Holy Lola

Kinostart: 18.08.2005
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Filmhandlung und Hintergrund

Berührendes Drama um ein französisches Paar, das in Kambodscha ein Baby adoptieren will.

Die gutbürgerlichen französischen Eheleute Pierre und Geraldine Cessac (Jacques Gamblin und Isabelle Carre) wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind, allein die fehlende Fruchtbarkeit macht ihnen einen Strich durch die Familienplanung. Also reist man kurzerhand und hoffnungsfroh nach Kambodscha, wo das Kinderadoptieren angeblich so viel leichter geht als im bürokratischen Europa. Doch haben die Cessacs ihre Rechnung ohne die allgegenwärtige Korruption, kriminelle Vermittler und andere Widrigkeiten der post-Bürgerkriegsära gemacht.

Bertrand Tavernier

Ein junger Arzt und seine Frau beschließen, ein Baby zu adoptieren. Da ihnen das offizielle Adoptionsprozedere in Frankreich zu langwierig ist, fliegen sie nach Kambodscha. Es folgen unzählige Besuche in verschiedenen Waisenheimen, ein Spießrutenlauf durch kambodschanische Ämter und die Konfrontation mit anderen Adoptiveltern.

Ihr sehnlicher, bislang unerfüllter Wunsch nach Tochter oder Sohn führt Pierre und Geraldine ans andere Ende der Welt, nach Kambodscha, das immer noch gezeichnet ist von seiner blutigen Geschichte. In Phnom Penh angekommen, wo Adoption recht problemlos sein soll, verlieren die Franzosen fast den Boden unter den Füßen - die fremde Sprache, die hektische Betriebsamkeit, der Monsun und die Schicksalsgenossen, denen sie auf Schritt und Tritt begegnen. Ganz zu schweigen von Korruption, Bürokratie, Krankheit und ewigen Schikanen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Bertrand Tavernier konstruiert die Geschichte einer Adoption als Abhandlung über die Gültigkeit von Moralvorstellungen in einer globalen Wirtschaftsordnung. Wie in einer Rechengleichung entstehen aus den Bedürfnissen des Einzelnen und den sozialen und politischen Realitäten der Umwelt Konflikte, in deren Zentrum die Individuen wie Exempel stehen. Tavernier hat auch in früheren Filmen wie Der Uhrmacher von St. Paul oder Der Lockvogel seine Protagonisten in den Epizentren gesellschaftlicher Umbrüche positioniert, doch blieb sein Augenmerk meist auf Frankreich gerichtet. Während besonders seine frühen Filme von Kapitalismuskritik geprägt waren, bezieht der Regisseur in Holy Lola eine weniger dogmatische, weniger kämpferische Position.
      Er zeigt ein französisches Ehepaar auf ihrem Trip durch ein Land, von dem sie nichts verstehen, folgt ihnen mit hektischer Handkamera durch halbdokumentarisch inszenierte Szenen, zeigt Strassen, Taxis, Heime, Hotels und Bars als Orte andauernden Transits. Niemals widmet sich dieser Film dabei der Landschaft oder deren Schönheit, er verschreibt sich ganz den beiden Hauptfiguren, so wie diese sich ihrem großen Ziel vom eigenen Kind verschrieben haben. Holy Lola ist zwar ein Road Movie, doch eines mit Tunnelblick. Verflogen scheint Taverniers Wille zum Urteil und zur Sozialkritik, in Holy Lola gibt es kein richtig und falsch. Dafür gibt es Menschen, die überleben wollen. Kambodschaner, die auf Schmiergeld angewiesen sind, Franzosen, die ohne Kind nicht glücklich sein können, Verletzte und Versehrte, die ums nackte Leben kämpfen. In Kambodscha ist der Krieg vorbei, doch Holy Lola zeigt eine Welt lebt im Zustand inneren Bürgerkriegs, in dessen Verlauf sich jeder die Finger schmutzig macht. Das gilt besonders für die adoptionswilligen Eltern, die im Namen der Familienidylle zu Vielem bereit sind. Als sie aufbrechen, halten sie sich für Idealisten, auf der Heimreise wissen sie es besser.

