Hotel Ruanda Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Hotel Ruanda: Drama vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs und Genozids in Ruanda: Ein Hotelmanager rettet über 1200 Menschen das Leben und wird zum Helden.

In dem afrikanischen Land Ruanda herrschen seit Jahrzehnten Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen der Hutu und der Tutsi. Die Hutu stellen zwar in der Bevölkerung die Mehrheit, jedoch besetzen die Tutsi viele der wichtigen Positionen in Wirtschaft und Politik. Als am 06. April 1994 das Flugzeug des Präsidenten abgeschossen wird, eskaliert der brodelnde Konflikt. Inmitten dieser Auseinandersetzung gerät auch Paul Rusesabagina (Don Cheadle). Er ist Manager des Hotels „Des Mille Collines“ in der Hauptstadt Kigali. Seine Familie muss mitansehen, wie im Zuge der Ausschreitungen ihre Nachbarn ermordet werden. Dies ist jedoch nur der Beginn eines schrecklichen Genozids, der im Laufe der nächsten 100 Tage nach Schätzungen ungefähr eine Millionen Menschen das Leben kosten sollte. Um seine Familie vor diesem Grauen zu bewahren, besticht Paul einflussreiche Leute mit Alkohol und Geld. Als ein Offizier der ruandischen Armee seine Nachbarn bedroht, verhandelt der Hotelmanager notdürftig über ihre Sicherheit und kann sie letztlich in seinem Hotel unterbringen. Immer mehr Flüchtlinge gelangen zum Hotel, da ein Auffanglager der UN, das Rote Kreuz und Waisenhäuser nicht mehr Leute aufnehmen können. Paul nimmt sie bei sich auf, wodurch sich jedoch eine Vielzahl von Problemen ergeben. Er muss sich um die Flüchtlinge kümmern, die Soldaten fernhalten, seiner Familie als starker Rückhalt dienen und weiterhin das Hotel am Laufen halten, obwohl um ihn herum alles im Chaos erstickt.

„Hotel Ruanda“ ist ein US-amerikanisches Drama, das auf wahren Begebenheiten beruht. Die Regie übernahm Terry George, der auch am Drehbuch mitwirkte. „Hotel Ruanda“ wurde für drei Oscars nominiert, konnte jedoch keine der Kategorien für sich entscheiden.

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Nach Angaben des echten Paul Ruseabagina sind 90% der im Film erzählten Handlung wahr und genauso geschehen. Die restlichen 10% erzählen eine romantische Liebesgeschichte, die den Film dramaturgisch schlüssig umklammert und – nach Angaben des Regisseurs Terry George – dafür sorgt, dass der Zuschauer unterhalten wird.

    Denn Unterhaltung ist die Forderung, die heutige Zuschauer an einen Film stellen. Aus diesem Grund drehte George einen Feature Film über das Thema. So kann er den Zuschauer gewissermaßen an die Hand nehmen und ihm ganz nebenbei auch noch eine wahre Geschichte erzählen, die er so schnell nicht vergessen wird. Dokumentarfilme – so George – gebe es bereits genug zu diesem Thema. Die sehe sich allerdings kaum jemand an. „Hotel Ruanda“ macht sich zur Aufgabe, eine breite Masse zu erreichen.

    Auch wenn es sich bei „Hotel Ruanda“ also nicht um einen Dokumentarfilm handelt, benutzt er die Mittel einer dokumentarischen Kamera, um möglichst realitätsnah zu erscheinen und den Zuschauer unmittelbar am Geschehen teilnehmen zu lassen. In grobkörnigen nahen Bildern erzählt der Film von unvorstellbaren Dingen, die sich nur wenige Jahre zuvor tatäschlich ereignet haben.

