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Hwal - Der Bogen

Kinostart: 27.07.2006
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Filmhandlung und Hintergrund

Poetischer Film von Kim Ki-Duk über einen alten Fischer und ein junges Mädchen.

Auf einem Boot auf dem See hausen der 60 Jahre alte Fischer und seine junge, wunderhübsche Frau, vormalige Pflegetochter. Allerhand junge Männer aus der Gegend wollen dem nicht tatenlos zusehen und machen dem Mädchen unverhohlen den Hof. Sie machen Bekanntschaft mit dem Bogen, mit dem der Alte Pfeile gegen seine Rivalen sendet. Als das Mädchen einen der Freier zu lieben beginnt, kommt Bewegung in die festgefahrene Angelegenheit.

Koreas Regie-Koryphäe Kim Ki-duk zitiert sich einmal quer durch die eigene, auf internationalen Festivals hochdekorierte Schöpfung in dieser wunderschön bebilderten Meditation übers Nichtloslassenwollen.

Ein alter Mann und ein Mädchen leben allein auf einem Boot.Seit der Fischer das Mädchen im Alter von 6 Jahren bei sich aufnahm, hat sie das Boot nicht verlassen. Mittlerweile ist sie 16 und in drei Monaten soll die Hochzeit der beiden sein. Dann jedoch besucht ein junger Student das Boot und weckt das Interesse des Mädchens, was die Schicksalsgemeinschaft auf dem Boot aus dem Gleichgewicht bringt.

Auf einem Boot im grauen Nirgendwo leben ein alter Mann und ein Mädchen. Als sie sechs Jahre alt war, nahm der Mann sie bei sich auf, seither hat sie seinen Kutter nicht mehr verlassen. Ihr Leben finanzieren die beiden durch Gäste, die das Schiff des Mannes als Angelstützpunkt nutzen. Einer von ihnen ist ein junger Student, der sich in das Mädchen verliebt. Als der alte Mann bemerkt, dass dessen Gefühle erwidert werden, eskaliert die Situation, denn eigentlich wollte er das Mädchen bald heiraten.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Der Bogen in HWAL ist ein vielseitiges Instrument. Er dient zunächst zum Schutz des Bootes und seiner beiden Insassen. Zielgenau schießt der alte Mann Pfeile haarscharf an seinen Gegnern vorbei. Das junge Mädchen ist da nicht so zimperlich und zielt gleich ins Bein.

      Der Bogen dient aber auch als Orakel zur Wahrsagung: Während das Mädchen vor einem Buddha-Gemälde an der Außenwand des Bootes schaukelt, zielt der alte Mann von einem Beiboot aus mit Pfeilen auf das Bild und kann so die Zukunft voraussagen. HWAL lädt in eine fremdartige Kultur ein. Man mag den Alten als Wahnsinnig betrachten; dennoch Beweist die dreimal wiederholte Wahrsageprozedur das große Vertrauen, das zwischen Mann und Mädchen besteht.

      Ein Vertrauen, das an einer harten Probe dann doch zu Zerbrechen scheint. Schließlich erscheint es uns ja auch richtig, dass das Mädchen lieber den Kontakt zu Gleichaltrigen suchen sollte und sich aufmacht, die Welt außerhalb des Bootes zu sehen. Zudem erfahren wir bald, dass ihre Eltern immer noch nach ihr suchen.

      Dennoch gibt es auch sentimentale Momente zwischen Mann und Mädchen: Auch als Musikinstrument lässt sich der Bogen nutzen. Letztlich verwischen auch die Grenzen zwischen Erwachsenheit und Kindlichkeit. Wie ein kleiner Junge reißt der Mann schließlich die Kalenderblätter von der Wand um die bevorstehende Hochzeit zu beschleunigen und zu retten.

      Das Mädchen selbst jedoch äußert sich kaum dazu, zumindest nicht verbal. Kim Ki-Duk erzählt ihre Veränderungen in ausdrucksstarken Bildern vor dem klaren Hintergrund des Meeres. Als ihr der Student einen mp3-Player schenkt, ist sie fasziniert von der neuen Musik und lauscht stundenlang, so dass sie den herankommenden Alten gar nicht bemerkt. Dieser reißt ihr wütend die Kopfhörer von den Ohren. Doch eine Trommel und ein alter Bogen können offenbar nicht mehr mithalten, es gibt auf einmal mehr zu entdecken.

