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Fakten und Hintergründe zum Film "Irina Palm"

Kino.de Redaktion |

Irina Palm Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Anmerkungen von Sam Garbarski

Die Entstehung des Projekts

Ich war begeistert von der Idee meines Freundes und Drehbuchautors Phillip Blasband, eine Art politisch unkorrekte romantische Tragikomödie zu drehen. Beim Entwickeln der Geschichte wurde uns dann ziemlich schnell bewusst, dass die Finanzierung dieses Projekts äußerst schwierig werden würde. Und so war es auch – es hat sehr, sehr lange gedauert. Tatsächlich war das Drehbuch schon fertig, bevor wir anfingen, meinen ersten Spielfilm DER TANGO DER RASHEVSKIS zu schreiben. Es ist immer dasselbe: Alle sind auf der Suche nach einem originellen Drehbuch, aber wenn jemand tatsächlich mal eine gute Idee hat, dann bekommen sie plötzlich kalte Füße.

Nach ich-weiß-nicht-wie-vielen Versuchen fragte mich mein Produzent Sébastien Delloye eines Tages: „Könntest du dir vorstellen, auf Englisch zu drehen?“ Sébastien war gerade vom Filmfestival in Rotterdam zurückgekommen, wo er sich mit einem englischen Produzenten getroffen hatte, der unsere Idee sehr mochte und vorschlug, den Film auf Englisch zu realisieren. Die Umarbeitung des Drehbuchs gestaltete sich sehr harmonisch und bot uns die Chance, ein paar neue Ideen einzubauen. Wir trafen Martin Herron, einen englischen Drehbuchautor, der fantastische Arbeit geleistet hat: Schließlich haben Sébastien Delloye und ich noch letzte Veränderungen vorgenommen, damit das Resultat exakt unseren Vorstellungen entsprach.

Der Ort der Handlung

Es war eine wunderbare Fügung des Zufalls, dass wir die Geschichte plötzlich in England ansiedeln mussten. Heute könnte ich sie mir nirgendwo anders mehr vorstellen. Hier passt alles perfekt: der soziokulturelle Hintergrund, die Freundinnen mit ihren Teekränzchen – und vor allem die tragische Vorgeschichte. Denn in England kann dich eine Krankheit, deren Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen werden, tatsächlich in drei bis vier Monaten ruinieren. England ist also das Land, in dem Maggies Geschichte geboren werden musste.

Recherche im Rotlichtmilieu

Im Zuge der Drehvorbereitungen haben wir einige verruchte Orte inspiziert. Eines Abends stand ich mit Sébastien Delloye vor einem Sexclub, als ein Freund von ihm vorbeikam und fragte: „Was macht ihr denn hier?“ – „Wir schauen uns potenzielle Drehorte für einen Film an.“ – „Ja, klar“, grinste der Freund, „das mache ich auch!“ Er hat uns natürlich kein Wort geglaubt. Mit meiner Szenenbildnerin Véronique Sacrez habe ich mir verschiedene Etablissements von innen angesehen, damit wir möglichst authentisch arbeiten konnten. Sie hatte immer einen kleinen Fotoapparat dabei, mit dem sie heimlich Aufnahmen geschossen hat. Das war natürlich streng verboten. Einmal ist ihr die Besitzerin eines Sexclubs nachgelaufen – ich glaube, sie hätte Véronique umgebracht, wenn sie sie geschnappt hätte. Aber wir konnten zum Glück rechtzeitig fliehen.

Eine wunderbare Frau

Maggie ist eine einfache, gute und großzügige Frau. Sie hat keine nennenswerte Bildung genossen, und Gelegenheit zum Reisen hatte sie auch nicht. Sie hat ihren ersten Freund geheiratet und ist ihm treu geblieben, sogar über seinen Tod hinaus. Maggie hätte sich nicht einmal in ihren kühnsten Fantasien ausmalen können, dass ein solcher Job, wie der, um den sie sich im Sexshop bewirbt, überhaupt existiert! Sie nimmt ihn an, weil sie einfach keinen anderen Ausweg sieht – und weil sie ein bisschen naiv ist.

