Holidays by the Sea

  1. Ø 0
   2011

Holidays by the Sea: Ensemblekomödie im Stil von Jaques Tati um ein Sommerwochenende am Atlantikstrand. Zweiter Film des Comic-Autors Pascal Rabaté.

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Filmhandlung und Hintergrund

Holidays by the Sea: Ensemblekomödie im Stil von Jaques Tati um ein Sommerwochenende am Atlantikstrand. Zweiter Film des Comic-Autors Pascal Rabaté.

Am Atlantik verbringen ganz unterschiedliche Menschen ihre Ferien: Zwei Paare, die sich betrügen, ein sado-masochistisches Duo, ein Familienvater, der mit Frau und Kindern zeltet, ein älteres Paar, das in einem Mini-Van haust, zwei Diebe, die golfen und zwei Punks mit ihren Hunden. Sie alle möchten etwas erleben, ausspannen, ihr Leben ein wenig ändern. Und als ein Sturm über das Gelände weht, kommt man sich auch in der kleinsten Hütte näher. Aber bald sind die Ferien zu Ende, es heißt es Abschied nehmen, der Alltag ruft.

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Kritikerrezensionen

  • Ganz ohne Worte hat Pascal Rabaté, der sich vor allem als Comic-Autor einen Namen gemacht hat, seine eigene Vorlage „Vacances, vacances“ fürs Kino umgesetzt. So verschiebt er die Bedeutung ganz auf Bilder, Montage und Musik und weil letztere eher belanglos fröhlich dahinswingt und nur ab und an die tiefen Bläser und Streicher eine ach so dramatische Szene ankündigen oder begleiten, was ja nun recht konventionell, um nicht zu sagen einfallslos ist, lastet dann doch aller Druck auf den Bildern und ihrer Beziehung zueinander. Wie im Comic, könnte man meinen.

    Und machte es sich damit doch zu einfach. Denn wie um zu zeigen, dass er um die spezifischen Ausdrucksformen des neuen Mediums weiß, das so neu gar nicht ist für Rabaté, der bereits 2010 die melancholische Komödie „Les petits ruisseaux“ inszeniert hat, setzt der Regisseur ziemlich an den Beginn seines Films aus ineinander verschachtelten Episoden: einen am Himmel davonflatternden Drachen. Dessen Tanz und die aufgeregte Rennerei, Zusammenstoßerei und Fahrerei auf der Jagd nach diesem Ding entfalten ihren slapstickhaften Charme natürlich nur, wenn die Bewegungen flüssig und vollständig über die Leinwand laufen.

    Dabei schwingt die Atmosphäre der Geschichte hin und her zwischen der Naivität dieser Szenen und einer regelrechten Boshaftigkeit, mit der Rabaté es anscheinend darauf anlegt zu zeigen, dass der Spießer nun einmal dazu verdammt ist, seine Spießigkeit auch dahin mitzunehmen, wo er doch angeblich aus dem Alltag ausbrechen möchte. Das dicke Ehepaar lässt sich zwangsweise auf einen Umtrunk mit den Nachbarn auf dem Camping-Platz ein, der, wie könnte es anders sein, in allseitiges Schweigen ausartet. Die Sprachlosigkeit als Symptom der Vereinsamung in der modernen Gesellschaft und ein Film, der Form und Inhalt damit zur Deckung bringt?

    Wohl kaum: Rabaté gefällt sich eher im unverbindlichen Spiel, die Denunziation seiner ausgedachten Mitbürger endet fast immer irgendwie versöhnlich, selbst der ursprünglich so sexfaule Ehemann beschließt den Urlaub mit einem Klaps auf den Po seiner Frau – der selbstverständlich nur bildlich für das steht, was darauf folgt. Je direkter die Sexualität im Film aber auftaucht, umso mehr wird sie zu einem Zerrbild von Lust und Leidenschaft, sei es beim eher hektischen Ehebruchs-Gerammel im Hotelzimmer oder weil der devote Sklave der Domina den Nachmittag mit einem Strauß Rosen im Arsch verbringt.

