Hereafter - Das Leben danach

  1. Ø 4
   2010

Hereafter - Das Leben danach: Intensives Drama von Clint Eastwood über drei Menschen in drei verschiedenen Ländern, die nach unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Jenseits nach Katharsis streben.

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Filmhandlung und Hintergrund

Hereafter - Das Leben danach: Intensives Drama von Clint Eastwood über drei Menschen in drei verschiedenen Ländern, die nach unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Jenseits nach Katharsis streben.

Die französische Fernsehjournalistin Marie wird beim Urlaub in Thailand vom Tsunami überrascht, von der Flutwelle mitgezogen und ertrinkt – bis sie nach mehreren Minuten ins Leben zurückgerissen wird. Die Zwillinge Marcus und Jason in London müssen ihr Leben in London meistern, weil ihre alleinerziehende Mutter sie zwar liebt, aber wegen ihrer Drogenabhängigkeit nicht dazu in der Lage ist – bis ein Unfall ihre Existenz völlig auf den Kopf stellt. Der Fabrikarbeiter George in San Francisco kann von Kindesbeinen an mit den Toten kommunizieren, was es ihm unmöglich macht, normale Beziehungen zu führen. Auf verblüffende Weise streben die Figuren aufeinander zu.

Die französische Fernsehjournalistin Marie wird beim Urlaub in Thailand vom Tsunami überrascht, von der Flutwelle mitgezogen und ertrinkt – bis sie nach mehreren Minuten ins Leben zurückgerissen wird. Die Zwillinge Marcus und Jason in London müssen ihr Leben in London meistern – bis ein Unfall ihre Existenz völlig auf den Kopf stellt. Der Fabrikarbeiter George in San Francisco kann mit den Toten kommunizieren, was es ihm unmöglich macht, normale Beziehungen zu führen. Auf verblüffende Weise streben die Figuren aufeinander zu.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Für George Lonegan, der als Medium mit den Toten sprechen kann, ist seine Gabe eine erdrückende Bürde, der er nicht mehr folgen will. Doch gerade jetzt könnte der zwölfjährige Marcus in London seine Hilfe gut gebrauchen. Aufgrund einer Schicksalsverkettung kommt sein Zwillingsbruder Jason ums Leben und Marcus würde alles dafür geben, noch einmal mit seinem toten Bruder reden zu können. Und dann wäre da noch die französische Journalistin Marie, die das furchbare Tsunami-Unglück erlebt und nur knapp dem Tod entrinnt, was ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellt. Drei Menschen, drei Schicksale. Clint Eastwood, Meister des Erzählkinos, verknüpft sie in einer flüssig dahingleitenden Dramaturgie wunderbar miteinander. Der Film nimmt sich Zeit, Figuren und Hintergründe langsam einzuführen und lässt so den hervorragenden Darstellern genügend Platz, Gefühle intensiv und subtil zu vermitteln. Eastwood erzählt ohne Effekthascherei gewohnt geradlinig, alles wirkt natürlich. Auch die Musik, die er erneut selbst komponiert hat, unterstützt die Emotionen. HEREAFTER ist eine wunderschöne filmische Gratwanderung zwischen Dies- und Jenseits.

    Jurybegründung:

    Was kommt nach dem Tod? Viele Filme im Fantasy- Genre haben sich schon dieses Themas angenommen. Nach einem äußerst kunstvoll und vielschichtig aufgebauten Drehbuch von Peter Morgan gelang Regie-Altmeister Clint Eastwood erstmals, dieses Phänomen sehr ernsthaft filmisch umzusetzen.

    Langsam gelingt dem Zuschauer der Einstieg in drei ineinander verwobene Schicksale, die scheinbar nichts miteinander verbindet. Eine berühmte französische Journalistin und Fernsehmoderatorin aus Paris, die bei der Tsunami-Katastrophe in Indonesien kurz vor dem Überschreiten der Schwelle zum Tod Visionen erfährt und gerettet wird. Ein Junge in London, der seinen geliebten Zwillingsbruder bei einem Unfall verliert, verbissen den Kontakt zu ihm im Jenseits sucht und auf geheimnisvolle Weise dem Terroranschlag in der Londoner U-Bahn entkommt. Und ein Mann in San Francisco, welcher die Fähigkeit besitzt, als Medium Kontakt zu den Toten aufzunehmen, und damit nicht mehr leben kann und will.

