In jeder Sekunde

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   2008
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Filmhandlung und Hintergrund

In jeder Sekunde: Ensembledrama über sechs Personen und ihre persönlichen Erfahrungen mit der Liebe.

Psychiatriearzt Dr. Frick (Sebastian Koch) leidet unter der Erbkrankheit seiner 11-jährigen Tochter, verschanzt sich hinter der Arbeit und lässt seine Frau Anna (Barbara Auer) mit den Problemen allein. Seine Gefühle entdeckt er erst bei Galeristin Luisa (Jenny Schily) wieder. Sarah (Mina Tander) hat gerade ihre chaotische Beziehung mit dem aufgeblasen Christoph (Wotan Wilke Möhring) beendet und Ben (Ronald Zehrfeld) kennen gelernt, als dieser Luisa begegnet.

Das Schicksal nimmt seinen Lauf in einem Ensemble-Drama, dem Regiedebüt von Kameramann Jan Fehse („Goldene Zeiten„). Seine Figuren sind auf der Suche nach einer Liebe, die ihnen ihr derzeitiges Leben nicht bieten kann oder will. Glück und Unglück liegen eng beieinander.

Tagsüber arbeitet Dr. Frick in der psychiatrischen Abteilung einer Klinik. Seine knapp bemessene freie Zeit verbringt er mit seiner Tochter, die an einer seltenen Erbkrankheit leidet. Infolgedessen vernachlässigt er immer mehr Anna, die Mutter und seine Frau, die mit der Situation nur schwer zurecht kommt. Dr. Frick zieht sich weiter zurück, bis er der Galeristin Luisa begegnet. Doch Luisa zieht noch einen weiteren Mann in ihren Bann: Ben, der eigentlich gerade eine Beziehung mit der in Gefühlssachen verletzten Sarah begonnen hat.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • „In jeder Sekunde“ ist das Regiedebüt des Kameramannes Jan Fehse. Der Regisseur inszeniert nach seinem eigenen Drehbuch, das er mit Christian Lyra geschrieben hat. Die Geschichte erzählt von Beziehungskrisen und davon, dass in jedem Moment, auch unwissentlich, weitreichende Entscheidungen getroffen werden können. Sie ist in Form von parallelen, sich abwechselnden Handlungsschnipseln sehr spannend inszeniert und visuell überzeugend gestaltet.

    Auch diese, in München angesiedelte, Handlung hat die grüblerischen Personen, die sich in ihren problematischen Beziehungen nur unzureichend mitteilen und gerne den deutschen Film bevölkern. Der Arzt Hans Frick, gespielt von Sebastian Koch, wäre ohne sein ausgiebiges Joggen selbst ein Patient in seiner Klinik. Zuhause das bettlägerige Mädchen, die depressive Frau, das stumme Unglück. Bei der Arbeit mehr Verantwortung als Spaß. Mit Frauen, auch mit der neuen Bekanntschaft, eher hölzerne, unsichere Dialoge. Während der Film Hans Frick immer wieder zum Joggen schickt, lässt sich ahnen, welche bleierne Schwere diese Geschichte entwickelt hätte, wäre sie am Stück erzählt worden.

    Aber hier ist sie aufgesplittet in kurze Szenen, die sich mit denen aus der Geschichte von Sarah, Ben und Christoph abwechseln. Und so entsteht auf sehr professionelle Weise Spannung, bereichern sich die Handlungsstränge gegenseitig und machen neugierig, weil sich der Fortgang nicht voraussehen lässt. Wotan Wilke Möhring spielt den hedonistischen Drogenkonsumenten Christoph, der seiner Freundin Sarah, dargestellt von Mina Tander, zu wenig Gefühle zeigt. Begleitet von einer rauschhaft verwackelten Handkamera, suchen die Figuren dieser Geschichte Spaß beim Sex, in Kneipen und beim Tanzen.