    Hineingezogen in den Film wird der Zuschauer aber nicht nur durch die dokumentarischen Bilder. „Hotel Ruanda“ setzt auch deutlich auf Emotionen. Ein Hauptaugenmerk des Films liegt auf den Kindern. Weinende, erschrockene und verstummte aber auch spielende, tanzende und lachende Kinder. Kindergesang begleitet die Szenen, in denen Weiße von Soldaten gerettet und Schwarze im Stich gelassen werden. Immer getreu dem Motto: Wer die Kinder sterben lässt, der lässt die Menschheit sterben. Das Überleben der Kinder jedoch bedeutet auch das Überleben der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

    Die ganze Lächerlichkeit der gezeigten ehtnischen Rassenlehre der Hutu gegen die Tutsi wird deutlich gemacht, wenn von einem Kind erzählt wird, das sich weinend zu entschuldigen versucht: „Ich werde auch keine Tutsi mehr sein.“ Dass zwischen Menschen Unterschiede gemacht werden, dass die einen mehr wert sein sollen als die anderen – dagegen begehrt der Film auf. Er stellt sich den rassistischen Realitäten, die nach wie vor überall auf der Welt existieren.

    Auch will der Film der internationalen Gemeinschaft einen Spiegel vorhalten, der es möglich machen soll, dass sie bei einem neuen „Ruanda“ nicht wieder versagt. Ein Kinofilm als mediales Machtmittel gegen das Vergessen und für positive Veränderung im Umgang mit ethnischen Konflikten. In diesem Fall aber auch Kino als Medium der Aufklärung der breiten Masse. Der Information über einen Genozid der größtenteils übersehen oder überhört wurde.

    Dass Medien allerdings auch eine zerstörerische Gewalt entwickeln können, auch das ist eines der Hauptthemen des Films. Der Radiosender RTML ist hier ein mächtiges Propagandainstrument der Hutu, um gegen die Tutsi zu hetzen und die Morde zu koordinieren. „Wenn man das entscheidende Element herauskristallisieren sollte, das diesen Völkermord auslöste, dann wäre es dieser Radiosender“ sagt Terry George in einem Interview. „Ich muss den Zuschauern deutlich machen, welche Macht die Propaganda entwickelt.“

    Die Gewalt-Szenen unterlegte der Regisseur Terry George mit Absicht nicht mit einem actionlastigen Score – der eine Distanz zu den Bildern hervorgerufen hätte. Durch den Gesang der Kinder wirken diese Szenen um so eindringlicher und intensiver. Außerdem entschied sich George dafür, die eigentliche Gewalt nicht zu zeigen, so dass sie sich in den Köpfen der Zuschauer um so stärker entfalten kann.

    Fährt Paul Rusesabagina auf der Suche nach Nahrungsmitteln über eine Straße voller Leichen, dann entwickelt der Film eine bizarre beinahe surreale Atmosphäre, die dem Zuschauer eindringlich das Grauen näherbringt und dennoch eine gewisse Distanz zum Geschehen wahrt.

    Der Film erzählt die Geschichte eines außergewöhnlichen Mannes, aus dem in einer lebensbedrohlichen Ausnahmesituation ein Held wurde, der insgesamt 1268 Menschen das Leben rettete. Dabei sollte besonderen Wert gelegt werden auf den langsamen Wandel der Figur, die zunächst nur um die eigene Familie besorgt ist und dann nach und nach auch die Verantwortung für andere Menschen übernimmt.

    Inwieweit es gerechtfertigt ist, die Geschichte eines Völkermordes mit einer romantischen Liebesgeschichte zu verknüpfen, die in einem Happy End gipfelt, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen, und dass für dieses Ziel auch bekannte Schauspieler wie Joaquin Phoenix zu Werbezwecken in winzige Nebenrollen gezwängt werden, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

    Mit Hilfe dieses Films wird es zwar kaum möglich sein, ähnliche Konflikte, die sich im Sudan oder im Kongo anbahnen, zu verhindern, dennoch kann man aber sagen, dass es sich bei „Hotel Ruanda“ in diesem Sinne um einen wichtigen Film handelt, da er dem Schweigen des Grauens eine mögliche Sprache gibt.

    Fazit: Ein Film, der auf Unterhaltungsbasis versucht, dem Zuschauer das Grauen eines real geschehenen Völkermordes nahezubringen.
  • In Toronto mit dem Hauptpreis des Festivals bedacht, mit Oscar-Nominierungen für die Hauptdarsteller Don Cheadle und Sophie Okonedo und mit einem für das so herbe Thema beachtlichen Einspielergebnis in den USA, kommt Terry Georges Dokudrama nun nach seiner Deutschlandpremiere im Wettbewerb der Berlinale in die deutschen Kinos. „Hotel Ruanda“ erzählt die Geschichte des „afrikanischen Oskar Schindler“, der angesichts des Völkermords in seiner Heimat über eintausend Menschen das Leben rettete.

