Filmhandlung und Hintergrund

Psycho-Thriller über eine New Yorker Professorin, die eine Affäre mit einem Polizisten hat, der den Mord an ihrer Nachbarin untersucht.

Englisch-Professorin Frannie Avery (Meg Ryan) wird Augenzeugin eines Geschlechtsaktes zwischen einer jungen Frau und einem mysteriösen Herren mit auffälliger Handgelenktätowierung. Kurz darauf klopft der auffällig am Handgelenk tätowierte Mordfahnder Malloy (Mark Ruffalo) an ihre Tür und bittet sie um Mithilfe in einem Mordfall betreffend die junge Frau, die Frannie eben noch beobachtet hat. Trotz ihrer Verwirrung und allerhand weiterer privater Konfliktstoffe lässt sich Frannie auf eine verhängnisvolle Affäre mit dem Ordnungshüter ein.

Jane Campion

Als wolle sie ihre eigenen Grenzen austesten, verstrickt sich die alleinstehende Literaturprofessorin Franny Thorstin in eine riskante sexuelle Affäre mit einem Cop, der den grausamen Mord an einer jungen Frau in ihrer New Yorker Nachbarschaft untersucht. Schon bald wächst ihr Misstrauen gegenüber den Motiven jedes Mannes, mit dem sie je Kontakt hatte - und gegenüber ihren eigenen.

Als die Englischprofessorin Frannie Avery in einer Bar Zeugin eines Blow-Jobs wird und just dessen vermeintlicher Empfänger am nächsten Tag als Mordermittler bei ihr auftaucht, gerät das Leben der New Yorkerin aus dem Gefüge. Sie beginnt zaghaft-neugierig eine Affäre mit dem Cop, obwohl immer mehr darauf hindeutet, dass er die Frau aus der Bar ermordet hat. Doch auch Frannies Vorzeige-Student Cornelius, ihr gestörter Exfreund sowie der Partner ihres Liebhabers machen sich verdächtig. Frannie zweifelt bald an allen Männern.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Jane Campions neuer Film baut sich eine eigene Welt auf. Eingeleitet von verstörenden, aber auch nostalgischen Bildern entsteht ein Bild New Yorks abseits von Manhattan, welches sich sehr realistisch gibt. Die Figuren stehen immer im Vordergund, nur von wenigen, kurzen Establishing Shots unterbrochen. "Sex and the City"-Themen finden hier außerhalb von Downtown eine ganz eigene Behandlung. Jeder Ort zeigt sich in einer individuellen Aufnahmetechnik, in der U-Bahn wackelt die Kamera merklich anders als im Auto. Das Beobachten an sich steht in der sorgfältigen Bildkadrierung immer im Vordergrund - ob aus einem Auto heraus oder als Spanner. Nur selten wird gezeigt, wer wen und aus welchem Grund beobachtet, und ein unsicheres, verwirrendes Gefühl etabliert sich.

      Mit viel Liebe zum Detail verändern sich Schärfe- und Filtereinstellungen von Bild zu Bild. Durch teilscharfe Ansichten wird der Blick (ab-)gelenkt und irritiert, durch weitere Sichteinschränkungen und Rahmungen wird der Zuschauer selbst zum Spanner und auf den gleichen Wissenshorizont wie die Protagonistin Frannie Averey gestellt. Von Sprüchen und Kurzgedichten an den U-Bahn Werbetafeln geleitet, verwickelt sie sich immer weiter in die düstere Welt eines umgehenden Serienmörders, der stets zerstückelte Leichen zurücklässt. Als sie Detective Malloy kennen lernt, ist sie endgültig in den Fall eingeschlossen und damit potenzielles Opfer.

      Ein Grund dafür ist auch ihre Schwester Pauline (Jennifer Jason Leigh), die direkt über einem Nachtclub wohnt - dem Milieu, wo sich die Morde ereignen. In der von Erotik unterwanderten Kriminalstory haben die gut befreundeten Schwestern zwei sehr unterschiedliche Sexualauffassungen. Pauline nimmt sich diverse Sexualpartner, während es sich Frannie selbst besorgt, was in aller Sinnlichkeit dem Zuschauer nicht vorenthalten wird. Gerade durch ihre Schwester fühlt sich Frannie zu einer Beziehung mit Malloy animiert, doch auch ihr penetranter Ex-Freund stellt ihr mit seinem bemitleidenswerten Hündchen nach. Sogar ihr Schüler Cornelius beginnt, sexuelle Empfindungen für sie zu hegen. Bald jedoch verdächtigt Frannie ihre Liebhaber und glaubt, unter einem von ihnen den Mörder finden zu können.

