Filmhandlung und Hintergrund

TV-Drama um eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Ich trag dich bis ans Ende der Welt: TV-Drama um eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung.

    Der Titel des Jakobsweg-Bestsellers von Hape Kerkeling, „Ich bin dann mal weg“, ist zwar längst überstrapaziert, aber in diesem Fall passt er prima: weil sich die Hauptfigur des Film von Christine Kabisch ebenfalls mir nichts, dir nichts Richtung Spanien verabschiedet.

    Allerdings hat Anna (Ann-Kathrin Kramer) auch allen Grund dazu, aus dem goldenen Käfig zu fliehen, den ihr Mann im Lauf der Jahre um sie herum errichtet hat, selbst wenn es vordergründig nichts zu meckern gibt: Die Familie ist wohlhabend, das Eigenheim repräsentativ und die Kinder wohlgeraten. Wie in solchen Geschichten üblich setzt das Drehbuch (Markus Mayer nach einer Vorlage von Werner Sallmaier) allerdings schon zu Beginn kleine Nadelstiche, die vermitteln, dass der Gatte (Bernhard Schir) Anna nicht ernst nimmt; und dann erwischt sie ihn nach Feierabend mit seiner Assistentin. Kurzerhand entschließt sie sich, ihren Vater (Elmar Wepper) auf dem Jakobsweg zu begleiten; ein Einfall, der verdeutlicht, wie verzweifelt sie ist, denn die beiden trennt eine tiefe Kluft, seit Horst die Familie im Stich gelassen hat, als Anna neun war.

    Erinnert die Handlung zu Beginn noch an viele andere dieser Art, geht es dem Film auf dem Jakobsweg wie den meisten Pilgern, die eigentlich nach Gott suchen: Er findet zu sich selbst. Gemeinsam mit der sparsam instrumentierten Musik sorgt die unwirtliche Landschaft der Pyrenäen, in der Anna auch dann noch deplaziert wirkt, als sie ihre hochhackigen Schuhe und das offenherzige Kleidchen gehen rustikale Wanderkluft vertauscht, für eine ganz eigene Atmosphäre: Der Weg zur Erleuchtung ist buchstäblich steinig. In aller Ruhe kann sich nun eine berührende Vater/Tochter-Geschichte entfalten, denn natürlich sorgt die Einsamkeit für diverse Geständnisse und Bekenntnisse. Nicht etwa Horst, wie Anna immer glaubte und ihm seither vorhielt, hatte damals eine Affäre, sondern ihre Mutter. Nun will der Vater einen Schlusspunkt setzen und über den Jakobsweg buchstäblich bis zum Ende der Welt wandern, ans Kap Finisterre: Er ist unheilbar an Krebs erkrankt. Auch das erzählt er seiner Tochter; aber da schläft sie schon.

    Die zupackende Verkörperung dieses ehemaligen Schulrektors durch Elmar Wepper verhindert immer wieder, dass die Geschichte in sentimentale Rührseligkeit abrutscht; aber ergriffen ist man doch. Dass Anna zwischendurch auf einen Hochstapler (Julian Weigend) reinfällt, der sich nach gemeinsamer Nacht großzügig an ihrer Börse bedient, soll hingegen allzu deutlicher Ausdruck ihrer Emanzipation sein. Am Ende begegnet sie ihm erneut, hat aber zwischenzeitlich nicht nur allem Mammon abgeschworen, sondern auch eine Aufgabe: den letzten Wunsch ihres Vaters erfüllen.

    Die Dialoge sind mitunter von überraschender Poesie, aber ein Satz, gemünzt auf des Gatten Seitensprung im Büro mit der großen Glasfassade, ist ganz und gar pragmatisch und hat das Zeug zur Redensart: Wer im Glashaus sitzt, sollte das Licht ausmachen. tpg.

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