Ihre Entscheidung ist völlig unschuldig. In ihren Augen macht sie bloß ihre Arbeit, um Geld für die medizinische Behandlung ihres Enkelsohns Olly zu verdienen. Wegen ihrer Vereinbarung mit Miki, dem Besitzer des Ladens, kommt sie später nicht mehr aus der Nummer raus. Und weil sie der Typ ist, der sich bemüht, alles so gut wie möglich zu machen, ist sie schließlich auch erfolgreich. Was Maggie tut, ist ein echtes Opfer von einer wunderbaren Frau. Ich schätze, die meisten Menschen halten einen Sexclub nicht unbedingt für den passendsten Ort, um sich zu verlieben. Aber warum sollten zwei Menschen die Liebe nicht auch mal an einem Ort finden, wo keiner sie jemals vermuten würde?

Maggie bei der Arbeit

In IRINA PALM wollte ich die bisweilen tragikomische Seite des täglichen Lebens zeigen – und nicht etwa eine Reportage über die hässlichen Aspekte der Sex-Branche drehen. Nachdem Maggie einen vollkommen reinen und ehrlichen Charakter hat, beschloss ich, sie auch bei der Arbeit möglichst dezent und mit viel Feingefühl zu filmen. Vulgarität hatte hier keinen Platz: Es wäre zu billig gewesen, irgendwelche Penisse auf der Leinwand zu zeigen. Stattdessen konzentrierte ich mich darauf, Maggies Geschichte nur mit ihrem Gesichtsausdruck und mit ihrer starken Körpersprache zu erzählen. Dabei haben wir eine Menge verschiedener Möglichkeiten ausprobiert – erst mit meiner kleinen Kamera während der Proben mit Marianne, anschließend mit Christophe, dem Kameramann.

Die Besetzung von Marianne Faithfull

Während eines Fluges las ich in einem Artikel, Marianne Faithfull würde gerade MARIE ANTOINETTE mit Sofia Coppola in Paris drehen. Nach der Landung rief ich sofort den Produzenten an, und er stimmte mir zu, dass es eine interessante Idee wäre, Maggie mit Marianne zu besetzen. Ich rief Nathanièle Esther an, meine französische Casting-Agentin, und sie war sofort Feuer und Flamme. Noch am selben Tag fand sie heraus, dass Sofia mit Mariannes Arbeit sehr zufrieden war. Sie machte Mariannes Agenten ausfindig und schickte ihm am nächsten Tag das Drehbuch. 24 Stunden später rief er uns zurück und erzählte, dass Marianne das Drehbuch sehr gefallen hätte und uns unbedingt treffen wollte. Als mein Produzent Sébastien und ich Marianne dann tatsächlich kennen lernten, spürten wir sofort, dass sie eine wundervolle Maggie sein könnte.

Die Arbeit mit Marianne Faithfull

Marianne hat keine klassische Schauspielausbildung absolviert, aber sie ist eine echte Künstlerin und zeigte vom ersten Moment an absolute Präsenz. Marianne hat mir von Anfang an erlaubt, sie in die Maggie zu verwandeln, die ich mir vorgestellt hatte. Sie hat zwar schwer geschluckt, als ich mit Maggies Klamotten ankam – vor allem, als ich ihr die klobigen Kreppsohlenstiefel aufgezwungen habe. Aber Marianne hat sofort verstanden, warum mir das wichtig war. Sogar wenn sie eine Textzeile oder meine Interpretation einer Szene nicht mochte, hat sie sich trotzdem meinen Wünschen gefügt. Sie ist sehr professionell und eine Vollblutschauspielerin.