      In derartig offenen Intimbeziehungen wundert auch kaum mehr die Offenheit der Dialoge. Niemand nimmt in "In the Cut" ein Blatt vor den Mund, sondern sagt stets das, was er denkt. Dies wird auch nicht persönlich, sondern als ehrliche Meinungsäußerung aufgefasst und verstanden. Derbe Offerten sowie laute Streitgespräche mit baldiger Versöhnung sind keine Seltenheit und Träger der Grundstimmung des Films.

      Sowie alle Dreistheit einen schnelle Entwicklungsgang ermöglicht, stellt die Realität des Umfeldes dennoch eine Bremse dar. Die Beziehung zwischen Malloy und Frannie wird durch den Mörder immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Eine Lovestory kann in der "echten Welt" nicht in filmischer Perfektion entstehen. Malloy und sein Polizeikollege arbeiten dem noch zu, denn zur Identifizierung muss sich Frannie immer wieder Bilder von zerstückelten Leichen ansehen. Wie die Leichen zerstückelt, ist die Welt hier in sich zerrissen. Einen Ring zieht der Mörder seinen Opfern auf den Finger. In Rückblenden von der Verlobung zwischen Frannies Vater und Mutter wird der selbe Ring verwendet. Die Bindung ist also einem Mord, einer Zerstörung gleichzusetzen? Frannie bekommt Albträume von ihren Eltern. In einem Unfall zerstückelt ihr Vater beim Schlittschuhlaufen die Beine ihrer Mutter - in the cut. Ein Verweis auf Bindungsangst zeichnet sich in Frannies Träumen und dem Treiben des ringeverteilenden Mörders ab. Die im Traum entstellten Kitschbilder der Vergangenheit verlieren somit ihre Wirkung. Und weiterhin wird Frannie atemlos von der Angst vor dem Mörder wie von ihrem Verlangen geleitet. Vieles bleibt scheinbar dem Zufall überlassen. Über Macht, Kontrolle oder Stärke Verfügt niemand. Welch eine Ironie, denn im Erdgeschoss von Frannies Haus leuchtet die Werbung eines Wahrsagers, der allerdings nicht zu Rate gezogen wird.

      In der verklärten Version einer Verbauten, romantischen Leuchtturmkulisse findet der Film eine Auflösung. Trotz aller Poetik und liebevoller Inszenierung bleibt die Story insgesamt unnahbar, beinahe schon langweilig. Die Intrigen sind nicht wirklich interessant und die Figuren keineswegs tiefgründig (auch wenn sehr gut besetzt). So bleiben hauptsächlich die außergewöhnliche Kreativität der Bilder und die obskure Stimmung in Erinnerung und bieten ein bizarres Kinoerlebnis.

      Fazit: Krimi, Erotik und Liebesgeschichte in ungewohnter Freizügigkeit vereinigen sich zu einer bemerkenswerten Inszenierung.
    2. In the Cut: Psycho-Thriller über eine New Yorker Professorin, die eine Affäre mit einem Polizisten hat, der den Mord an ihrer Nachbarin untersucht.

      Nach „Das Piano“, „Portrait of a Lady“ und „Holy Smoke“ meldet sich Jane Campion nach vierjähriger Pause mit „In the Cut“ zurück. Mit gewohntem Interesse an der weiblichen Psyche begibt sich die Australierin mit einem Thriller-Stoff auf ungewohntes Terrain - und mit ihr Hollywood-Sonnenschein Meg Ryan, der Campion einen beeindruckenden Image-Wechsel beschert: Sehr sexy, sehr nackt und sehr düster zeigt sich ihre Protagonistin in der überraschenden Rolle einer New Yorker Englischprofessorin, die in der Affäre mit einem Polizisten ihre sexuellen Abgründe erforscht. Und dies mit der besten Performance ihrer Karriere.

