Immer nie am Meer

   Kinostart: 04.10.2007

Immer nie am Meer: Sarkastische, bitterböse Komödie um drei in einem Auto eingesperrte Unsympathen.

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Filmhandlung und Hintergrund

Sarkastische, bitterböse Komödie um drei in einem Auto eingesperrte Unsympathen.

Der österreichische Archäologieprofessor Baisch (Dirk Stermann) fährt mit seinem alkohol- und tablettensüchtigen Schwager Anzengruber (Christoph Grissemann) nach einer Feier nachts heim. Unterwegs lesen sie den verunglückten Kleinkünstler Schwanenmeister (Heinz Strunk) auf. Kurz darauf haben auch sie einen Unfall, kommen von der Straße ab und sind in ihrer gepanzerten Limousine hoffnungslos zwischen zwei Baumstämmen eingeklemmt. Verletzt warten sie fast ohne Proviant auf Rettung und fallen sich bald böse auf den Wecker.

Auf engstem Raum angesiedelte Psycho-Groteske, mit der der Wiener Filmemacher und Produzent Antonin Svoboda („Die fetten Jahre sind vorbei„, „Spiele Leben„) drei traurige und doch sehr komische Gestalten in ein schlagfertig-absurdes Wortduell verwickelt.

Der depressive Anzengruber, dessen schwerfälliger, Schwager Baisch und Anhalter Schwanenmeister geraten in einer gepanzerten Limousine von der Landstraße ab und kommen nicht mehr aus dem Unfallwagen heraus. Nach anfänglichen Witzeleien untereinander macht sich mit zunehmendem Hunger und Durst Panik breit.

Eine Limousine kommt von einer Landstraße ab und landet in einem Waldstück. Deren Insassen, der depressive Anzengruber, dessen schwerfälliger Schwager Baisch und ein nicht gerade stabil im Leben stehender Anhalter, können den Wagen nicht verlassen, weil er eingeklemmt ist. Lange wollen die Männer nicht wahrhaben, dass sich ihr Aufenthalt länger hinziehen wird, als ihnen lieb sein dürfte. Als sich Hunger und Durst einstellt und (Todes-)Angst sich breit macht, beginnt sich das Trio auszuspionieren und zu terrorisieren.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Drei Männer, eingeklemmt in einem Auto im tiefen, finsteren Wald: Das könnte die Situation eines existentialistischen Kurzfilms aus den 60ern sein, ist aber hier ein Spielfilm mit bitter-ironischen, humorvoll-bösen Untertönen. Ein Film, wie er heute so wohl nur in Österreich hat produziert werden können, dem Land, das Grotesken mit Josef Hader schuf, wo Michael Haneke menschliche und zwischenmenschliche Kälte auf Leinwand bannte, wo minimalistische Filme wie „Hundstage“ mit lakonischer Schonungslosigkeit schockieren.

      In „Immer nie am Meer“ werden drei Männer zusammengesperrt, die sich, so ist anzunehmen, mit ihrer gegenseitigen mal unterschwelligen, mal ausbrechenden Aggressivität irgendwann gegenseitig auffressen werden. Ein Archäologieprofessor mit Liebeskummer, sein Schwager voll des Weltekels des Verlierers, der sein selbstverschuldetes Elend nicht wahrhaben will, und Herr Schwanenmeister, ein schmieriger Tingeltangelsänger, den das Entertainmentbusiness ankotzt, der mit seiner mehr als latenten Homosexualität hausieren geht: Sie sind eingepfercht zwischen Baum und Baumstumpf, fernab der Straße mitten im undurchdringlichen Wald. Ein Mikrokosmos dreier Männer, die nicht miteinander können, aber miteinander müssen. Eine Versuchsanordnung der Filmemacher – die Darsteller haben ihre Rollen selbst geschrieben –, die sich auf die Dynamik der Unvermeidlichkeit konzentriert.

      Ein Film als Anordnung für einen Menschenversuch, der als Clou mitten im Film einen kleinen Jungen einführt, selbst mehr oder weniger verhaltensgestört, der das Auto mit den Gefangenen entdeckt, aber nicht etwa Hilfe holt, sondern die drei als eine Art Laborratten für ein Verhaltensforschungsexperiment benutzt inklusive Licht- und Nahrungsentzug, Geräusche- und Psychoterror.

      „Immer nie am Meer“ ist also ein Film, der nicht nur die Verhaltensweisen seiner Protagonisten untersucht, sondern auch die Voraussetzungen seiner selbst, als künstliches, auf Zelluloid gebanntes Gedankenexperiment reflektiert. Psychologisch schlüssig, mit Charakteren, deren Untiefen allmählich erst offengelegt werden, mit dynamischem Wechselspiel zwischen Weinerlichkeit und Hysterie, Aggressivität und Fatalismus wäre der einzige Vorwurf, der dem Film zu machen ist, dass er seine Handlung denn doch zu künstlich präsentiert. Nicht wegen der absurden Ausgangssituation, die ihrerseits wiederum ganz plausibel satirisch motiviert ist: Es handelt sich um den alten Mercedes des früheren österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim, seines Zeichens auch UN-Generalsekretär und geouteter Altnazi, inklusive Panzerglasscheiben, nicht mehr funktionierendem Schiebedach und defekter Hupe.