Die Arbeit mit Miki Manojlovic

Miki hatte ich von Anfang an im Hinterkopf. Schon als wir in Frankreich versucht hatten, das Projekt zu finanzieren, hatte ich mich mit ihm getroffen. Er mochte das Drehbuch sehr, aber ich fürchte, er hat nicht so recht daran geglaubt, dass dieser Film je zustande kommen würde. Trotzdem habe ich ihn regelmäßig angerufen, um ihn über den aktuellen Stand unserer Bemühungen zu informieren, und jedes Mal zeigte er dasselbe freundliche Interesse und dieselbe Begeisterung.

Miki lebt in Belgrad, und er hasst Flugzeuge. Er ist 26 Stunden lang mit dem Zug zu einem einstündigen Treffen mit Marianne und mir nach Paris gereist. Aber als ich sah, wie die beiden sich anschauten, wusste ich, dass ich mein Traum-Paar gefunden hatte. Dann fuhr Miki direkt nach Belgrad zurück, wieder 26 Stunden lang mit dem Zug. Ich liebe ihn aus vielen Gründen – und einer davon ist mit Sicherheit dieses Erlebnis. Er ist ein ganz großartiger Schauspieler, und die Arbeit mit ihm macht sehr viel Spaß.

Bilder und Musik

Ich stelle immer wieder fest, dass der Kern der Story auch die Art und Weise vorgibt, in der ich eine Geschichte erzähle. In diesem Fall haben wir zu 90 Prozent „normale“ Linsen mit 40 oder 50 mm Brennweite und großen Blenden verwendet, um das Gefühl zu vermitteln, dass wir ganz nah bei Maggie sind. Die Kamera wurde während des gesamten Films behutsam auf der Schulter getragen, so dass wir Maggies Herzschlag spüren konnten. Das Filmnegativ wurde schließlich leicht unterbelichtet und ohne Bleichbad entwickelt, um Bilder mit entsättigten Farben, weichen Kontrasten und lebendigen Schwarztönen zu bekommen – sozusagen eine Mischung aus Härte und Poesie.

Die Musik hatte ebenfalls einen enormen Einfluss auf den Rhythmus des Films und die Bilder, mit denen ich die Geschichte erzähle: Die Filmmusik war schon vor den Dreharbeiten fertig, und wir haben viele Kamerabewegungen mit der Musik in unseren Kopfhörern gemacht. John Stargasm von GHINZU, der die Filmmusik mit seiner Band komponierte und einspielte, hat großartige Arbeit geleistet.

Koproduktion von fünf Ländern

Wir haben in England, Deutschland und Luxemburg gedreht – logischerweise mit einer internationalen Crew. Aber das passt zu mir: Ich bin polnischer Abstammung, in Deutschland aufgewachsen, lebe in Belgien und habe einen Film auf Englisch gedreht. Mein Regieassistent ist Grieche, wuchs ebenfalls in Deutschland auf und lebt in Paris.

Mein Skriptgirl ist Engländerin, hat aber schwedische Vorfahren. Mein Kameramann ist Belgier, lebt jedoch in Frankreich. Meine Szenenbildnerin stammt aus Italien, lebt aber in Luxemburg. Es war eine schöne Mischung! Die Geschichte spielt in England, also haben wir alle Außenaufnahmen dort gemacht. Die Innenaufnahmen sind in Luxemburg und Deutschland entstanden – doch weil meine Crew so einen großartigen Job gemacht hat, gibt es kein einziges Detail, das diese Tatsache verraten würde.

Weltpremiere mit Geburtstagstorte

Der 13. Februar 2007 war ein ganz besonderer Tag für mich: Ich konnte nicht nur meinen 59. Geburtstag feiern, sondern auch die Uraufführung von IRINA PALM im Rahmen des Berlinale-Wettbewerbs. Dass diese Weltpremiere ein so überwältigender Erfolg werden würde, hätte ich nie zu hoffen gewagt. Nachdem die Zuschauer im Berlinale-Palast schon rund eine Viertelstunde lang begeistert applaudiert hatten, dachte ich, es wäre jetzt vielleicht doch langsam Zeit zu gehen.

