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In der Welt habt ihr Angst

   Kinostart: 03.03.2011
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Filmhandlung und Hintergrund

Liebesgeschichte zwischen zwei Drogenhabhängigen, die ein neues Leben beginnen wollen und stattdessen ins Verbrechen taumeln.

Das drogenabhängige Pärchen Eva und Jo will raus aus dem provinziellen Bamberg und ein neues Leben in Neuseeland beginnen. Doch dafür brauchen die beiden Geld. Nach dem misslungenen Versuch, einen Scheck zu fälschen, läuft auch ein Überfall auf einen Buchhändler schief. Eva tötet den Mann. Jo wird verhaftet. Eva kann jedoch mit der Waffe fliehen und nimmt in ihrer Verzweiflung einen Studienrat als Geisel. Eine zarte Vater-Tochter-Beziehung bahnt sich zwischen den beiden an, doch die Polizei ist Eva auf der Spur.

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Kritiken und Bewertungen

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2 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

    1. Die Liebesgeschichte eines Outlaw-Pärchens erzählt Regisseur und Drehbuchautor Hans W. Geißendörfer in seinem Kinofilm „In der Welt habt ihr Angst“. Die flammenden Gefühle der jungen Außenseiter Eva und Jo füreinander befähigen das Paar zur telepathischen Kommunikation, während sie sich als Geiselnehmerin in eine Wohnung einnistet und er im Gefängnis seinen Beitrag zum gemeinsamen Fluchtplan leistet. Hemmungslose, entrückte Romantik ist das Ergebnis, wenn sich der 69-jährige „Lindenstraße“-Erfinder Geißendörfer an die Liebe in jungen Jahren erinnert und sie in ihrer ganzen Intensität auf die Leinwand bannen will.

      Zur Jugend gehören Rebellion, Kompromisslosigkeit und manchmal sogar Verzweiflung, wie bei diesem heroinsüchtigen Außenseiterpaar in der Provinz. Es bleibt eines der unbeantworteten Rätsel dieser Geschichte, warum Eva und Jo nur in Neuseeland entziehen könnten, warum sie in Bamberg so überhaupt keine Chance haben. Ein Rätsel ist das auch, weil die Kulisse der wunderschönen Altstadt mit ihren vielen Kirchen in diesem Film eine Art Boheme-Gefühl erzeugt, einen leicht heruntergekommenen Charme immer noch schmucker Fassaden besitzt, zu dem das graue Wetter und das Halbdunkel der Räume passen.

      Eva kauert nach ihrer Flucht aus dem Antiquariat zwischen Gerümpel in Pauls Treppenhaus, um dort die Nacht zu verbringen. Bis dahin wurde in Form knapper Feststellungen erzählt: Eva und Jo brauchen Geld, sie wollen weg, große Not, Überfall, Verkettung unglücklicher Umstände. So dramatisch kann es manchmal gehen, aber das macht die Geschichte zum Fantasiegebilde, hebt sie aus möglichen Zeitbezügen heraus.

      Das Behaupten einer telepathischen Verbindung des nach Jos Festnahme getrennten Paares wirkt erst recht märchenhaft, vor allem weil die echte Kommunikation zwischen Eva und Jo weitgehend fehlte. Anna Maria Mühe spielt diese Eva zwar sehr seelenvoll, als engelsgleiche Figur, aber anstatt in Pauls Wohnung im Entzug zu schlottern, spielt sie Klavier und füttert ihre Gefangenen mit italienischem Essen. Der Filmtitel entstammt, wie man erfährt, einer Kantate von Bach. Musikalisch sind sie hier alle, Jo, der von Max von Thun dargestellt wird, spielt Gitarre, der von Axel Prahl gespielte Paul hat das Klavier, Evas Vater, dargestellt von Hanns Zischler, ist Kantor und probt für Weihnachten mit dem Posaunenchor, zu dem auch Evas Exfreund Tom gehört.

