes Kreuz ketten, entbehrt diese tragische Sequenz nicht einer makaberen Komik. Besonders das letzte Drittel zeigt sich von bösem Humor durchzogen. Erneut gehört es zu den Markenzeichen des rumänischen Kinos, dass menschliches Leid mit trivialen Konversationen besonders von Behörden und Autoritäten konterkariert wird.

    Auch mit seinem dritten Film gelang Christian Mungui ein außergewöhnliches Werk. "Jenseits der Hügel" glänzt durch eine sezierende Inszenierung, eine präzise Kameraarbeit und herausragende Darsteller. Sein einziges Manko liegt in der Überlänge von über zweieinhalb Stunden, wobei der Filmemacher zuvor noch gut eine halbe Stunde entfernte. Obwohl das Drama Längen vermeidet, ist man danach doch genauso gerädert, als habe man gerade selbst einen Exorzismus überstanden.

    Fazit: Als Abrechnung mit überkommenem religiösen Verhalten verbindet "Jenseits der Hügel" eine tragische Beziehung mit realistischen Alltagsbeobachtungen und einem scharfen Humor, wobei das Ergebnis von seiner Überlänge getrübt wird.
  • Als der damals international unbekannte Cristian Mungiu 2007 im Wettbewerb von Cannes seinen Erstling „4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage“ präsentierte, war es, als würde der Blitz einschlagen: Mit dem Gewinn der Goldenen Palme für sein schonungsloses Abtreibungsdrama eroberte der Rumäne schlagartig die Bühne des Weltkinos. Damit wurde aber auch automatisch die Latte hochgelegt für die Folgearbeit. Was einer der Gründe sein könnte, warum Mungiu fünf Jahre brauchte, bis er 2012 „Jenseits der Hügel“ vorlegte – ein strenger, rigider Film, der den Regisseur als Großen seines Fachs bestätigt, auch wenn seine fast aufreizend langsam erzählte Geschichte nicht Jedermanns Sache sein wird. Das Glaubensdrama will es einem auch nicht leicht machen. Man muss es sich erarbeiten.

    Dabei ist der zweieinhalbstündige Film, der auf einem wahren Fall beruht, von dem der Regisseur 2006 erfuhr, ungeheuer souverän im Einsatz seiner Mittel. Aufs Wesentliche konzentriert und ganz ruhig, aber niemals behäbig oder selbstgefällig erzählt Mungiu vom isolierten und geordneten Leben einer Gruppe von Nonnen und ihres Priesters in einem entlegenen Kloster auf dem Land, das aus den Fugen gerät, als die jüngste Nonne Besuch von ihrer ehemals besten Freundin aus dem Waisenhaus erhält. Basierend auf einem wahren Fall eines Exorzismus, der den Tod der vermeintlich Besessenen nach sich zog, erzählt Mungiu vom Zusammenprall konträrer Lebensentwürfe, die nicht vereinbar sind.

    Mit zwingender Logik steuert die Geschichte, die keine Helden oder Bösewichte kennt, nur Menschen, die zu ihrer Überzeugung stehen und mit bestem Gewissen handeln, auf die Katastrophe zu. Beeindruckend fest hält Mungiu die Zügel in der Hand, erzählt besonnen und gekonnt. Er muss sich auch Zeit mit der Entwicklung der Ereignisse lassen, weil er jede Form von Sensationslust vermeiden will. Das erinnert an Dreyer, an dessen „Die Passion der Jungfrau von Orleans“ oder „Das Wort“, aber ist unverkennbar Mungiu, neues rumänisches Kino: Am Schluss steht ein Auto im strömenden Regen an einer Kreuzung. Die Scheibenwischer arbeiten auf Hochtouren. Dann fährt ein Laster vorbei und spritzt Dreck über die Windschutzscheibe. Schnitt auf Schwarz. ts.

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