Filmhandlung und Hintergrund

Dokumentarfilm zur 100. Tour de France, der sich auf die Verlierer des weltberühmten Sportereignisses konzentriert.

Im Jahr 2003 feiert das bedeutendste Radsportereignis der Welt, die Tour de France, seinen 100. Geburtstag. Aus Anlass des Jubiläums und um die maßlosen Anstrengungen der „Tour des Leidens“ ebenso gebührend zu würdigen wie das dazugehörige Medienspektakel, mischt sich der deutsche Filmpreisträger Pepe Danquart mit einer Dokumentarfilmcrew unters Sport- und Pressevolk.

Nicht nur für ausgewiesene Fahrradfahrer bietet diese Doku mit ausführlicher Historie manch dankbaren Blick hinter die Kulissen.

2003 feierte eines der bedeutendsten Sportereignisse der Welt sein 100 jähriges Jubiläum, die Tour de France. Das mit gigantischem Organisationsaufwandt betriebene und von riesiger Medienpräsenz begleitete Fahrradrennen quer durch Frankreich wird für einige Teilnehmer zur „Höllentour“, die, die nach extremer Anstrengung auf der Straße liegen bleiben.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Höllentour: Dokumentarfilm zur 100. Tour de France, der sich auf die Verlierer des weltberühmten Sportereignisses konzentriert.

    Für „Heimspiel“, seine Hommage an den Ostberliner Eishockeyclub „Eisbären“, gewann Oscar-Preisträger Pepe Danquart („Schwarzfahrer“) 2000 den Deutschen Filmpreis. Einerseits hellsichtige Sportdokumentation, andererseits humorvolle Bestandsaufnahme deutsch-deutscher Befindlichkeiten, besticht auch „Höllentour“, seine aktuelle Athleten-Nabelschau, durch einen etwas anderen Blick. Der Tour-de-France-Film betreibt keine Heldenverehrung, sondern liefert eine differenzierte, kluge Innenansicht der dreiwöchigen Pedaltort(o)ur.

    2003 feierte die Tour de France ihren 100. Geburtstag. Ein idealer Zeitpunkt also Zwischenbilanz zu ziehen von einem Spektakel, das inzwischen via Fernsehen in rund 180 Länder übertragen und von Millionen begeisterter Fans weltweit live mitverfolgt wird. „La grande boucle“, die „große Schleife“, gehört zu Frankreich wie die Gitanes ohne Filter, das Boule-Spielen oder das Viertel Rotwein zum Mittagessen. Für den wortgewaltigen Journalisten und Tour-Archivar Serge Laget stellt sie gar das wichtigste Sportereignis der Welt dar, bedeutender als jede Fußballweltmeisterschaft, spannender als Olympischen Spiele. Beständiger sei die Tour, behauptet er, als alle anderen Sportgroßereignisse. Spektakulärer, mythenumrankter, gefährlicher. Und das Stadion, das Land Frankreich, oh lala und mon dieu! - einfach nicht zu übertreffen. So gesehen hat der Mann recht, ein Superfan, wie auch die immer wieder am Wegesrand auftauchende, freudig erregte (ost-)deutsche Familie, die sich extra frei genommen hat, um ihren Helden täglich für Sekundenbruchteile zuzujubeln. Der Wohnwagen umfunktioniert zum Fanmobil, Teil der schier endlosen Radsportkarawane auf dem Weg zum Zielspurt auf den Pariser Champs-Elysees.

    Nah dran, mittendrin, das ist auch der Blick von Autor und Regisseur Danquart, den nichts weniger interessiert hat als ein „offizieller“ Tour-Report. Die Radsport-Informationen kann sich jeder schließlich aus dem Fernsehen holen, vom ARD-Fachmann Jürgen Emig und dessen oftmaligen Kokommentator Rudi Altig, der selbst 18 Tage lang das Gelbe Trikot des Spitzenreiters trug. Danquart macht nicht die Armstrongs und Ullrichs, die bekannten Sieganwärter und omnipräsenten Medienlieblinge zu seinen Heroen, sondern die Männer im Schatten. Den langjährigen, dick bebrillten Telekom-Team-Masseur Dieter „Eule“ Ruthenberg beispielsweise, der den Schwerstarbeitern Erik Zabel und Rolf Aldag, Alexander Winokurow und Andreas Klöden die Schmerzen aus den Muskeln knetet, als ihr Beichtvater dient und immer ein kaltes Getränk griffbereit hält. Da erfährt man, beinahe körperlich spürbar, vom strapaziösen Aufstieg nach Alpe d’Huez, von der Angst vor der Abfahrt mit rund 95 Stundenkilometern auf 21 Millimeter „breiten“ Reifen und darf einen Blick auf die geschundenen, narbenübersäten Körper der Drahteselartisten werfen.

    Sport ist Mord - selten ist dieser oft flapsig gebrauchte Spruch so wahr wie hier. In den geschickt einmontierten Rückblenden, dokumentiert von altem Wochenschaumaterial, hört man von den Toten, die die Tour forderte, ein wenig vom unbezwingbaren Eddy Merckx und auch von jenem radelnden Spaßvogel, der sich manchmal sein Glasauge herausgenommen und sich stattdessen zum Schrecken der Zuschauer Watte in die Augenhöhle gestopft hat. Geschickt verwebt die kurzweilige Dokumentation Mythen und Fakten, blickt hinter die Kulissen eines gigantischen, inzwischen ungeheuer lukrativen Unternehmens und zeigt, dass es eigentlich die riesige Anzahl so genannter Wasserträger ist, die „le tour“ am Laufen hält. Fazit: eine „Höllentour“ für alle Beteiligten, ein Heidenspaß für die Zuseher. geh.

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