Aber just in diesem Augenblick kam plötzlich eine Hostess mit einer Geburtstagstorte auf die Bühne – eine gelungene Überraschung von Festivalchef Dieter Kosslick, denn niemand von uns hatte vorher davon gewusst! Als daraufhin spontan der ganze Saal „Happy Birthday“ sang, war das für mich ein extrem ergreifender Moment. Sehr gefreut habe ich mich natürlich auch über den Riesenjubel bei der Pressekonferenz zu IRINA PALM und über die vielen euphorischen Rezensionen in den internationalen Medien.

Nun hoffe ich, dass der Film beim „normalen“ Kinopublikum genauso gut ankommt wie bei der Presse!

Anmerkungen von Marianne Faithfull

Maggies Charakter

Maggie ist eine ganz gewöhnliche Frau, die ein ziemlich graues, tristes, langweiliges Leben geführt hat. Eine, die von anderen Leuten als Fußabstreifer benutzt wird. Eine, die ihrem Sohn die Wäsche bügelt und stets versucht, sich so unauffällig wie möglich zu verhalten. Ich glaube nicht, dass sie eine glückliche Ehe hatte. Jetzt ist sie Witwe. Und einsam. Ich fürchte, es gibt viele Menschen, denen es ähnlich geht wie ihr.

Eine große Reise

In IRINA PALM begibt sich Maggie auf eine große emotionale Reise: Sie verwandelt sich von einer unausgefüllten, unfertigen Person in eine selbstsichere Frau, die erkannt hat, was im Leben wichtig ist. Zu Anfang ist Maggie eine unglaublich weltfremde Frau, die sehr früh geheiratet und noch nicht richtig gelebt hat. Wegen ihres kranken Enkelsohnes verkauft sie sogar ihr Haus. Sie nimmt es freiwillig auf sich, das ganze Geld für die medizinische Behandlung des kleinen Jungen aufzutreiben. Die arme Frau musste sich mit vielen

Dingen abfinden, ohne zu wissen, warum. Aber an dem Tag, als sie zufällig das „Sexy World“ betritt, nimmt ihr Leben eine unerwartete Wendung – und weist ihr schließlich sogar den Weg zur Liebe.

Gemeinsamkeiten mit Maggie

Ich muss sagen, dass ich mit der Maggie, wie wir sie am Anfang des Films kennen lernen, nicht viel gemein habe. Allerdings verbindet uns ein sehr wichtiges Charakteristikum: die Liebe zu einem Sohn und einem Enkel. Ich liebe meinen Sohn sehr. Wie Maggie habe ich ihn bekommen, als ich 18 war. Und ich vergöttere meine Enkel, die jetzt 13 und 10 Jahre alt sind. Die Liebe zu ihrem Sohn und ihrem Enkel ist der Antrieb für alles, was Maggie tut. Sie ist der Schlüssel zu ihrem Verhalten – und der einzige Grund dafür, warum sie den Job im Sexclub überhaupt annimmt.

Was die Leute denken

Maggie hat große Angst davor, dass irgendjemand hinter das Geheimnis ihres Jobs kommen könnte. Sie macht sich ständig Sorgen darüber, was die anderen denken. Das zu überwinden, ist ein Teil ihrer Reise. Am Ende des Films pfeift sie auf Klatsch und Vorurteile. Maggie lernt, dass es nicht wichtig ist, was die Leute sagen. Was wirklich zählt, ist das, was du selbst über dich denkst. Ich wusste das schon immer – wegen meiner Eltern, die extrem unkonventionell und cool waren. Trotzdem gab es Phasen in meinem Leben, in denen ich mich ziemlich aufgeregt habe über das Bild, das die Leute von mir hatten. Eine Zeit lang war ich todunglücklich, aber ich bin darüber hinweggekommen.

