Il Divo (2008)

Originaltitel: Il divo
Il Divo Poster

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Filmhandlung und Hintergrund

Il Divo: Biopic über den italienischen Staatsmann Giulio Andreotti, der von 1946 bis 1992 an 33 Regierungen beteiligt war und ein Günstling der Mafia gewesen sein soll.

Seit 1946 das Parlament in der neu gegründeten italienischen Demokratie entstand, wurde der Staatsmann Giulio Andreotti (Toni Servillo) insgesamt sieben Mal wiedergewählt. Man sagt dem umstrittenen Politiker enge Verbindungen zur Mafia nach. Im Laufe der Zeit ist er an 33 Regierungen beteiligt und wird 21 Mal Minister, 1992 ernennt man ihn zum Senator auf Lebenszeit. Kurz darauf muss er sich für angebliche Begünstigungen der Cosa Nostra verantworten.

Biopic über das Leben des umstrittenen, legendären italienischen Staatsmanns Giulio Andreotti, der nicht nur Amtsrekorde aufstellte, sondern auch als Mafiagünstling für Schlagzeilen sorgte. “Il Divo Giulio” – der göttliche Julius (Caesar) – so sein Spitzname, segnete den Film persönlich ab.

Beginnend mit 1946 wurde Giulio Andreotti, mittlerweile 89 Jahre alt, insgesamt sieben Mal ins italienische Parlament wiedergewählt. Der umstrittene Politiker war an 33 Regierungen beteiligt und war insgesamt 21 Mal Minister. 1992 wurde er zum Senator auf Lebenszeit ernannt. Ein Jahr später stand er erstmals vor Gericht, wegen angeblicher Begünstigungen der Cosa Nostra. In allen Fällen wurde Andreotti freigesprochen.

Beginnend 1946 wurde Giulio Andreotti, mittlerweile 90 Jahre alt, insgesamt sieben Mal ins italienische Parlament wiedergewählt. Der umstrittene Politiker war an 33 Regierungen beteiligt und insgesamt 21 mal Minister. 1992 wurde er zum Senator auf Lebenszeit ernannt. Ein Jahr später stand er erstmals vor Gericht, wegen angeblicher Begünstigungen der Cosa Nostra. In allen Fällen wurde Andreotti freigesprochen – während viele seiner politischen Gegner diskreditiert und – wie im Falle Aldo Moros – ermordet wurden.

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Giulio Andreotti hat die Politik Italiens seit den 40er Jahren dominiert. Von den 70ern bis in die 90er war er sieben Mal Ministerpräsident und unzählige Male Minister in anderen Regierungen. Andreotti ist die Verkörperung absoluter Macht. Einer Macht, der gar nicht beizukommen ist. Genau das macht ihn zum Idealprotagonisten eines Gangsterfilms.

    Denn Paolo Sorrentinos Film ist alles andere als dröge Politikerbiographie. Er begreift die Geschichte seines Landes – und liegt damit sicher nicht ganz falsch – als unauflösbares Geflecht zwischen Politik, Kirche, Mafia und – damals in geringerem Maße als heute unter Berlusconi – Medien. Und der Mann, der alle Fäden in der Hand hält – oder der zumindest weiß, wer an welchem Faden ziehen kann: das ist Andreotti, il divo, der Göttliche.

    Sorrentino lässt seinen Film als Gangsterkracher beginnen, mit einer Menge Ermordungen von Politikern, Bankern, Journalisten; um dann die Clique um Andreotti vorzustellen, in slow motion, mit den arroganten Gesichtern der Macht, mit Einblendungen von Namen, Stellung und Spitzname: „Der Hai“, „Lemon“, „Seine Heiligkeit“, etc. Wie es halt so ist im Syndikat.

    Dann beginnt der Film ein Puzzlespiel, springt chronologisch von hier nach dort, lässt Figuren auftauchen und verschwinden – und bleibt genau damit ganz nah an der Undurchschaubarkeit Andreottis. Der von gar nichts weiß. Der aber ein riesiges Archiv hat mit allen Informationen über all seine Mitarbeiter, Feinde oder die, die es werden könnten...

    Wahre Macht äußert sich nicht in Aggressivität, in Drohungen oder in Überheblichkeit. Wahre Macht zeigt sich darin, dass andere diese Macht anerkennen. Andreotti wird dargestellt von einem wunderbaren Toni Servillo, der ganz schmal, ganz defensiv, körperbeherrscht, zugeknöpft, kantig ist. Unnahbar, undurchschaubar, ein Mann ohne Eigenschaften – genau das wirkt auf den anderen einschüchternd, die Diskrepanz zwischen unscheinbarer Erscheinung und vollmächtigem Sein. Wie er durch die Straße schreitet, unruhig durch seine Wohnung ruckt, wie andere kleinste Regungen seiner Hände zu deuten versuchten: es ist ein Faszinosum, wie ein so dröger Typ einen ganzen Film tragen kann; doch genau das ist der Fall.