    Ruhig und geradlinig und ohne Effekthascherei erzählt der Film diese Schicksale, die durch eine präzise Montage dramaturgisch geschickt und spannend aufeinander zulaufen und sich schließlich verbinden. Clint Eastwood verteidigt mit den verschiedenen Aspekten von Erfahrungen seiner Protagonisten nicht die These eines Lebens nach dem Tode, wobei er niemals der Versuchung erliegt zu werten. Er zeigt aber auch all die Scharlatanerie, die mit der Trauer und der Sehnsucht von Hinterbliebenen getrieben wird.

    Matt Damon und Cécile de France brillieren in den Hauptrollen und auch das Spiel der Zwillingsjungen George und Frankie McLaren ist bemerkenswert. Kamera, Set-Design, Montage und Kostüm waren in den Händen von Eastwoods bewährtem Stamm-Team und für die angemessene musikalische Untermalung sorgte er selbst. Alles in handwerklicher Perfektion, die den Film unter seiner unverwechselbaren Inszenierungskunst zu einem großen Erlebnis werden lassen.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Ein Film mit drei voneinander abgegrenzten, voneinander unabhängigen Handlungsfäden, die sich alle ums Jenseits drehen: das kann schief gehen. Leicht gerät man in einen Sumpf voll esoterischem Quark, in dem man unrettbar verloren ist; leicht wird das zu einem religiösen Pamphlet egal welcher Richtung; leicht versinkt man in Sentiment, wenn sich Wünsche, Hoffnungen, Glauben, die auf die Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod ausgerichtet sind, in Banalität, Kitsch oder Gefühlsduselei auflösen. Und: Die Gefahr besteht, dass die drei Episoden einander doppeln, redundant werden, einmal Gesagtes wieder und wieder wiederholen.

    Aber andererseits ist Clint Eastwood ein Versprechen. Und er hält es.

    Die erste Sequenz ist gewaltig, eine ungeheure Wucht, mit der der Film den Zuschauer überrollt. Urlaubsalltag in Thailand, herrlicher Strand, lange Ausschlafen im Hotel, ein Besuch auf dem Markt – und dann ein Grollen, panische Schreie, eine Wasserwand türmt sich auf… Und der Tsunami verschlingt alles, was wir vorher als Paradies kennengelernt haben, die Wassermassen verschlucken die Stadt: was man sich aus den Nachrichtenbildern nie hat vorstellen können, wird hier gezeigt, wird erlebbar: die Riesenwelle, die Zerstörung, das Leid, der Tod. Eine Katastrophe: und Eastwod vermeidet alles Roland-Emmerichhafte daran.

    Der inszeniert das Desaster um seiner selbst willen, und das heißt letztlich: unecht, distanziert, ohne wirkliche Wirkung. Bei Eastwood wird das Schlimmstmögliche real, die Macht des Todes erhebt sich; und das heißt: er inszeniert das Menschliche im Untergang, das Unglück als realen Einbruch ins Leben. Eastwood braucht das für seinen Film, darum geht es: wie der Tod ins Leben herübergreift, und wie wir damit umgehen. Mit dem Tsunami etabliert er das Thema, und er etabliert eine seiner Figuren, Marie, bringt sie dem Zuschauer nahe. Denn Maries Veränderung nach diesem Erleben, der Wandel ihrer Person, ihres Lebens, erschließt sich aus der Nahtoderfahrung unter Wasser.