    Vor zehn Jahren gipfelte der Bürgerkrieg in Ruanda im größten Genozid seit den Naziverbrechen – beinahe unbemerkt vom Rest der Welt. Innerhalb von drei Monaten wurden drei Millionen Tutsis von regierenden Hutu-Milizen brutal ermordet. „Hotel Ruanda“ erzählt vor dem Hintergrund der Ereignisse von einem Hotelmanager, der das Leben von über 1200 Menschen rettet, indem er, vereinfacht gesagt, ein sehr guter Hotelmanager ist. Dieser Mann heißt Paul Rusesabagina, gespielt wird er von Don Cheadle als ruhiger, stets souveräner Pol mitten im Chaos. Ein Mann, der weiß, wie die Welt funktioniert, der seine erlernten Fähigkeiten, seine Demut vor Autoritäten, seine Diskretion und Würde einsetzt, um zunächst seine Familie und schließlich über Tausend fliehenden Tutsis im zum Flüchtlingslager umfunktionierten Hotel in Sicherheit zu bringen. Paul selbst ist Hutu, verheiratet mit einer Tutsi namens Tatiana (Sophie Okonedo), in Belgien ausgebildet und Leiter das Vier-Sterne-Hotel „Des Milles Collines“ in der Hauptstadt Kigali, nachdem sich der belgische Hoteldirektor aus dem Staub gemacht hat. Wie auch die Vereinten Nationen, die als Friedenstruppe nach Ruanda kamen, im Film von Nick Nolte als Colonel Oliver vertreten werden. Oliver sieht, was geschieht, informiert seine Vorgesetzten, bittet um Hilfe und Intervention und wird ignoriert. Am Ende sind es diese beiden Männer, Oliver und Rusesabagina, die auf eigene Faust die Evakuierung der Flüchtlinge erwirken können.

    Rusesabagina begreift intuitiv, dass er nur etwas erreichen kann, indem er weiter wie ein Hotelmanager handelt. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen, das Land wird von Anarchie regiert, aber Paul zieht jeden Morgen Anzug und Krawatte an und macht „business as usual“ – selbst wenn er dabei vor Angst zittert. Er löscht Namen von der Gästeliste, besticht einen Hutu-General mit Whiskey und nutzt jeden möglichen Trick, um sich die Extremisten vom Leib zu halten. Das entsetzliche Blutbad, das dabei im Hintergrund zu erahnen ist, wird die meiste Zeit aus zweiter Hand erzählt, anfangs in den aufgenommen Bildern des von Joaquin Phoenix in einem Cameoauftritt gespielten Fernsehjournalisten, später offenbart es sich den Augen Rusesabaginas und des Zuschauers in einer Szene auf einer nebligen Landstraße, in der Rusesabagina und sein Fahrer schließlich bemerken, dass sie die ganze Zeit mit ihrem Wagen über Leichen fahren. Der vorangegangene Dialog mit einem Extremisten – „You do not believe you can kill them all? Why not? Why not? We are halfway there already.“ – wird in diesem Moment entsetzliche Wahrheit.

    „Hotel Ruanda“ ist konventionell und zurückhaltend in seiner Inszenierung und wird gänzlich von seinem charismatischen Protagonisten getragen, den Don Cheadle mit afrikanischem Akzent beeindruckend präzise verkörpert. „Hotel Ruanda“ ist ein dramatischer, bewegender Film über Heldentum und den Kampf ums Überleben. Der Film funktioniert nicht deshalb, weil die Leinwand mit Spezialeffekten den Bürgerkrieg möglichst authentisch rekonstruiert, sondern weil die Filmemacher daran interessiert sind, wie ein Mann sich dazu entschließt, in einer unerträglichen Situation zu funktionieren. Terry George, langjähriger Partner von Jim Sheridan, dokumentiert nicht die Hintergründe und Schrecken des Völkermords, was ihm Kritiker vorwarfen. Doch gerade dies mag die einzige Möglichkeit sein, ein breites Publikum zu erreichen und daran zu erinnern, was seinerzeit – und das kritisiert der Film in aller Deutlichkeit – von der westlichen Welt ignoriert wurde. deg.

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