Filmhandlung und Hintergrund

Gelungene Dokumentation über das Leben des Schauspielers Horst Buchholz und das Leben seines Sohnes Christoph nach seinem Tod.

Der Schauspieler Horst Buchholz zählt zu den wenigen deutschen Kino-Weltstars des 20. Jahrhunderts, auch wenn er viele Chancen vergab und auf dem Höhepunkt der Karriere oft fatale kreative Fehlentscheidungen traf und Visconti, Fellini und Kazan absagte. Kurz vor seinem Tod im März 2004 geht Christopher Buchholz, der Sohn des Künstlers, auf kritische Spurensuche in die Vergangenheit, rekonstruiert Privatleben wie Karriere des Vaters und konfrontiert ihn selbst mit seinen Fragen.

Intime Gespräche zwischen Sohn und Über-Vater, aufbereitet für ein breites Publikum von Buchholz Junior und Co-Regisseurin Sandra Hacker.

Vor seinem Tod stellte sich der große Schauspieler Horst Buchholz den Fragen seines Sohnes Christoph. Die Kamera begleitet die Annäherung von Vater und Sohn, der Filmausschnitte und Super-Acht-Momente aus dem Familienalbum sprechen lässt, wenn sich der Befragte verweigert. Aus dem Film wird ein Stück Trauerarbeit, als sich Christoph Buchholz nach „Hottes“ Tod mit seinen Fragen an Tante und Mutter wendet.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Horst Buchholz war ein Weltstar, in den 1950er und 1960ern. In über 100 Filmen hat er mitgespielt, unter anderem mit Billy Wilder, Wim Wenders und, schon als alter Mann, in Benignis „Das Leben ist schön“.

      Buchholz hat Jahrzehnte Erfahrung im Umgang mit der Kamera, und das merkt man auch den Gesprächen an, die sein Sohn Christoper mit ihm führte, zwischen 2001 und 2003. Hager ist Buchholz’ Gesicht, langsam sind die Bewegungen, die Wangen unrasiert. Doch die Augen sind wach und scharf, der klare, tiefe Blick aus den strahlenden Augen, das Spiel mit den Augenbrauen zeigen die Kraft, die in dem alten Mann steckt, und sie machen die Ausstrahlung spürbar, die Horst Buchholz zum Star gemacht haben. Stets interagiert er mit der Kamera, weiß um die Zuschauer hinter der Linse. Ruhig und überlegt spricht er, in druckreifen Sätzen, während Christopher immer wieder mal stottert.

      Beide sind die Begegnung miteinander nicht gewohnt, Horst ist jemand, der nicht viel redet, der sich nicht öffnen will. Immer wieder bricht er Gespräche ab: „Ich muss jetzt essen.“ Doch Christopher drängt auf die Annäherung: Es wurde nie viel geredet in der Familie, und in Christophers Kindheit war der Vater oft abwesend, bei Dreharbeiten irgendwo in der Welt.
      Nun versucht Christopher, seinen Vater zu verstehen; und in der Tat waren die Videointerviews zunächst ein privates Projekt, erst nach dem Tod des Vaters beschloss der Sohn, ein vollständigeres Porträt zu versuchen.

      Facettenreich erzählt der Film von Horst Buchholz, und von der Familie – wie sich Horst und Myriam bei Dreharbeiten kennengelernt haben, darüber bieten beide verschiedene Versionen an, und manches lässt der Film auch absichtlich offen.

      Der Film ist sicherlich eine Hommage an Horst Buchholz, der sich geschmeichelt fühlt von der Kamera, der zugleich immer wieder unangenehm berührt ist von dem unerbittlichen Blick auf sein privates Leben, von den bohrenden Fragen des Sohnes. Der Film ist auch ein Requiem, immer wieder gibt es Szenen, in denen der Sohn die alte, leere Wohnung des Vaters erkundet und sich erinnert… Hier hat der Vater gewohnt, und die leeren, weißen Wände künden von einer existentiellen Abwesenheit.

