Filmhandlung und Hintergrund

Bösartige Thrillerkomödie über die alte, aber immer wieder erfrischende Geschichte vom vermeintlichen Biedermann als durchtriebenen Brandstifter.

Auf dem Weg zum renovierungsbedürftigen Ferienhaus trifft der gestresste Familienvater Michel einen alten Schulfreund auf der Raststättentoilette. Zumindest behauptet er, Michel aus der Schule zu kennen - Michel kann sich nicht an ihn erinnern - und rückt der jungen Familie nicht mehr von der Pelle. Die ist sichtbar genervt, auch wenn der vermeintliche Freund es nur gut zu meinen scheint. Doch dann schlägt die Stimmung jäh um.

Auf dem Weg ins Sommerdomizil trifft der dreifache Familienvater Michel auf der Autobahntoilette zufällig auf Harry. Der längst vergessene Ex-Schulfreund hängt sich fortan wie eine Klette an ihn, besessen von der fixen Idee, Michels angeblich schon in der Schülerzeitung erkennbares Schreib-Talent freizusetzen. Der aber hat ganz andere Probleme: Von Geldsorgen geplagt, übt er sich stets in Konfliktvermeidung und -bewältigung mit Ehefrau und Eltern. Um ihm den nötigen Freiraum zu verschaffen, geht Harry kurzerhand über Leichen.

Auf dem Weg ins Sommerdomizil trifft Familienvater Michel zufällig auf Harry, der behauptet, sein Ex-Schulfreund zu sein. Fortan kümmert sich Harry rührend um den von Geldsorgen und familiären Problemen geplagten Michel und verschafft ihm mit rabiaten Mitteln den nötigen Freiraum. Rabenschwarzer Humor aus Frankreich, für den Darsteller Sergi Lopez 2000 den Europäischen Filmpreis erhielt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Harry meint es gut mit dir: Bösartige Thrillerkomödie über die alte, aber immer wieder erfrischende Geschichte vom vermeintlichen Biedermann als durchtriebenen Brandstifter.

    Der zweite, lange Spielfilm von Dominik Moll gehörte zu den Lichtblicken in einem eher durchwachsenen Cannes-Wettbewerb. In dieser schwarzen Komödie verbinden sich Humor und Spannung zu einem schillernden Meisterwerk an Perfidie und Perfektion über die alte, aber immer wieder neue Kombination vom Biedermann als Brandstifter.

    Die ersten Einstellungen erinnern an einen Familienfilm: Michel und Claire müssen bei einer langen Autofahrt in die Ferien die drei quengelnden Töchter in Schach halten. Bei einem Halt an der Autobahnraststätte taucht Harry auf wie der Phoenix aus der Asche. Auf der Herrentoilette erkennt er in Michel einen alten Schulfreund, hängt sich an ihn wie eine Klette und lädt sich und seine körperlich attraktive, geistig schlichte Gefährtin mit dem bezeichnenden Namen Prune (Pflaume) ins an eine ewige Baustelle erinnernde Chalet des genervten Paares. Während Michel sich nur schwach an Harry erinnert, weiß der jedes Detail aus alten Tagen, zitiert sogar ein Pubertäts-Gedicht von ihm. Unaufgefordert schleicht er sich in Michels Leben, wirkt mit seinem Strahlemannhumor wie ein Geschenk Gottes. Während Michel lebensuntüchtig scheint, erledigt Harry alles mit links, kauft dem „alten“ Freund ein Auto, baut sein Ego auf und ermuntert den verdatterten Lehrer, eine Schriftstellerkarriere anzugehen. Doch nach und nach mutiert das ewige Lächeln auf seinem Gesicht zur Fratze, entpuppt sich der hilfreiche Harry als mordender Psychopath, der nicht zwischen Gut und Böse differenziert, sondern seinen Instinkten folgt. Zwischen Patricia Highsmith und den frühen Werken der Coen-Brüder angesiedelt ist diese fulminante Mischung aus Cliffhanger und schwarzer Komödie. Harry dient als Katalysator für lang unterdrücke Wünsche und weckt Abgründiges in dem sonst so liebevollen Pater Familias.

    Das amüsante und spannende Jekyll und Hyde-Spiel wartet mit einem überraschenden Ende auf. Stark das Schauspieler-Ensemble: Mathilde Seigner („Schöne Venus“) als pragmatische Gattin, Laurent Lucas als konfliktvermeidender Softie und natürlich Sergi Lopez (vor kurzem noch Nathalie Bayes Part-Time-Lover in „Eine pornografische Beziehung“) der sich endlich vom Image des „nice guy“ trennt und als Bösewicht an Charisma gewinnt. Der in Bühl geborene Moll spielt souverän mit den Ängsten der Zuschauer, steigert die Suspense sukzessive, nicht zuletzt dadurch, dass Harry nicht als Bösling, sondern als Sympathico eingeführt wird - der übrigens eine enge Verbindung zwischen dem Verzehr von rohen Eiern und gutem Sex herstellt. „Harry, un ami qui vous veut du bien“ steht in bester film noir-Tradition. Nicht umsonst sicherte sich Miramax die Rechte. Altmeister Hitchcock würde sicherlich seinen Spaß haben. Amüsieren sollte sich aber auch ein Arthaus-Publikum mit Sinn für intelligent-makabrem Humor. mk.

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