Happy End (2017)

Happy End: Schrecklich nett und schrecklich bourgeoise - in dem satirischen Familiendrama "Happy End" lässt Michael Haneke die Elite Frankreichs auf Flüchtlinge prallen.
Kinostart: 12.10.2017
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Filmhandlung und Hintergrund

Happy End: Schrecklich nett und schrecklich bourgeoise - in dem satirischen Familiendrama "Happy End" lässt Michael Haneke die Elite Frankreichs auf Flüchtlinge prallen.

Der Dekadenz und dem „Um-sich-selbst-drehen“ der bourgeoisen Gesellschaft wird ein gnadenloser Spiegel in HAPPY END vorgehalten, der Titel des Films in grotesk-komischen Szenarien ad absurdum geführt. Der Film ist das Porträt einer Familie: Die Laurents betreiben seit Generationen ein florierendes Bauunternehmen. Doch das Fundament bröckelt. Den alternden Patriarch Georges (Jean-Louis Trintignant) hat der Lebensmut verlassen. Seine Tochter, die resolute Anne (Isabelle Huppert), hat stattdessen das Familienunternehmen übernommen. Keine leichte Aufgabe. Denn die Firma steht seit einem Baustellen-Unglück in der Kritik. Annes Sohn Pierre (Franz Rogowski) soll das Unternehmen übernehmen, doch der sieht dort nicht seine Zukunft.

Thomas, Annes Bruder und erfolgreicher Arzt,  wiederum hat gerade seine 12jährige Tochter Eve (Fantine Harduin) bei sich und seiner neuen Frau Anaïs (Laura Verlinden) aufgenommen, die bislang bei seiner ersten Frau lebte. Thomas führt ein Doppelleben, dem Eve bald auf die Schliche kommt. Die Familie beschwört nach außen hin Geschlossenheit, doch die Spannungen innerhalb sind kaum noch zu überspielen.

“Happy End“ – Hintergründe

Wenn Michael Haneke einen Film unter dem Titel “Happy End“ veröffentlicht, ist eigentlich klar, dass es auf ein Ende mit Tränen hinausläuft. Das starbesetzte Ensembledrama zeichnet das Porträt einer Familie, deren Villa zum Mehrgenerationenhaus wird. Umgeben vom Reichtum vergangener Zeiten brechen hier aktuelle Konflikte hervor. Der Wunsch, wieder mit dem Schauspieler Jean-Louis Trintignant zu arbeiten, habe Haneke motiviert. Und neben dem “Liebe“-Darsteller konnte Haneke außerdem wieder Isabelle Huppert (“Die Klavierspielerin“, “Caché“) gewinnen, die damit bereits zum vierten Mal für Haneke vor der Kamera stand.

In die unheimlich heile Welt der Eliten platzt ganz unvermittelt die Alltagsrealität – die Flüchlingskrise. Das Geschehen ist in der Hafenstadt Calais angesiedelt, die zum Symbol der französischen Flüchtlingspolitik geworden ist. Hier wird die gutsituierte Welt einer Familie, die an der Erblast des Kolonialismus trägt, gezeichnet. Mit dieser Mischung aus Drama und Satire ist Haneke im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes 2017 angetreten. Der österreichische Filmemacher hatte mit “Das weiße Band“ und “Liebe“ zuvor bereits zweimal die Goldene Palme gewonnen.

Bei der Oscarverleihung 2018 wird “Happy End” als österreichischer Kandidat im Wettbewerb um den besten fremdsprachigen Film antreten.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Vergeben und Vergessen sind nicht die Sache von Michael Haneke, dem unbarmherzigsten und unbestechlichsten aller Chronisten der Condition Humaine. Mit “Das weiße Band” und “Liebe” hatte er seine Meisterschaft perfektioniert und war mit jeweils einer Goldenen Palme belohnt worden. Fünf Jahre hat es gedauert, bis der mittlerweile 75-Jährige in München geborene Österreicher, der seit fast zwei Jahrzehnten aus Frankreich heraus arbeitet, zurückgekehrt ist, wieder mit einer internationalen Koproduktion, bei der von deutscher Seite X Filme beteiligt ist.

    “Happy End” lautet der vielversprechende Titel, denn was darf man von einem Haneke-Film mit einiger Sicherheit nicht erwarten? Einen glücklichen Ausgang. Wie man sofort merkt, dass man sich in einem Film des Regisseurs befindet. Seine Lieblingsschauspieler hat er um sich versammelt, Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant, neben ein paar neuen Akteuren, neben Mathieu Kassovitz und Toby Jones auch der Deutsche Franz Rogowski. Um die sorgfältig gehüteten Geheimnisse eines Familienklans in Calais geht es. Die Flüchtlingskrise ist allgegenwärtig, spielt für die Handlung aber nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn sich explizit alles um Flucht drehen mag.

    Wenn man denn von einer Handlung sprechen kann. Als wüsste er selbst genau, dass er die Eleganz und Präzision von “Liebe” nicht noch einmal toppen könne, ist “Happy End” eher ein Essay, eine Ansammlung von Skizzen und Fragmenten, dem es weniger darum zu gehen scheint, noch einmal auf Teufel komm raus eine Palme gewinnen zu wollen, sondern noch einmal Positionen und Aussagen zu behandeln und bestärken. Der Film fühlt sich wie ein Abschied an. Wenn schon nicht von Haneke – wer weiß -, dann doch von dem großen Jean-Louis Trintignant, der in diesem Jahr 87 wird und zerbrechlich aussieht, durchsichtig, als wäre er schon fast nicht mehr da, aber doch immer noch die Präsenz besitzt, dass man ihm unweigerlich zusieht, wenn er im Bild ist. Es mag sich noch viel mehr tun in “Happy End”, Männer mit perversen Fantasien, an sich selbst scheiternde Söhne, eiskalte Matriarchen – und vor allem eine Enkelin, die nicht nur vor Mord und Suizidversuchen nicht zurückschreckt, sondern ihr Verhalten – “Bennys Video” und “Funny Games” lassen grüßen – auch noch mit Kommentaren auf ihrem Smartphone festhält. Aber im Grunde geht es doch um den alten Mann, der – wie die anderen auch – ein Gefangener ist, dem aber nach einem gescheiterten Selbstmord im Auto die Möglichkeit genommen ist, sich seinen noch verbliebenen Wunschtraum zu erfüllen, weil er an den Rollstuhl gefesselt und handlungsunfähig ist. In einem Geständnis seiner Enkelin gegenüber offenbart er sich als der Mann in “Liebe”, der seine kranke Lebensgefährtin erstickte. Und nun will er ein Happy-End, das sich womöglich in dem pittoresken blauen Meer findet, das auf dem Poster zu sehen ist, das einen in Cannes seit Tagen anlacht. Und in Wahrheit verspottet. ts.

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