      Es ist auch ein Film über die Sprachlosigkeit einer Familie. Horst war Deutscher, die Mutter Myriam ist Französin, die Schwester lebt in Los Angeles und spricht nur englisch. Wenn Christopher und Horst miteinander reden, fließen immer wieder Anglizismen ein – normalerweise unterhalten sie sich in Englisch, ein Symptom für die Sprachlosigkeit, dass man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Sprache verständigt hat.

      Und doch ist es kein schwermütiger Film; Anekdoten und Bonmots der Gesprächspartner, nicht zuletzt die sanfte Dramaturgie, die Zwischenschnitte auf Super8-Filme aus Christophers Kindheit, die Filmausschnitte, die Szenen, in denen Horst beispielsweise im Park Enten füttert wie jeder normale Rentner – sie machen den Charme aus und die Leichtigkeit, und sie vermitteln eine leise Ahnung von dem, was Horst Buchholz für andere war.

      Fazit: Zarte Annäherung an einen berühmten Vater.
    2. Horst Buchholz - Mein Papa: Gelungene Dokumentation über das Leben des Schauspielers Horst Buchholz und das Leben seines Sohnes Christoph nach seinem Tod.

      Ein Sohn kann sich nicht erklären, warum seinem Vater die Energie schwindet. Er macht sich vier Jahre vor dessen Tod mit der Kamera auf, beider Verhältnis zu überdenken. Aus dieser Vorgabe ist der bewegende und in seiner persönlichen Herangehensweise bemerkenswerte Privatdokumentarfilm von Christopher Buchholz entstanden, der Vater Horst Buchholz (1933 - 2003) „erforscht“ und den Spuren in dessen Leben nachgeht. Die Mischung aus begleitenden Gesprächspassagen, Interviews, Fotos, Filmausschnitten und seltenen Home Movies bringt „Hotte“, Liebling der Berliner, der sich nie wirklich gern so nennen ließ, in Rollen und Realität („So schnell kommt ein guter Schauspieler nicht um.“) nahe.

      Anfang und Ende bildet die nach dem Tod leere und geräumte Wohnung des Vaters, die Christoph noch ein Mal aufsucht und von der die Erinnerungen an Gespräche und die einzige Umarmung ausgehen. Horst Buchholz war nach Unfällen in Kombination mit Alkohol schwach geworden, was der Sohn nicht verkraften kann: „Ich wollte, dass er ein geiler Typ bleibt.“ Immer wieder forscht die Kamera in minutenlangen Einstellungen im zerfurchten Gesicht des Vaters, der sich aufzugeben scheint, dann aber doch die Aura des aufsässigen Rebellen durchscheinen lässt, die seine Rollen wie „Die Halbstarken“ prägte. Natürlich darf der „Felix Krull“ nicht fehlen, auch „Nasser Asphalt“ nicht, aus dem ein Dialog gewählt wurde, der die Vater-Sohn-Problematik widerspiegelt. Visuelles Leitmotiv ist Buchholz‘ Jagd nach dem Reh in seinem Debütfilm „Marianne“ (1954). Zwei Mal ist der skeptische Arzt, der sich in Roberto Benignis „Das Leben ist schön“ an Rätseln versucht, als Kommentar einmontiert.

      Christopher Buchholz sucht Mutter Myriam Bru („Er hatte Macht über alle Leute…Er war ein heiliges Ungeheuer, aber ein unwiderstehliches Ungeheuer.“) und Schwester Beatrice auf und will mit aller Macht ergründen, warum der Vater Frauen und Männer liebte, die Bisexualität aber nicht zugibt. Da bricht er die Widerstandshaltung des Vaters nicht auf. Vielmehr verstärkt er dessen Schweigen noch und erntet ein Thomas-Mann-Wort: „Liebe die Welt, und die Welt wird dich lieben.“ Mit der wunderbaren Musik aus „Das Leben ist schön“ und der leeren Wohnung endet der Film, der, obwohl der Sohn gescheitert ist, in Bezug auf den Vater umso faszinierender bleibt. ger.

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