      Axel Prahl, der wie so oft sympathische Menschlichkeit in die Geschichte bringt, verkörpert hier die wichtigste männliche Figur, denn Paul durchleidet nicht nur sein eigenes Beziehungsdrama, er nähert sich innerlich auch der jungen Frau an, die ihn in seiner Wohnung gefangen hält. Doch vielleicht am schönsten an der Geschichte, die im übrigen keine Botschaft zu haben scheint, ist die Einleitung in Schwarzweiß, während der sich Eva und Jo stumm und simultan ihre Spritzen aufziehen und sich einen Schuss setzen, während sie in den Blicken des Anderen forschen. Ein, wenn auch vergänglicher und vermutlich wenig realistischer, Moment gemeinsamen Erlebens.

      Fazit: Hemmungslos romantisches Liebesdrama um ein heroinsüchtiges Pärchen, das in Bamberg ein Verbrechen begeht.
    2. In der Welt habt ihr Angst: Liebesgeschichte zwischen zwei Drogenhabhängigen, die ein neues Leben beginnen wollen und stattdessen ins Verbrechen taumeln.

      Bewegende Liebesgeschichte zwischen Anna Maria Mühe und Max von Thun als Drogenabhängige auf kaltem Entzug.

      Hans W. Geißendörfer, preisgekrönter Regisseur, Autor, Produzent und Vater der „Lindenstraße“ machte sich mit dieser Verfilmung eines eigenen Drehbuchs ein Geschenk zu seinem 70. Geburtstag im April.

      Er begibt sich hinein in die Psyche zweier Drogenabhängiger, die weg wollen aus dem provinziellen Bamberg nach Neuseeland in ein neues Leben, dafür aber Geld brauchen. Nachdem ihr Vater Eva des Hauses verweist, als er sie dabei ertappt, einen Scheck zu fälschen, überfällt das Pärchen einen Buchhändler. Der wehrt sich und zieht eine Pistole. Sie erschlägt ihn und flüchtet mit der Waffe, während der Geliebte, Jo, an Ort und Stelle verhaftet wird. In ihrer Not dringt die junge Frau in die Wohnung eines Studienrats ein und nimmt ihn als Geisel. Zwischen dem Lebenserfahrenen Mann und der unerfahrenen Studentin bahnt sich langsam eine väterliche Beziehung an, doch die Polizei ist Eva auf der Spur.

      Geißendörfer erzählt drei Geschichten, die Geschichte der kaputten Lehrerehe, die einer Liebe zwischen Vater und Tochter und zwischen Eva und ihrem Freund. Dabei verzahnen sich die Handlungsstränge. Die zufälligen Begegnungen entwickeln eine eigene Dynamik. Die Lovestory der den Drogen Verfallenen wirkt fast magisch, über Distanzen hinweg fühlen sie einander, teilen sich mit. Die perfekten Schnittfolgen in Bild und Ton betonen eine für Außenstehende kaum nachvollziehbare Intimität. Die Musik unterstreicht Emotionen und Stimmungen der Protagonisten, Anna Maria Mühes Figur mit starkem Lebenswillen und Max von Thuns mit seelischer Verwundung. Ihm nimmt man diese besondere, von einer fast altmodischer Reinheit und großem Vertrauen geprägten grenzenlosen Liebe ab, nicht aber den kalten Entzug, der in seiner ganzen Härte vielleicht auch nicht auf der Leinwand gezeigt werden kann. Die sich immer mehr überstürzende und nicht von Logik getriebene Handlung stört das fragile Gefüge des anfänglich fein angelegten Dramas. Der Titel „In der Welt habt ihr Angst“ bezieht sich auf eine Bach-Kantate, bar jeder Hoffnung haben die zwei am Ende die Angst besiegt. mk.
    3. „Wertvoll”

