Filmhandlung und Hintergrund

Amüsante psychologische Komödie über eine junge Frau, die ihre Eheprobleme mit einem Steuerberater bespricht, den sie für einen Psychiater hält.

Eigentlich wollte Anna (Sandrine Bonnaire) ihr Herz ja einem Psychologen ausschütten. Doch nachdem sie im Flur die Tür verwechselte, erzählt sie nun eben in aller Detailfreude dem davon nicht zu knapp verwirrten und faszinierten, schüchternen Steuerberater William (Fabrice Luchini), wie sehr in ihrer vier Jahre währenden Ehe seit neustem Haus- und Bettsegen schief hängen. Weil William sie über ihren Irrtum lieber im Unklaren lässt, kommt Anna wieder, und es entspinnt sich eine erstaunliche Beziehungsgeschichte.

Von glücklichen Missverständnissen und der heilsamen Bedeutung von Ritualen berichtet Patrice Leconte („Felix et Lola„), Frankreichs profilierte Fachkraft fürs Zwischenmenschliche, in seiner neuen Beziehungskomödie.

Anna will ihre Eheprobleme mit einem Psychologen bereden und sucht deshalb in Paris ein Appartementhaus auf, in dem sich die Praxis von Dr. Monnier befinden soll. Sie bemerkt zunächst nicht den Irrtum, als sie hier im Büro eines Steuerberaters landet. Der wiederum hat nicht den Mut, seine echte Profession zu gestehen und ist von Treffen zu Treffen faszinierter von den ungeschminkten Wahrheiten, die er von Anna erfährt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Intime Fremde: Amüsante psychologische Komödie über eine junge Frau, die ihre Eheprobleme mit einem Steuerberater bespricht, den sie für einen Psychiater hält.

    Mit „Félix und Lola“ gewann der französische Meisterregisseur Patrice Leconte 2001 den Goldenen Bären. Mit einer ganz anderen Beziehungsgeschichte kehrt er 2004 in den Wettbewerb der Berlinale zurück: Seine psychologische Komödie „Confidences trop intimes“ spielt auf engstem Raum im angegrauten Büro eines angegrauten Steuerberaters und erforscht diesen Raum mit jeder Szene und jedem wunderbar komponierten Bild und Ton wie die Seele seiner Protagonisten stets mit ironischem Augenzwinkern und zwei wunderbaren Darstellern, Sandrine Bonnaire und Fabrice Luchini.

    Eine symbiotische Beziehung entwickelt sich durch Zufall zwischen der undurchschaubaren Anna (Sandrine Bonnaire) und dem verschlossenen William (Fabrice Luchini), als Anna auf der Suche nach einem Psychiater versehentlich bei ihm, einem Steuerberater, landet. Anna erklärt sich selbst zu einem seelischen Notfall, seit vier Jahren verheiratet, eigentlich zutiefst befriedigt, doch seit sechs Monaten ohne Sex mit ihrem arbeitslosen Mann und in Sorge, verrückt zu werden. Bevor William erklären kann, dass sich Anna in der Tür geirrt, der gesuchte Therapeut gleich nebenan seine Praxis hätte, verabredet Anna einen zweiten Termin für eine „Sitzung“ und verschwindet ohne Hinweis auf ihre Telefonnummer oder ihren Namen.

    Nach zwei weiteren Treffen klärt sich zwar das Missverständnis auf, doch die einsame Anna hat Gefallen an den Gesprächen mit dem einsilbigen, korrekten Fremden gefunden und offenbart diesem immer mehr intime Details aus Sex- und Eheleben. Weshalb William selbst Rat bei seiner Ex-Frau Jeanne (Anne Brochet) sucht sowie dem echten Psychiater Dr. Monnier (Michel Duchaussoy), der für jedes Wort bare Münze nimmt, und so wird Laientherapeut William zu seinem eigenen Patienten. Er verliebt sich in Anna, legt Schlips und Kragen ab und entdeckt seinen inneren Frauenversteher, den Luchini ganz köstlich als in sich gekehrter Berti-Vogts-Verschnitt mit permanent verblüfftem Gesichtsausdruck und steifer Körperhaltung zu seelischen und körperlichen Lockerungsübungen hinreißen lässt. Sandrine Bonnaire überzeugt mit einer facettenreichen Darbietung einer schwer durchschaubaren Frau auf dem Weg zur Selbstverwirklichung, die mit der sorgfältigeren Wahl ihrer immer blumiger und fröhlicher aber auch flatterhafter werdenden Kleider sicherer und geheimnisvoller wird. Die Handlung besteht weitestgehend aus den „Sitzungen“ in Williams Büro und neigt damit in der ersten Hälfte bisweilen zu Redundanz, wird im letzten Akt durch den Auftritt von Annas Mann dramatisiert, ohne allerdings auf den Punkt zu bringen, welches Beziehungsproblem Anna nun eigentlich wirklich zu William geführt hat.

    Auf engstem Raum entfaltet Patrice Leconte die „Transformation“ seiner Charaktere: Stets findet er ein weiteres Detail, eine neue Kameraeinstellung, die subtil auch eine neue Seite seiner Figuren eröffnet und Hindernisse aus deren Seelenleben schafft. Mit geschickt verstrickten Nebenfiguren lockert das Drehbuch von Jerome Tonnerre die kammerspielartige Atmosphäre auf: Mit Williams argwöhnischer Sekretärin, die Anna nicht über den Weg traut; der Concierge mit einer Vorliebe für Fernsehseifenopern, die auf die melodramatischen Möglichkeiten des Daseins verweist, oder Dr. Monniers verstörten Patienten mit unerklärlicher Angst vor Fahrstühlen. Gleichzeitig erklärt „Confidences trop intimes“ so auf amüsante Weise und ohne Bemühen von Freud das Wesen der Psychoanalyse, die hier selbst in einem Gespräch mit dem Steuerberater erfahrbar wird. Wenn Sandrine Bonnaires Anna mit den trockenen Erörterungen ihres Sexlebens an den verbalen Voyeurismus aus Anne Fontaines „Nathalie“ erinnert, liegt hier das Geheimnis weniger in der Offenbarung, als in der frappierenden Offenheit der Formulierungen, die sich Anna durch die Rollenverteilung von „Psychiater“ und „Patient“ gegenüber William herausnimmt. So lebt „Confidences trop intimes“ auf der einen Seite von der Sprache seiner Figuren, auf der anderen insbesondere von der einmal mehr bestechenden filmischen Sprache: Bei seiner mittlerweile neunten Zusammenarbeit mit Kameramann Eduardo Serra konstruiert Leconte für jede Einstellung einen perfekt komponierten detailgenauen Bildaufbau, mit dem der Handlungsraum als dritter Hauptdarsteller in Szene gesetzt wird. Die taucht der Pianoscore von Pascale Esteve in eine Atmosphäre, die den Zuschauer und seinen verschreckten Hauptdarsteller Luchini stets Unheilvolles ahnen lässt - und die „Angst“ vor ständigen Reden am Ende zu einem lustvollen Ereignis macht. cm.

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