      Die künstliche Distanzierung des Zuschauers, die ein vollständiges Einlassen auf die beklemmende Situation verhindert, bewirken eher die Darsteller, von denen man merkt, dass sie keine professionellen Schauspieler sind: Dirk Stermann und Christoph Grissemann sind österreichische Satiriker, Heinz Strunk deutscher Entertainer-Humorist. Und alle drei spielen mehr oder weniger ihre Kunstfiguren, die wiederum in die Rollen der Eingeschlossenen schlüpfen… Für Fans sicherlich eine interessante zusätzliche Brechung; für den Film selbst aber eine Drehung der Schraube zuviel.

      Fazit: Ein beklemmendes Spiel um das Eingeschlossensein, auf Film gebannte Verhaltensforschung – das freilich an dem künstlichen Spiel seiner Darsteller krankt.
    2. Immer nie am Meer: Sarkastische, bitterböse Komödie um drei in einem Auto eingesperrte Unsympathen.

      Der Österreicher Antonin Svoboda irritiert mit einer kammerspielartig inszenierten Groteske um drei Männer, die nach einem Unfall in einem gepanzerten Mercedes festsitzen.

      Wer das alpenländische Kabarettisten-Duo Christoph Grissemann und Dirk Stermann kennt, der weiß in etwa, was ihn erwartet, wenn die zwei in einem abendfüllenden Spielfilm ihr Unwesen treiben. Aber auch für alle anderen entpuppt sich Antonin Svobodas „Immer nie am Meer“ sehr schnell als sarkastische, fäkalhumoristische und die Grenzen des guten Geschmacks auslotende, filmische Versuchsanordnung. Svoboda, der gemeinsam mit Barbara Albert, Jessica Hausner und Martin Gschlacht zu den Gründungsmitgliedern der innovativen Filmkunst-Produktionsfirma Coop 99 gehört, hat sich bei seiner zweiten Kino-Regiearbeit fürwahr an ein Experiment gewagt: Nahezu 90 Prozent der Handlung findet in einem Auto statt, einer Limousine, die durch unglückliche Umstände von einer einsamen Landstraße abkommt und in einem Waldstück landet. Deren Insassen, der tablettensüchtige, depressive Anzengruber (Christoph Grissemann), dessen schwerfälliger, konturenloser Schwager Baisch (Dirk Stermann) und ein ebenfalls nicht gerade stabil im Leben stehender Anhalter namens Schwanenmeister (Heinz Strunk), können den Wagen nicht verlassen, weil a) seine Türen zwischen zwei Baumstämmen eingeklemmt sind, b) das elektrische Schiebedach defekt ist, und c) die Fensterscheiben aus Panzerglas sind, da der Mercedes aus dem Nachlass des ehemaligen österreichischen Ministerpräsidenten Kurt Waldheim stammt. Trotz dieser reichlich konstruierten Situation beginnt man mit einer gewissen Neugier das Schicksal dieser drei Männer - allesamt unsympathische, ja richtig miese Typen - zu verfolgen, die lange nicht wahrhaben wollen, dass sich ihr Aufenthalt im beengten Blechgefängnis länger hinziehen wird, als ihnen lieb sein dürfte. Anfangs sind die Gespräche noch harmlos-nett - so macht sich Anzengruber einen Spaß daraus, seinen Schwager vor dem Fremden bei jeder sich bietenden Gelegenheit lächerlich zu machen, während Schwanenmeister, ein drittklassiger Alleinunterhalter aus Norddeutschland, mit peinlichen Sparwitzen zu punkten versucht. Doch als sich Hunger und Durst einstellt, gewisse Bedürfnisse befriedigt werden müssen und (Todes-)Angst sich breit macht, beginnt sich das Trio auf engstem Raum auszuspionieren und zu terrorisieren und merkt dabei nicht, dass es längst zum Spielball eines zufällig im Wald auftauchenden Schülers geworden ist, der mit den Dreien wie mit Ratten zu experimentieren beginnt.

      Fast könnte man meinen, das kammerspielartig inszenierte Werk, würde - ähnlich wie „Indien“ - einem Theaterstück zugrunde liegen. Doch Svoboda hat diesen Originalstoff den Kabarettisten Stermann/Grissemann, mit denen er schon länger zusammenarbeitet, auf den Leib geschrieben. Unterstützt von Heinz Strunk, der ihnen an Nihilismus, Defätismus und grotesker Überzeichnung in nichts nachsteht, tun die zwei im Prinzip nichts anderes als sich selbst respektive ihre Kabarett-Figuren zu variieren. Diese Art tiefschwarzen, absurden Humors muss man mögen, dann hat man bei „Immer nie am Meer“, dessen Titel in etwa so unzutreffend ist wie der Film unsinnig, einen Höllenspaß. lasso.

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      Kino.de Redaktion  

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