      Campions Adaption von Susanna Moores erotischem Thriller, der mit explizit beschriebenen Liebesszenen für Aufsehen gesorgt hat, war ursprünglich als Starvehikel für Nicole Kidman gedacht. Diese zog sich jedoch aus der Besetzung zurück und behielt lediglich einen Producer-Credit zusammen mit Laurie Parker. Dem Film hat dies nicht geschadet: Geht doch Meg Ryan mit einer Unschuld und Neugier ans Werk, bei der man zwar bisweilen nicht umhin kann, an Kidmans Rolle in „Eyes Wide Shut“ zu denken, der man aber ohne weiteres abnimmt, dass die Schauspielerin hier mutig und glaubwürdig ihre eigenen Grenzen austestet. Ihr wahrhaftiges Gesicht zeigt dabei auch die Stadt New York aus dem Blick von Campions brillantem Kameramann Dion Beebe („Chicago“). Die Atmosphäre ist die eines drückendheißen Sommers in den Hinterhöfen von Manhattans East Village: stickig, schwül - und ungeschminkt wie Ryans Frannie Avery, aus deren stark fokussierter Perspektive hier erzählt wird.

      Frannie unterrichtet englische Literatur an der New Yorker Universität und wird - womit Campion gleich in den ersten zehn Minuten das sexuelle Interesse als Richtung vorgibt - eines Tages in einer Bar Zeugin eines Blow Jobs. Das Tattoo, das Frannie auf dem Handgelenk des beobachteten Mannes bemerkt, entdeckt sie tags darauf an derselben Stelle bei einem unangenehm aufdringlichen Detective. Giovanni Malloy (Mark Ruffalo) ermittelt in einem Mordfall an einer jungen Frau in der Nachbarschaft - wie sich herausstellt an eben jenem Mädchen aus der Bar. Trotz bestehender Zweifel an der Aufrichtigkeit dieses Mannes aus einer anderen Welt lässt sich Frannie fasziniert und ängstlich zugleich von Malloy verführen. Schon kurz darauf findet sie sich in einer Affäre mit dem jüngeren Cop wieder, obwohl sich - während weitere grausame Morde geschehen - der Verdacht erhärtet, dass Malloy der Täter sein könnte. Aber auch Frannies Student Cornelius (Sharrieff Pugh), der der Professorin nachstellt, und ihr gestörter Exfreund James (Kevin Bacon) sowie Malloys schmieriger Partner Rodriguez (Nick Damici) machen sich verdächtig. Die Kreise ziehen sich enger.

      Während die Regisseurin und ihre hervorragenden Darsteller auf psychologischer Ebene vollkommen überzeugen, gelingt es dem Skript nicht immer, diese in einen Zusammenhang mit dem vordergründigen klassischen Whodunnit-Stoff zu bringen, der Campion auch merklich kaum interessiert. Abgesehen von weiteren nackten, aber weniger expliziten Sexszenen verfolgt die Filmemacherin Frannies körperliches Erwachen insbesondere in den intimen Dialogen mit ihrer von Jennifer Jason Leigh verkörperten Halbschwester Pauline, deren Leidenschaften sie letztlich wie zu erwarten zum Opfer machen. Zwischen Leigh und Ryan stimmt die Chemie, wie vor allem auch zwischen der Hauptdarstellerin und Mark Ruffalo, der die unsympathische, sexistische Figur des Polizisten ohne Zweifel ausfüllt. Was so mit handwerklich hervorstechender Qualität und einem verstörenden Finale fasziniert, mag die Regisseurin als weibliche Variante eines klassischen Hitchcock-Themas sichtlich gereizt haben - zeigt jedoch gerade als solches im entscheidenden Moment deren Schwächen. Was am Ende bleibt, ist die missgestimmte Version von „Que Sera Sera“, angelehnt an Hitchcocks „Der Mann der zuviel wusste“ - und eine Hauptdarstellerin, der man von nun an weitaus mehr zutrauen muss, als einen gefaketen Orgasmus. cm.

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