    In Verbindung natürlich mit den großartigen Bildern und Sequenzen, die Sorrentino erschafft: ob das die weiße Katze ist mit einem gelben und einem blauen Auge, die im Regierungsschloss Andreotti bei seiner siebten Amtseinführung im Weg sitzt, ob das ein Skateboard ist, das durch die Parlamentslobby fährt und in eine Attentatsexplosion mündet. Er schneidet ein Pferderennen gegen einen Killer auf einem Motorrad, und immer wieder scheinen die Figuren aus sich, aus dem Film herauszutreten für einen fast theaterhaften Monolog – der dann sofort wieder ironisch gebrochen wird, durch die nächste Szene oder durch die Popmusik, die so gar nicht zu den Politgangstern passt und gerade deshalb so richtig ist. „Der Dreh- und Angelpunkt meines Blicks auf die Welt ist die Ironie. Das Leben ist tragisch genug, und Ironie das beste Gegenmittel“; erklärt Sorrentino. Und Andreotti selbst betont im Film, dass das eine, das ihn auszeichnet unter all den anderen Hochpolitikern, sein Sinn für Humor sei.

    Ja, es ist ein poppiger Film, schnell, informationsüberfüllt, actionreich und zugleich charakterbasiert. Ein Film, der Politik ins Gangstergenre überführt, der nicht Tatsachen vorführen, sondern das Innere der Macht darstellen will. Der spannend ist, auch wen man nur zur Hälfte kapiert (weil so viel vor sich geht). Und der natürlich auch in Hinblick auf heutige Berlusconijahre gesehen werden will.

    Fazit: Eine Politikerbiographie, die als Gangsterfilm daherkommt – genau richtig für Andreotti, den Mächtigen Italiens, dem seine vermuteten jahrzehntelangen Mafiaverbindungen nie nachgewiesen werden konnten…
  • In seinem formidablen Biopic zeichnet Paolo Sorrentino ein facettenreiches Porträt Giulio Andreottis, den Toni Servillo erschreckend eindringlich verkörpert.

    Als Lieblingsfilm nennt er “Dr. Jekyll und Mr. Hyde” – auch bekannt als “Arzt und Dämon”. Was doch viel aussagt über Giulio Andreotti, einem der wichtigsten italienischen Politiker der letzten 50 Jahre. 1919 in der Provinz Rom geboren, stieg er 1946 in die Politik ein, war sieben Mal italienischer Ministerpräsident, 21 Mal Minister und an 33 Regierungen beteiligt. Unter ihm, seit 1992 Senator auf Lebenszeit, wurde die Democrazia Christiana (DC) zur Macht, die über Jahrzehnte Italien quasi beherrschte. Ein Mann, der so etwas zustande bringt, braucht besondere Fähigkeiten – doch die kennt eigentlich keiner. Denn Andreotti, inzwischen 90 Jahre alt, ist weitgehend ein Unbekannter. Ein Mann im Schatten. Aus diesem hat ihn nun Paolo Sorrentino – vom Objekt seines Interesses persönlich abgesegnet! – mit “größtmöglicher Unparteilichkeit” in seinem formidablen “Il divo” herausgeholt.

    Grob skizziert Sorrentino die frühen politischen Jahre – mit viel Off-Kommentar, dem genau zu folgen angeraten ist. Um Mord geht es, um Betrug und Bestechung, um Banker, die unter Brücken hängen, und Richter, die mit Kugeln von ihren Posten entfernt werden. Dann drosselt der Filmemacher das Tempo, verweilt bei der letzten Regierungsperiode Andreottis. Der Ministerpräsident steht unter Druck, Verbindungen zur Cosa Nostra, zum organisierten Verbrechen, werden ihm nachgesagt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Aber das scheint “Den Star” nicht zu rühren. Der ruht in sich, verzieht keine Miene. Mit den Fingern kommuniziert er, nur Eingeweihte kennen den Code: Daumendrehen bedeutet Interesse, Eheringdrehen Missfallen.

    Toni Servillo (“Gomorrha”) spielt, nein, er ist Andreotti. Er geht in der Rolle voll auf – vom ersten Augenblick an. Ganz nah fährt die Kamera ans von Akupunkturnadeln gespickte Gesicht – Linderung der chronischen Kopfschmerzen soll das bringen – und lässt ihn dann nicht mehr los, wie die Anfangsszene aus Coppolas “Der Pate”.

    Genauso spannend, packend und zitatreich geht’s weiter. In “GoodFellas”-Manier schreiten Andreotti und seine “Gang” in Zeitlupe durch Parlamentsflure, surrealistische Einsprengsel lockern die Handlung auf, gekonnte Erzählellipsen und verquere musikalische Kontraste tragen zum (finsteren) Vergnügen bei. Andreotti besucht die Kirche, spricht mit dem Priester, nicht mit Gott – denn “Gott geht nicht wählen”. Andreotti, das wird schnell klar, ist ein Machtmensch, aber einer, den Macht wenig interessiert. Was ihn höchst unberechenbar macht, ungreifbar und in gewisser Weise auch unangreifbar. Nach knapp zwei Stunden weiß man viel über Andreotti, seine Allianzen, sein Verhältnis zu Frauen, zum Pferdesport und das, obwohl er nur ein einziges Geheimnis wirklich preisgibt. Die ganze “Größe des Rätsels” zu entschlüsseln gelingt Sorrentino also nicht – und das ist wohl auch Teil des Geheimnisses seines Erfolgs, der sich zum Beispiel in Cannes 2008 im Jury-Preis niederschlug. geh.

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