      Auch als die Batterien schon leer sind, trägt das Mädchen immer noch die Kopfhörer. Sie hat sich schon für die neue Welt entschieden, kann sich jedoch der Verantwortung gegenüber ihrer Vaterfigur nicht entziehen. Letztlich wird klar, dass es unterschiedliche Formen von Liebe gibt, die miteinander nicht mehr konkurrieren können.

      In Sequenzen, deren Symbolik uns sich oft nicht erschließen mag, zeigt Kim Ki-Duk einen Ausgang der zwar kaum überrascht, aber dennoch fesselt. Trotz des geringen filmischen Raumes fasziniert allein das mit bunten Tüchern und bunten Sesseln bestückte Schiff dermaßen, das es kaum möglich ist sich an den Bildern satt zu sehen. Für das Mädchen ist das Schiff die Welt und auch nach 90 Minuten glauben wir, von ihr noch nicht alles gesehen zu haben.

      Fazit: Poetisches und Faszinierendes Kino, das eine stille, aber außergewöhnliche Geschichte erzählt.
    2. Hwal - Der Bogen: Poetischer Film von Kim Ki-Duk über einen alten Fischer und ein junges Mädchen.

      Auf Festivals Dauergast, zählt der Koreaner Kim Ki-duk inzwischen auch hierzulande zu den bekannten Arthouse-Größen. In „Hwal - Der Bogen“ erzählt der nimmermüde Autorenfilmer in poetischen Bildern eine teils surreal anmutende Initiationsgeschichte.

      Vom harten Los (vieler) seiner Landsleute und deren täglichem Überlebenskampf berichtet Kim Ki-duk in seinen Arbeiten und setzt sich mit Entfremdung sowie (weiblicher) Sexualität auseinander. Die Familie hat (fast) aufgehört zu existieren, die Moderne längst die Tradition überrollt. Mit dem kalten Blick eines Wissenschaftlers schaut er hin, wo andere wegschauen und wird dafür gerne als grausam und gefühlskalt apostrophiert. Dabei lichtet er wertfrei ab, reduziert bis das Wesentliche sichtbar wird. Gewalt und Exzesse kommen hinter trügerisch ruhigen Fassaden zum Vorschein, wie zum Hohn verpackt in wunderschön komponierten Bildern. Und immer wieder das Wasser, der Ursprung allen Lebens.

      So ist das Hausboot aus „Seom - Die Insel“ in „Hwal“ einem rostigen Fischkutter gewichen. Tagesgäste benutzen den Seelenverkäufer, der irgendwo im diffusen Nichts ankert, als Angelplattform. Was seinem Besitzer das Einkommen sichert. Mit an Bord auch ein junges Mädchen, das der Fischer als kleines Kind zu sich genommen hat. Seitdem lebt die inzwischen Sechzehnjährige hier. Nun soll bald Hochzeit sein. Der alte Mann streicht akribisch im Kalender die verbleibenden Tage aus. Da taucht ein junger Mann auf, weckt die Begierde des Mädchens. Der Bogen, der dem Fischer als Orakel dient, dem er zarte Liebesweisen entlockt, wandelt sich zur Waffe. Aus Amors Pfeilen werden echte.

      Wenig bis kein Dialog, ein aufs Minimum reduziertes Figurenarsenal und ein einziger Schauplatz. Ein Kammerspiel auf hoher See. Und doch kein Moment Langeweile. Kim Ki-duk, Regisseur, Autor und Produzent in Personalunion, erzählt eine höchst suggestive, archetypische Geschichte vom Erwachsenwerden. Das Mädchen schwingt Lolita-gleich auf einer Schaukel, der alte Mann verzehrt sich eifersüchtig nach ihr und hat doch gegen die Jugend keine Chance. Kraftvoll unterstreicht die Musik Sturm und Drang, während die einfache, in starken Farben gehaltene Bildgestaltung geradezu meditativ anmutet. Den Rest besorgen die präsenten Schauspieler, an die man ganz nahe herankommt. Bis das Boot untergeht, ein anderes Kurs aufs Land nimmt. Eine neue Geschichte beginnt. geh.

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