    Bevor es untergeht: Rabaté gelingen wunderbare, vor Originalität sprühende Miniaturen – die Punkerinnen etwa, denen so wie den jugendlichen Opfern der bürgerlichen Patriarchen vor allem seine Sympathie gehört, malen sich ihr Apartment einfach in den Sand. Ein zwangsneurotischer Supermarktinhaber zeichnet jeden Strichcode mit einem schwarzen Filzer auf und hat genau ein Exemplar jedes Produktes auf den genauen vorgezeichneten Stellplatz gesetzt. Auch die umstürzlerischen Folgen des Sturms sind sehenswert und die melancholischen Momente, die dann schlussendlich auch den scheinbar so sturen Familienvätern gehören.

    So ist an der Respektlosigkeit des Films höchstens auszusetzen, dass sie nicht respektlos genug ist. Im ehrenhaften Bemühen, die Figuren mit Leben und Tiefe zu füllen, stößt Rabaté aber ziemlich schnell an die Grenzen seiner wortlosen Herangehensweise. Und wenn runde Charaktere schon nicht möglich sind, dann wünscht man sich doch lieber so richtig abgedrehte Karikaturen.

    Fazit: Mit viel Witz und Originalität, aber ganz ohne Dialoge erzählt „Holidays by the Sea“ von – nun ja, einer bunten Truppe unterschiedlichster Figuren beim Urlaub am Meer. Dabei ist der Film manchmal etwas zu zaghaft und unentschieden im Umgang mit seinem Ensemble, in dem jeder einzelne zwar in Anbetracht der gewählten Form durchaus mit beachtlich vielen Eigenschaften und Widersprüchen ausgestattet wird – doch insgesamt bleiben zu viele der Charaktere holzschnittartig.
  • Französisches Sommervergnügen über die schönste Zeit des Jahres, die manchmal auch die stressigste sein kann.

    Die Pariser Straßen sind leer und die Strände schrecklich voll. Wer irgendwie kann, macht in Frankreich möglichst zwischen dem 15. Juli und 15. August Ferien. Gemeinsam ist man einsam, die Illusionen zerplatzen wie Luftballons, Paare haben sich nichts zu sagen, Kinder hassen ihre Eltern und die träumen davon, mal ohne die Blagen endlich Ruhe zu genießen. Gerhard Polt hielt dem die Adria enternden deutschen Otto Normalverbraucher 1987 in „Man spricht deutsch“ den Spiegel vor, der unvergessliche Jacques Tati den Franzosen schon 1953 in einem bretonischen Badeort mit „Die Ferien des Monsieur Hulot“. Knapp 60 Jahre später versucht der Zeichner, Autor und Regisseur Pascal Rabaté in dessen großen Fußstapfen zu schlüpfen und knüpft sich den kollektiven Ferienwahn seiner Landsleute vor.

    In einer beschaulichen Stadt am windigen Atlantik verbringt ein seltsames Trüppchen die schönste Zeit des Jahres: Zwei Paare, die sich betrügen, ein sado-masochistisches Duo, ein Familienvater, der mit den Seinen zeltet, ein älteres im Mini-Van hausendes Paar, zwei golfende Diebe und zwei Punks samt ihren Hunden. Sie alle möchten etwas erleben, ausspannen, ihr Leben auf Vordermann bringen. Und wenn ein Sturm über dem Camping-Gelände weht, kommt man sich auch in der kleinsten Hütte näher. Aber nur kurz, dann heißt es Abschied nehmen, der Alltag ruft. Ohne Dialoge gehen die Urlauber ihren Hobbys nach, lassen Drachen steigen, laufen mal durch ein Nudistencamp, verzieren beim Seitensprung das willige Weib mit Sahne und Erdbeeren oder lässt die Domina ihren Kunden gefesselt am Bett und braust mit Cabrio und Geld davon. Alles heute keine großen Aufreger mehr. Manchmal entwickeln die skurrile Figuren in absurden Situationen ein Eigenleben, dann wieder wirkt das Gerenne, Gehüpfe und Gestikuliere wie einem Comic abgeguckt, Rabatés eigentlicher Domäne, der es mit „Holidays by the Sea“ seinen Kollegen Joann Sfar und Marjane Satrapi nachmacht und sich zum dritten Mal dem Spielfilm zuwendet. Für einen knackigen und kompakten Kurzfilm hätten die wunderlichen Sketche gereicht, 77 Minuten ziehen sich trotz schwarzem Humor und böser Ironie. Wehmütig erinnert man sich an Tatis unerreichtes Meisterwerk. mk.

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