    Eastwood lässt das Reale in seinen Film einbrechen, und das bedeutet auch, dass er das Fiktive als unbedingte Realität zeigt. Die wuchtige Wirklichkeit des Tsunamis lässt Eastwood hinübergleiten ins Märchenhaft-Fantastische in der Episode in San Francisco, wo Matt Damon als George darunter leidet, dass er ein Hellseher ist. Dass er bei Körperkontakt, bei jedem Händeschütteln, hineinsehen kann in den anderen, hin zu dessen Erfahrungen mit dem Tod, dass dann sofort Kontakt hergestellt ist zu denen, denen das Gegenüber nachtrauert, zu den Geistern seiner Vergangenheit, die nun auch George bespuken. Das ist keine Gabe, das ist ein Fluch, George ist ein Freak, der unwillkürlich, unversehens, jederzeit in die Todeserfahrungen anderer eintauchen muss; der niemals normal-menschlichen Kontakt mit anderen haben kann. Weil er stets mit Trauer, mit Verzweiflung konfrontiert ist, mit dem Tod.

    Verzweiflung und Trauer bestimmen das Leben des 12jährigen Marcus in London, dessen geliebter Zwillingsbruder tragisch zu Tode gekommen ist: der einzige Halt in seinem Leben, das bisher im prekären Sumpf unterster Unterschicht steckte, mit dauerbesoffener Junkie-Mutter, mit ständiger Angst vor dem Jugendamt, mit der kindlichen Sehnsucht nach Normalität, die dann doch niemals kommt.

    Eastwood erzählt mit dem ihm typischen einfachen Einfühlungsvermögen von diesen dreien, für die der Tod so eminent ins Leben getreten ist. Geschickt schaltet er von einer Geschichte auf die andere, verbindet sie harmonisch miteinander, streut auch Witz und Komik ein, und weil er sich so auf seine Figuren einlässt, vermeidet er das Esoterische, auch wenn es um Hellsehen, um Nahtoderfahrung, um das Eingreifen der Toten ins Leben geht. Er will keine wie auch immer geartete Botschaft, kein Glaubensbekenntnis bieten: eher mit leiser Ironie verbindet er Reales – Tsunami, die Londoner Terroranschläge – mit dem, was unerforscht bleiben wird, mit parapsychologisch-obskuren Phänomenen, die er aber als Wirkliches darstellt.

    Am Ende treffen die drei Episoden, die drei Protagonisten, ungezwungen aufeinander, die sich auf unterschiedliche Art, aus unterschiedlichen Gründen mit dem Tod, mit dem Ende des Lebens und dem Anfang im Jenseits, auseinandersetzen mussten; im Wissen, dass es mehr Dinge im Himmel und auf Erden gibt, als unsere Schulweisheit zu träumen wagt. Im Film wird dieses Mehr, dieses Unbekannte der Schulweisheit als gegeben gesetzt – als etwas, das Trost bieten, das Verzweiflung lindern kann. Das aber auch Last bedeuten kann, und das keine Antworten bietet. „Er geht, er verlässt mich“, sagt George zu Marcus nach dessen Hellsehersitzung. „Wohin, wohin geht er?“ „Ich weiß es nicht.“ Nach all der Erfahrung, nach all den Blicken ins Reich der Toten bleibt doch immer ein Geheimnis.

    Fazit: Eastwood beschäftigt sich mit dem Tod, mit dem Leben danach; ohne ins esoterische oder religiöse Fantasieren zu kommen, zeigt er das Menschliche im Umgang mit Lebensende und Jenseits; und er weiß geschickt Spannung und filmische Harmonie zwischen den drei Episoden des Films zu halten.
  • So also sieht es aus, wenn sich Clint Eastwood dem Jenseits annimmt, wenn sich das Urgestein des amerikanischen Erzählkinos dem Genre des fantastischen Films annähert.