        Im beschaulichen Bamberg misslingt dem Junkie-Pärchen Eva und Jo ein Raubüberfall, bei dem der Ladenbesitzer ums Leben und Jo in den Knast kommt. Schwanger, auf Entzug und zu allem entschlossen, um mit ihrer großen Liebe doch noch nach Neuseeland zu flüchten, entwickelt sich Eva zur tickenden Zeitbombe und Bedrohung für das geregelte Leben ihres Vaters, ihres Ex-Freundes und für die Geiseln, die sie gefangen hält. Regisseur und Autor Hans W. Geißendörfer wagt eine mutige Melange aus Tragödie, Liebesfilm und Drogengeschichte, die den Zuschauer zu fesseln vermag, ihm aber mit überraschenden Wendungen und existentiellen Thematiken auch viel abverlangt. Dabei gelingt es ihm die Atmosphäre aus dichter Religiösität und stoischem Weltbild mit der beklemmenden Verlorenheit und den obsessiven Sehnsüchten der jungen Drogenabhängigen so heftig kollidieren zu lassen, dass mehrmals die Funken sprühen. Mal authentisch, mal romantisch, dann wieder knallhart und bis an die Schmerzgrenzen konsequent - eine ungewöhnliche Herausforderung.

        Jurybegründung:

        Die FBW-Jury konnte bestätigen, dass es sich um einen wertvollen und anspruchsvollen Film handelt. Der Regisseur hat sich einer enormen Herausforderung gestellt. Durch die Vorgaben des Plots, durch eine komplizierte Gemengelage der Konflikte, durch die Absicht zu zeigen, was Liebe im ’stählernen Gehäuse‘ der gesellschaftlichen Strukturen bewirken kann, stellt sich quasi eine unlösbare Aufgabe. Dabei gibt es gewisse Entsprechungen zu der Lage, in der sich die Protagonistin des Films, die schwangere Studentin Eva, befindet. In auswegloser Situation kämpft sie für ihre Träume. Trotz der noch nicht ausgestandenen Entzugsphase, trotz des missglückten Überfalls und der Schuld, die auf ihr lastet, versucht Eva, ihren Freund Jo aus der Haft zu befreien, den Verfolgern zu entkommen und in Neuseeland ein neues Leben zu beginnen. Zugleich bemüht sie sich um eine Verständigung mit ihrem Vater und dem Ex-Freund, für den die durch sie unerwiderte Liebe ‚die Hölle‘ ist. Außerdem entwickelt sich die Beziehung zu einem Ersatz-Vater, zu dem Altphilologen Paul. Anna Maria Mühe und Axel Prahl spielen diese Rollen herausragend. Max von Thun überzeugt als Jo. Mit Musik-Telepathie wird zudem eine transzendente Dimension eröffnet. Stimmungsvolle Bilder beeindrucken die Zuschauer. Es gibt viele Stärken in diesem Film. Doch kann das sehr komplizierte Beziehungs- und Problemgeflecht mit den filmischen Mitteln nicht formvollendet bewältigt werden. In der Diskussion wurde die Auffassung vertreten, dass die Dramaturgie an einzelnen Stellen ‚holpert‘. So die Auffassung einer qualifizierten Minderheit der FBW-Jury. Es gab jedoch andererseits auch viel Lob. Die Figuren wurden als interessant und sympathisch empfunden. Bereits bei der vorhergehenden Begutachtung wurde der Wert des Films gewürdigt. Es handelt sich um einen interessanten, mutigen und wertvollen Film, der am Ende spannend bleibt und auch nachwirken kann. Für das Prädikat besonders wertvoll gab es allerdings leider keine Mehrheit.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

      News und Stories

      • Drama "Schwarzer Strand" von Hans W. Geissendörfer

        Regisseur Hans W. Geissendörfer („Schneeland“) dreht in Bamberg das Drama „Schwarzer Strand“. Anna Maria Mühe („1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“) und Max von Thun (TV-Film „Die Flucht“) spielen das Junkie-Paar Eva und Jo. Als Eva schwanger wird, wollen die beiden entziehen und in Neuseeland einen neuen Anfang wagen. Doch dann reißt das Schicksal das Paar auseinander. Das Drehbuch stammt...

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