Filmhandlung und Hintergrund

Vor diesem Werk muss gewarnt werden: Er ist in Wort und Bild derart rüde und obszön, dass ein früherer Sendetermin als 22.45 Uhr schon allein aus Gründen des Jugendschutzes nicht in Frage gekommen wäre. Die überschaubare Handlung ähnelt zu Beginn jenem beliebten Kinomuster, bei dem eine Gruppe vom rechten Weg abkommt und von finsteren Unholden nach und nach dezimiert wird. Der Unterschied zu diesem Film ist allerdings...

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Vor diesem Werk muss gewarnt werden: Er ist in Wort und Bild derart rüde und obszön, dass ein früherer Sendetermin als 22.45 Uhr schon allein aus Gründen des Jugendschutzes nicht in Frage gekommen wäre. Die überschaubare Handlung ähnelt zu Beginn jenem beliebten Kinomuster, bei dem eine Gruppe vom rechten Weg abkommt und von finsteren Unholden nach und nach dezimiert wird. Der Unterschied zu diesem Film ist allerdings alsbald offenkundig: Die Unholde sind die Hauptfiguren, das gegenseitige Zerfleischen übernehmen sie gleich selbst; zunächst jedoch nur im übertragenen Sinn.

    „Höhere Gewalt“, das Regiedebüt von Lars Henning Jung, ist ein bemerkenswerter Film: weil Jung, der auch das Drehbuch schrieb, keinerlei Wert auf Sympathie legt. Nicht einer seiner sechs Protagonisten ist liebenswert, im Gegenteil; die meisten kann man schon nach wenigen Augenblicken von Herzen nicht ausstehen. Die Mitglieder Jugendclique verbringt ein letztes gemeinsames Wochenende miteinander, bevor sie sich dem Ernst des Lebens stellen müssen. An- und Wortführer ist Strecker, den Vinzenz Kiefer derart überzeugend abstoßend verkörpert, dass man ihm eine ausgezeichnete darstellerische Leistung bescheinigen muss. Neben physischer Kraft und Charisma liegt Streckers größte Stärke darin, die anderen gegeneinander auszuspielen und aufzubringen. Deshalb kommt es zum Eklat, als sein Speichellecker Betz (Tobias Schenke) den Kumpel falsch versteht und Maike (Alice Dwyer) vergewaltigt. Prompt wechselt Strecker die Seiten und lässt zu, dass Jasmin (Anna Bertheau) ihre Schwester blutig rächt.

    Erschreckend ist der Film weniger wegen der Eskalation der angeblich „Höheren Gewalt“, sondern wegen des ausgesprochen rohen Umgangs der Jugendlichen miteinander. Die Wortwahl erinnert an Pornofilme, die gegenseitigen seelischen Verletzungen und der gewalttätige Sex erfüllen in ihrer Drastik durchaus den Tatbestand der „sittlichen Desorientierung“, wie es in der Jugendschutzsprache heißt. Auf der anderen Seite gelingt es Jung, bei aller Angewidertheit doch eine gewisse Faszination zu wecken. Und so ist der Film dank der diversen Demütigungen und Erniedrigungen zwar gewiss nicht frei von einer gewissen Spekulativität, aber die Darsteller führt Jung ausgezeichnet; und die distanzlose Kameraarbeit von Mathias Prause hat zur unangenehmen Folge, das man als Zuschauer siebtes Mitglied der Gruppe wird. tpg.

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