Eine Auszeit von mir selbst

Die Rolle hat mich gereizt, weil Maggie so völlig anders ist als ich. Ich selbst hatte ein fantastisches Leben, habe unglaubliche Menschen kennen gelernt und die verrücktesten Sachen getrieben. Im Gegensatz zu Maggie wurde ich nie unterdrückt, und man kann mich wohl kaum als konventionell oder konformistisch bezeichnen. Nie wäre ich so geduldig wie sie; nie würde ich mir all den Mist gefallen lassen, den sie sich gefallen lässt. Die Verwandlung in Maggie war also durchaus eine Herausforderung für mich. Aber ich fand es sehr interessant, mich in einen solchen Menschen hineinzuversetzen. Denn gerade das liebe ich an der Schauspielerei: jemand anderes zu werden. Es ist auf die Dauer langweilig und ermüdend, Marianne Faithfull zu sein. Das war ich lange genug! Dank der Schauspielerei kann ich mir eine Auszeit von mir selbst gönnen.

Verwandlung in Maggie

Es gibt nicht eine einzige Minute im Film, in der ich Marianne Faithfull bin. Was Sie sehen, ist immer Maggie – und das haben wir Regisseur Sam Garbarski zu verdanken: Er traute mir zu, dass ich mich in diese Filmfigur verwandeln könnte. Und er half mir sehr dabei. Zuallererst musste ich meine eigenen Erfahrungen unterdrücken und innerlich wieder so rein werden wie eine blank gewischte Tafel. Dann fing ich an, mich mal so richtig gehen zu lassen: Ich habe ordentlich Pfunde zugelegt und mir keine Gedanken mehr über mein Äußeres gemacht. Als Nächstes habe ich mit Sam Maggies Körpersprache entwickelt – ihre Art zu laufen, sich zu bewegen, zu sitzen oder zu liegen. Denn obwohl es Dialoge im Film gibt, erfahren wir doch auch in stummen Szenen eine Menge über Maggie: Vieles muss in ihrem Gesicht zum Ausdruck kommen, vor allem in ihren Augen, aber auch in ihrer Körperhaltung. All das läuft auf einer sehr subtilen Ebene ab. Maggies gesamte emotionale Reise wird eigentlich nur in feinen Nuancen erzählt.

Eine neue Welt für mich

Vor der Lektüre des Drehbuchs wusste ich nichts über diese Variante des Sexgeschäfts. Ich war auch noch nie in einem Sexclub. Und ich würde es nicht wagen, mir ein Urteil über diese Branche anzumaßen. Wahrscheinlich muss man die Sache ein bisschen pragmatisch sehen – es heißt schließlich nicht ohne Grund „das älteste Gewerbe der Welt“. Aber ich schätze, für Frauen, die dort arbeiten müssen, ist es alles andere als ein Vergnügen. Ich weiß ja nicht, was Männer, die solche Etablissements frequentieren, sich in ihrer Fantasie vorstellen, aber für eine Frau dürfte es der Horror sein: ein knallharter Job, um Kohle ranzuschaffen. Und sonst gar nichts.

Kein Porno

Als ich das Drehbuch bekam, lag ein Brief von Regisseur Sam Garbarski bei, in dem er erklärte, dass er keineswegs die Absicht hätte, einen Porno zu drehen, und dass man in seinem Film keinen einzigen Penis sehen würde. Somit war vom ersten Moment an klar, dass es für meinen Sohn keinen Grund gäbe, sich zu schämen, wenn ich in diesem Film mitspielen würde. Bei den Dreharbeiten haben wir in den Sexclub-Szenen mit Plastik-Dildos gearbeitet. Das hat mir sehr geholfen, Maggies Ekel auszudrücken – denn ich finde die Dinger wirklich absolut widerwärtig!