    Er fängt mit einem großen Knall an – in der vermutlich komplexesten Effektszene seiner Laufbahn – und lässt sich danach nicht mehr aus der Ruhe bringen, ohne Tricks und doppelten Boden, immer ganz nah dran an den Protagonisten, deren Suche nach einer Erklärung für ihre Erlebnisse ihnen keine Ruhe lässt. Nach einem Drehbuch von „Die Queen“-Autor Peter Morgan folgt er parallel drei Menschen in drei Ländern, die nach Erfahrungen mit dem Jenseits nicht mehr zu Ruhe kommen und nach Katharsis streben. Mit wunderbarer Kratzbürstigkeit widersteht Eastwood dem Druck, im Verlauf der Geschichte noch ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern. Der Gimmick ist, dass es keinen Gimmick gibt, höchstens ein paar Zufälle und ein gewisser Glaube an Vorbestimmtheit, vor allem aber ein Gespür dafür, dass das Bedürfnis nach einer Auseinandersetzung gerade in turbulenten Zeiten wie diesen, in denen die Angst vor Naturkatastrophen und Terrorismus die Menschen beschäftigt und verstärkt die Auseinandersetzung mit dem Tod suchen lässt. Hauptdarsteller Matt Damon sagte, dass „Hereafter“ Eastwoods „europäischer Film“ sei – und meint damit nicht nur die Locations, sondern den erzählerischen Ansatz, dessen Mangel an Effekthascherei einem so zu Herzen geht.

    Wie auch nicht? Was seine Figuren erlebt haben, muss sie zwangsläufig aus der Bahn werfen: Da ist der Fabrikarbeiter George in San Francisco, gespielt von Damon, der seit seiner Kindheit die Gabe besitzt, mit den Toten zu kommunizieren, aber an dieser Fähigkeit zu zerbrechen droht, weil es ihm unmöglich ist, andere Menschen zu berühren. In London muss ein zehnjähriges Zwillingsbrüderpaar den Alltag mit einer zwar liebenden, aber drogenabhängigen Mutter meistern, bis ein Unfall ihr Leben auf grausame Weise auf den Kopf stellt. Und schließlich ist da die erfolgreiche französische Fernsehreporterin Marie, dargestellt von Cecile de France, mit deren Geschichte „Hereafter“ mit einem großen Knall beginnt: Sie ist 2004 im Urlaub in Thailand, als der Tsunami ihren Urlaubsort verwüstet. Sie selbst wird von der Flutwelle mitgerissen, eine Straße entlanggespült und schließlich bewusstlos geschlagen. Sie ertrinkt, ist tot, mehrere Minuten lang, erlebt das Jenseits, bis sie wieder ins Leben zurückgerissen wird. Weil sie von diesem Erlebnis nicht mehr losgelassen wird, lässt sie ihre Karriere und ihr altes Leben in Paris zurück und begibt sich auf die Suche – wie auch die beiden anderen Hauptfiguren. Viel Zeit verbringt Eastwood mit seinen Figuren, folgt ihnen durch ihren Alltag, zeichnet ihre wachsende Verzweiflung und Frustration auf, keinen Platz mehr im Alltag zu haben. Bis sich ausgerechnet Charles Dickens als vereinendes Bindeglied ihrer Odyssee erweist.

    Eastwood wäre nicht Eastwood, wenn er sich wirklich für Antworten auf Fragen über das Jenseits interessieren würde. In seiner Charakterstudie geht es schließlich um Katharsis und Erlösung, um einen Ausweg aus dem Chaos. Das rückt den stilistisch und inhaltlich so anderen Film dann doch wieder ganz nah an Eastwood-Filme wie „Gran Torino“ oder „Million Dollar Baby“, die auf ihre Weise auch Reflektionen über das Sterben waren. Weil „Hereafter“ zwar nach Resolution strebt, aber auf einen leicht verdaulichen und bequemen emotionalen Höhepunkt verzichtet, fühlt sich der Film auf faszinierende Weise unfertig an: Schließlich geht es um eine einfache Berührung und nicht mehr. Aber wie Eastwood sich mit 80 Jahren als Regisseur noch einmal auf Terra incognita bewegt, wie er Neues ausprobiert und sich nicht mit dem Erreichten zufrieden gibt, bestätigt einmal mehr, dass er in seiner eigenen Liga spielt. ts.

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