Filmhandlung und Hintergrund

Heiter-verquerer Genremix um einen Mann, der erst für einen Bankraub ins Gefängnis geht, bevor er überhaupt einen Bruch begeht.

Henry lebt in den Tag hinein, fristet in einem Autobahnmauthäuschen ein langweiliges Leben. Unfreiwillig wird er Fahrer bei einem Bankraub, landet hinter Gittern und freundet sich dort mit Safeknacker Max an. Der bringt ihn darauf, nach abgesessener Strafe doch selbst einen Bruch durchzuführen. Erschwert wird dieses Unterfangen, als er die Schauspielerin Julie kennenlernt und sich kopfüber in sie verliebt. Mit ihr steht Henry tagsüber auf der Bühne und probt Tschechow, während er nachts unter dem Theater einen Tunnel zur Bank gräbt. Was alte Kumpels auf den Plan ruft.

Henry ist ein Tagträumer mit einem McJob in Buffalo, der von Freunden dazu überredet wird, bei einem Einbruch das Fluchtfahrzeug zu steuern. Geschnappt wird nur Henry, der in den Knast geht, wo er von dem erfahrenen Verbrecher Max ein paar wichtige Lektionen fürs Leben erhält. Wieder auf freiem Fuß, lernt Henry in seiner Heimatstadt die attraktive Julie kennen, die für ein Theaterstück probt. Weil das Theater gegenüber der Bank liegt, kommt Henry auf die Idee, jetzt das Verbrechen zu verüben, für das er bereits eingesessen ist.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Henry sitzt seine Zeit ab. Nicht erst, als er unschuldig ins Gefängnis kommt: Schon vor der Haft hat sich in seinem Leben nichts bewegt; hat er sich in seinem Leben nicht bewegt; hat er als Gefangener seiner selbst einfach nur gewartet. Tagtäglich sitzt er in seiner Kabine der Mautstelle, und die Autos fahren an ihm vorbei, ohne ihn zu beachten. Antriebslos sitzt er zuhause, selbst die Andeutungen seiner Frau bezüglich Kinderwunsch sind ihm zuviel. Alte Kumpels geben einen Impuls, man könnte doch ins Stadion...? Aber das ist nur eine Finte, sie legen ihn, den lethargischen Naiven, rein: Vor der Bank wartet er mit laufendem Motor, und natürlich ist er der einzige, der festgenommen wird wegen des Bankraubs. Und natürlich ist er der einzige, der gar nichts mitbekommen hat von einem Bankraub...

      Keanu Reeves ist gut in der Rolle; sie scheint ihm auf den Leib geschrieben, passt genau zu seinen schauspielerischen Fähigkeiten, die im schlichten Gucken mit leerem Gesicht liegen (wobei er es in der zweifelhaften Meisterschaft der Ausdruckslosigkeit gottseidank noch nicht zu Nicolas Cage-Niveau geschafft hat). Reeves spielt einen reinen Toren, einen unschuldigen Mann ohne Ambitionen, für den das erreichte Mittelmaß der Traum seines Lebens ist. Bis ihm im Gefängnis der Gedanke reift, die Bank nachträglich zu überfallen, da er die Strafe ja schon abgesessen hat.

      Auftritt James Caan. Der stiehlt in diesem Film allen die Show, auch Vera Farmiga als exzentrische, egozentrische Provinzdiva im kleinen Theater von Buffalo, New York. Caan ist als Max ein Hochstapler, der schön reden kann, der den Leuten das sagt, was sie hören wollen, der sie glücklich macht, um sie dann auszunehmen. Nur dass nach eigenen Angaben das Glücklichmachen besser klappte als das Ausnehmen, weshalb er seinen Lebensabend sozusagen im Ruhestand im Gefängnis verbringen will. Auch er hat keinen Traum mehr, auch er hat sich gefügt in das, was einfach erreichbar ist. Vera Famiga als Julie hat einen Traum von der Karriere als Starschauspielerin; steckt aber fest in der Provinz, und ob ihr Talent ausreicht für die Welt da draußen ist auch nicht sicher; außer für sie, sie hält sich für von allen unterschätzt, und den blöden Buffalotto-Werbespot – ihre bisher größte Errungenschaft, was das Erweitern ihrer Prominenz betrifft – scheint auch das Ende der Sackgasse zu sein.