    Erst spät im Film kreuzen sich die Wege der Beteiligten aus beiden Geschichten, und zwar auf überraschende, aber hochdramatische Weise. Längst ist dann schon eine emotionale Nähe zu den Figuren hergestellt. Zu der verhangenen Stimmung des Films passt die Wahl der Jahreszeit: Der Winter steht vor der Tür, es liegt ein wenig Schnee und das Licht hat diese gestochen scharfe Klarheit der kalten Luft. Die souveräne visuelle Umsetzung zeigt deutlich die berufliche Herkunft des Debütregisseurs.

    Irritierend wirkt höchstens, dass Sarah in ihrem Plattenladen LPs verkauft, dass sie ihrem Ben eine Musikcassette für den Autorekorder aufgenommen hat und dass Ben eines dieser quadratischen Telefone mit den großen eckigen Tasten von anno dazumal benutzt. Andererseits wird auch mobil telefoniert. Dadurch wirkt es manchmal rätselhaft, wo sich der Film zeitlich eigentlich lokalisieren will.

    Fazit: Spannendes Drama über zwei Dreiecksbeziehungen mit schicksalhaften Wendungen, in dem Drehbuch, Kamera und Schnitt wunderbar harmonieren.
  • Der erfahrene Kameramann Jan Fehse („Tattoo“) stellte in Hof sein Regiedebüt vor, in dem ein Ensemble mit der Suche nach Glück und Liebe eine Tragödie heraufbeschwört.

    Im Kopf hatte Fehse und Koautor Christian Lyra die zeitgenössischen Dramen eines Fatih Akin („Gegen die Wand“) und Alejandro González Iñárritu („21 Gramm“), in denen die Protagonisten einen Kampf mit dem Leben und dem Schicksal aufnehmen, der alles von ihnen abverlangt. Stilistisch allerdings nimmt sich das moderne Großstadtdrama (München ohne sonderlichen Wiedererkennungswert) enorm zurück und konzentriert sich auf die Geschichte, die von zwei parallel verlaufenden Beziehungen erzählt, die sich erst am Ende schicksalhaft kreuzen. Nichts Großspuriges also, sondern Skizzen von Alltagsmenschen, die ihren Sehnsüchten emotional nicht gewachsen sind.

    Zwei unterschiedliche Personen – der Psychiatriefacharzt Dr. Frick (Sebastian Koch) und seine vordergründig wohlgeordnete Welt, sowie das exzessive, spontane Dasein der DJane Sarah (Mina Tander) – aber fast die gleiche Situation: Beide halten ihre Beziehung nicht mehr aus. Doch wo Sarah prompt ihrem schwer drogensüchtigen Freund, dem egozentrischen Partyveranstalter Christoph (Wotan Wilke Möhring) den verdienten Laufpass gibt, kann sich Frick nicht einfach von seiner mukoviszidosekranken, achtjährigen Tochter und der depressiven Gattin Anna (Barbara Auer) trennen. Auch nicht, als er die Galeristin Luisa (Jenny Schily) kennen lernt und zwischen Gefühl und Verantwortung verzweifelt. Sarah hingegen will mit dem arbeitslosen Fotografen Ben (Ronald Zehrfeld) neu anfangen, kann sich aber nicht vom schlechten Einfluss ihres skrupellosen Ex befreien.

    Originell ist das zwar nicht ersonnen oder inszeniert, aber es soll auch mitten aus dem Leben stammen und handelt nicht von souveränen Menschen, die alles im Griff haben, sondern solchen, die sich mühsam vortasten und immer wieder dieselben Fehler begehen. Wenn sie die Unsicherheiten der eigenen Gefühlswelten auskosten und sie langsam erforschen, entstehen die stärksten Momente. Dank einer Kamera, die sich den Befindlichkeiten der Figuren stilistisch anpasst, gelingt es Fehse, tief in ihr jeweiliges Milieu einzutauchen. Die Ausschnitte aus diesen Biografien und die Übergänge in eine neue Beziehung korrespondieren mit winterlich-frostigen Stimmungslagen, bis sich die Handlung am Schluss zu einem Gemenge aus Trauer, Unglück, Schuld und Verlust verdichtet. Davor verfinstert sich der Film gehörig, weiß aber auch: das Leben geht weiter.

    tk.

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