      Fazit: Atemloses Road Movie, das auf schöne Bilder verzichtet und durch die Nähe zu seinen Protagonisten ein hartes, jedoch kein pessimistisches Menschenbild entwirft.
    2. Holy Lola: Berührendes Drama um ein französisches Paar, das in Kambodscha ein Baby adoptieren will.

      Adoption, für viele kinderlose Paare die letzte Rettung. Wie schwer es für Ausländer ist, ein Kind in Kambodscha zu adoptieren, zeigt Bertrand Tavernier in diesem manchmal fast dokumentarisch anmutendem Spielfilm, in dem ein französisches Ehepaar trotz Bürokratie, Korruption und Schikanen den Kinderwunsch nicht aufgibt.

      „In Kambodscha lächelt jeder mit einem gebrochenen Herzen“ umreißt in „Holy Lola“ ein einheimischer Arzt die Situation von Menschen in einem Land, das sich nur langsam vom grauenvollen Genozid und dem Steinzeit-Kommunismus der Roten Khmer erholt und das nach Ende der Schreckensherrschaft rigoros in die kapitalistische Neuzeit katapultiert wurde. Was die Eheleute Pierre und Geraldine erleben, spottet jeglicher Beschreibung. Täglich drehen sie endlose Runden durch Waisenhäuser, müssen sich mit starrköpfigen Beamten herumschlagen, die sie hinhalten und Bestechungsgelder fordern - ohne auch nur das Geringste zu tun. Die reine Abzocke. Und wenn es dann so aussieht, als ob ein Kind gefunden wäre, kommt schnell der Rückzieher, der das Paar jedes Mal neu verzweifeln lässt. Trost finden sie im Kreis von Schicksalsgenossen, die in der gleichen Zwickmühle stecken. Die wenigsten wussten, was sie erwartete. Wenn die beiden am Ende glücklich ihre „Holy Lola“ im Arm halten, hat auch ihre Liebe die harte Bewährungsprobe überstanden.

      Bertrand Tavernier mischt etwas langatmig Drama, Liebesgeschichte und Abenteuer, kontrastiert dabei immer wieder unterschiedlichen Mentalitäten und Lebensbedingungen. In Kambodscha muss jeder sehen, wie er überlebt, hat sich eine wachsende Adoptions-Industrie mit fast mafiösen Strukturen entwickelt, geht es nicht mehr um das Wohl der Kinder, sondern um den eigenen kleinen Wohlstand, das Wirtschaften in die eigene Tasche. Und die Franzosen messen mit eigenem Maß, laufen im schicken Anzug durch den Monsun-Regen und hoffen, bei den Behörden einen guten Eindruck zu machen, verirren sich im Verkehrschaos von Phnom Penh und müssen sich daran gewöhnen, dass neben dem ständig variierenden Preis für ein Kind auch Geschenke und „Spenden“ den Prozess der Adoption positiv beeinflussen. Und wenn in dem von den Adoptions- Aspiranten bewohnten Hotel das Gerücht umgeht, Amerikaner, die 20000 Dollar hinblättern, könnten das Land in wenigen Tagen mit Kind verlassen, liegen die Nerven blank. Tavernier wollte anfänglich einen Film über Menschen drehen, die es in ein fremdes Land verschlagen hat und die sich zurechtfinden müssen. Die Verbindung mit dem Thema „Adoptionstourismus“ ermöglichte ihm, beide Seiten und Sichtweisen darzustellen. So entdeckt der Zuschauer unterschiedliche Seiten Kambodschas - neben Korruption und Armut auch eine große Hilfsbereitschaft. Der Blick auf die Franzosen gibt sich ebenfalls differenziert, die intensive, manchmal deprimierende Stimmung wird immer wieder aufgebrochen durch Momente des Luftholens und absurde Szenen - Streitereien über das Verschwinden von Polo-Shirts oder Fast-Prügelein, um der emotionalen Anspannung zu entkommen. Ein sehr menschlicher Film. mk.

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