Dekoration und Arbeitskleidung

Mit ihrer Dekoration versucht Maggie, in dieser seltsamen Welt, in der sie sich eigentlich völlig deplatziert fühlt, ein bisschen Normalität einkehren zu lassen: Sie richtet sich ihre schreckliche kleine Sexclub-Kabine so ein, dass sie damit zurechtkommt. Dabei hilft ihr auch die Schürze. Dieses Kleidungsstück ist überhaupt ein faszinierendes englisches Phänomen: Bei uns tragen alle Frauen solche geblümten Kittel, nicht nur in der Arbeiterklasse, auch in höheren Schichten. Sobald sie Fenster putzen oder ähnliche Dinge verrichten müssen, schlüpfen sie – zack! – rein in ihre Schürze. Und seien wir ehrlich: Für den Job, den Maggie da machen muss, ist diese Arbeitskleidung eine ziemlich gute Idee!

Maggies Motivation

Maggie tut das alles nur, um mit dem verdienten Geld ihren Enkel zu retten. Sie packt die Gelegenheit beim Schopf und überwindet ihren Ekel. Ich habe keine Ahnung, ob ich persönlich das auch könnte! Ich bewundere Maggie für ihren Mut. Ich mag sie sehr. Und besonders großartig finde ich, dass sie es schafft, sich selbst zu befreien. Dass sie endlich sagen kann: Schluss! Aus! Genug!

Arbeit mit Miki Manojlovic

Ich finde Miki Manojlovic sehr sexy. Und es war natürlich für die Gestaltung meiner Rolle sehr hilfreich, dass es zwischen uns beiden wirklich geknistert hat. Miki ist ein ganz großartiger Schauspieler. Alle Darsteller in IRINA PALM sind toll, bis hinein in die kleinsten Rollen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man automatisch besser wird, wenn man mit guten Kollegen arbeitet – denn dann muss man sich selbst auch mehr anstrengen!

Meine Karriere als Schauspielerin

Wenn ich nicht mit 17 bereits als Rocksängerin entdeckt und auf Tour geschickt worden wäre, dann wäre ich garantiert auf die Theaterakademie gegangen und eine richtige Schauspielerin geworden. Denn das wollte ich immer tun. Ich denke, dass ich inzwischen tatsächlich zur Darstellerin gereift bin. Es hat nur ein bisschen länger gedauert. Patrice Chéreau hat mich mit INTIMACY wieder zu meiner Liebe zum Kino zurückgeführt.

Danach kam die Rolle der Kaiserin Maria Theresia in Sofia Coppolas MARIE ANTOINETTE – eine sehr schöne Erfahrung. Und jetzt die Maggie in IRINA PALM – eine ganz und gar wunderbare Erfahrung! Ich hatte zwar schon zuvor immer wieder tolle Rollen gespielt, sowohl auf der Bühne als auch auf der Leinwand, aber hier musste ich zum ersten Mal einen Film allein auf meinen Schultern tragen. IRINA PALM ist sozusagen das Sahnehäubchen auf meiner Schauspiel-Karriere. Und die begeisterten Reaktionen nach der Weltpremiere bei den Berliner Filmfestspielen waren für mich die schönste Belohnung, die ich mir wünschen konnte.

Zukunftspläne

Ich liebe es, Konzerte zu geben. Wenn ich meine Lieder öffentlich vortrage, kann ich wirklich eine Verbindung zu den Menschen aufbauen. Darum spiele ich auch nicht in großen Hallen: weil ich meinem Publikum nahe sein möchte. Ich glaube nicht, dass es fair wäre, meine Karriere als Sängerin einfach zu beenden – weder gegenüber mir noch gegenüber meinen Fans, die ich liebe. Aber natürlich will ich auch die Schauspielerei nicht aufgeben. Und warum sollte ich nicht beides weiter verfolgen?

Im kommenden Jahr habe ich viel zu tun, weil ich durch meine letztjährige Krebserkrankung eine Menge aufholen muss: Ich werde ausgiebig touren und am Ende des Jahres eine neue Platte aufnehmen. Aber danach würde ich liebend gern wieder einen großartigen Film drehen!

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