      Gut gezeichnete Charaktere finden sich in einer etwas lahmen Storyentwicklung wieder, erst ab der zweiten Hälfte gewinnt der Film an Fahrt: Wenn James Caan als Max Saltzman und Keanu Reeve als Henry einen raffinierten Bankraub planen über einen 80 Jahre alten Schnapsschmugglertunnel, der Bank und Theater verbindet; und als Henry dafür sich als Schauspieler in einer Inszenierung von Tschechows „Kirschgarten“ findet, unter einem exzentrischen, russisch radebrechenden Regisseur und neben der kapriziösen Julie, die für ihn so etwas wie die Muse seines Lebens wird: weil er tatsächliches schauspielerisches Talent entdeckt... Schön herausgearbeitet sind die Parallelen der Filmhandlung und des Tschechow-Stücks, und zu den rechten Momenten stoßen immer neue Komplizen zu Henry und Max dazu, die mehr oder weniger hinderlich sind bei der Durchführung des Plans.

      Dass der Funke trotzdem nicht so recht überspringen will, liegt wohl am ehesten darin, dass die Inszenierung zu betulich, zu bieder wirkt, zuwenig auf Witz hinarbeitet. Was Peter Stormares Regisseur des Theaterstücks seiner Schauspielerin Julie vorwirft: Immer auf der sicheren Seite zu spielen, nie aus sich herauszugehen, sich auf der Bühne nie zu öffnen: Das ist auch das Problem des Films, dem mehr Spritzigkeit nicht geschadet hätte.

      Fazit: Eine Bankraub-Komödie, die sich schön mit der Liebesgeschichte eines Naivlings mit einer Theaterschauspielerin verbindet – bei der aber der Schwung und letztendlich auch die Komik fehlt.
    2. Henry & Julie - Der Gangster und die Diva: Heiter-verquerer Genremix um einen Mann, der erst für einen Bankraub ins Gefängnis geht, bevor er überhaupt einen Bruch begeht.

      Bankraub, Keanu Reeves und Anton Tschechow. Dass das zusammen geht, beweist Malcolm Venville in seinem heiter verqueren Genremix, der eine Ode an die Liebe ist.

      Henry fristet ein tristes Dasein als Kassierer einer Autobahnmautstation. Da tauchen ein paar alte Kumpels auf und missbrauchen ihn als Fahrer für einem Banküberfall. Der Coup misslingt, Henry landet hinter Gittern und freundet sich dort mit Safeknacker-Profi Max an. Was ihn auf die Idee bringt, nach verbüßter Strafe selbst einen Einbruch durchzuführen. Schließlich war er am Verbrechen, dessen er angeklagt wurde, eigentlich unschuldig.

      Ein guter Plan, der aus dem Ruder läuft. Ein klassischer Kinostoff, bereits dutzendfach erzählt. Regisseur Malcolm Venville nutzt die sattsam bekannte Prämisse lediglich als Ausgangspunkt für eine schräge Liebesgeschichte mit komischen Zwischentönen. Auftritt Vera Farmiga („Up in the Air“), die als Julie, lokale TV-Lottofee in Buffalo, New York, von der großen Bühnenkarriere träumt. Sie fährt den Bankräuber in spe fast über den Haufen, der ist darüber nicht verärgert, sondern verliebt sich über beide Ohren in sie. Der Genrewechsel ist vollzogen. Fortan übt man tagsüber auf der örtlichen Provinzbühne Tschechows „Kirschgarten“, nachts wird unter Maxens Anleitung – er ist auf Bewährung frei – unter dem Theater ein Tunnel zur Bank gegraben. Was wiederum Henrys geldgierige Freunde anlockt.

      Frech plündert der Brite Venville („44 Inch Chest“) die Genres, mixt deren Versatzstücke virtuos durcheinander. Nostalgisch mutet Chris Jones‘ liebevolles Produktionsdesign an, mal kalt realistisch, mal romantisch verklärt setzt Kameramann Paul Cameron das Licht.

      Peter Stormare wütet lustvoll als Inspizient/Regisseur über die Bühne, versucht Henry in die Kunst des Schauspielens einzuführen, derweilen Stoiker Keanu Reeves gar keine Unterweisung braucht, ist er doch ohnehin der prototypische Tschechow’sche Held. Ms. Farmiga hält elegant dagegen, beweist dass sie einfach alles spielen kann – ebenso wie Hollywood-Urgestein James Caan als Max, der den Ganoven mit großem Herzen gibt.

      Und der Bruch? Das Geld? Alles nur ein MacGuffin, ebenso wie die Tragikomödie, die hier auf der Bühne geprobt wird. Es geht eigentlich um die Suche nach dem Sinn des Lebens, um Henrys „Erweckung“ – er wird zum Romeo und findet endlich seinen Platz in der Welt. geh.

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