Filmhandlung und Hintergrund

Zwischen Altman und Lynch angesiedelte Familiengeschichte in bitterbösen Episoden.

Die schüchterne Kay wird von ihrer Umwelt regelmäßig ausgenützt und muß sich obendrein mit ihren herablassenden Schwestern Jane und Joy, einem tödlich beleidigten Verehrer und einem russichen Taxifahrer herumärgern. Aber auch das Leben von Jane und Joy ist nicht perfekt: Jane langweilt sich trotz Erfolgs als Autorin, während Joy mit der Tatsache konfrontiert wird, daß ihr Mann ein Päderast ist.

Drei Schwestern wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Joy verliebt sich immer in die falschen Männer, Helen könnte jeden bekommen, will aber eigentlich keinen, und die glücklich verheiratete Trish weiß nicht, welch schreckliche Vorlieben ihr Mann pflegt. Dazu kommen noch Eltern, bei denen nach jahrzehntelanger Ehe Trennungsgedanken keimen… Wie einfach könnte das Glück doch sein, wüßte man nur, was man wollte. Aber es ist eine altbekannte Tatsache, daß Nachbars Kirschen immer besser schmecken als die eigenen…

Schwarze Komödie über eine amerikanische Familie, deren Verlangen nach dem zwischenmenschlichen Glück unter massiven Schwierigkeiten leidet: Die Eltern wollen sich nach langer Ehe trennen, Tochter Joy verliebt sich prinzipiell in die Falschen, ihre Schwester Helen könnte jeden bekommen, will aber keinen, während die dritte im Bunde, Trish, nichts von den schrecklichen Vorlieben ihres Mannes ahnt.

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Kritikerrezensionen

  • Happiness: Zwischen Altman und Lynch angesiedelte Familiengeschichte in bitterbösen Episoden.

    Willkommen im Tollhaus. Nach seiner bitteren Komödie aus dem Jahr 1996 läßt Todd Solondz auf die Vorspeise den Hauptgang folgen: ein ätzend bösartiges „Verrückt nach Mary“ für Intellektuelle, in dem der Regisseur den amerikanischen Familienverband als Hort für Psychopathen, Perverse und Päderasten entlarvt. Daß einer der besten Filme des Jahres Universal in den USA veranlaßte, seinem Indiearm October die Veröffentlichung zu untersagen, liegt wohl nicht an der schmerzhaften Offenheit, mit der Solondz alles zertrümmert, was dem Mittelstand heilig ist, sondern daß es ihm in einer atemberaubenden Gratwanderung zwischen blankem Entsetzen und befreiendem Lachen gelingt, selbst in den kränkesten Figuren seines Blicks in seelische Abgründe Menschlichkeit zu finden.

    „Happiness“ ist kein glücklicher Film. Es ist ein Film über einsame, verzweifelte Menschen auf der Suche nach einem Fluchtweg aus ihrem Leben, nach Liebe, nach Glück. Viele ihrer Handlungen sind unakzeptabel: Mit gehöriger Distanz zeigt Solondz eine Welt, in der auch ein Päderast, der zehnjährige Jungen unter Drogen setzt und vergewaltigt, ein obszöner Anrufer, der Frauen terrorisiert und dazu masturbiert, oder eine Mörderin, die ihr Opfer in Stücke hackt und in kleine Plastiktüten verpackt, als funktionierende Mitglieder einer Gesellschaft, in der alles erlaubt ist, so lange der Schein der Normalität gewahrt wird. Weder entschuldigt noch goutiert Solondz ihre Handlungen, aber er dämonisiert seine Figuren auch nicht und zwingt den Zuschauer so zur Auseinandersetzung mit den Menschen, die hinter diesen unaussprechlichen Taten stehen. Scheinbar mühelos gelingt es dem Filmemacher in langen, irgendwo zwischen Altman und Lynch angesiedelten Szenen, Tragik und Komödie perfekt auszubalancieren, erschütternde Segmente humorvoll aufzulösen und umgekehrt leichte Momente unvermittelt in puren Horror umkippen zu lassen.

    In diesem elektrisierenden Wechselbad der Gefühle folgt „Happiness“ drei erwachsenen Schwestern, ihren gegenwärtigen oder zukünftigen Partnern und ihren vor der Trennung stehenden Eltern in Florida. Während der jüngsten Schwester Kay, die von ihrer Umwelt nach Strich und Faden ausgenutzt wird und sich dennoch nie unterkriegen läßt, bei ihren erniedrigenden Erlebnissen mit ihren herablassenden Schwestern, einem tödlich beleidigten Verehrer und einem russischen Taxifahrer offensichtlich die meisten Sympathien des Filmemachers gehören, drängt sich die Geschichte des Päderasten schon aufgrund ihres schockierenden Inhalts in das Zentrum des Geschehens. Auch, weil der Psychiater Dr. Maplewood mit seiner Traumfamilie auf den ersten Blick wie die perfekteste Figur in „Happiness“ erscheint, wenn er seine stetig kochende oder putzende Frau herzt oder seinem Sohn geduldig Nachhilfe bei drängenden Pubertätsthemen gibt. Mit apokalyptischen Gewaltfantasien oder der Masturbation zu Teenie-Heftchen offenbart sich der von Dylan Baker phänomenal gespielte Mann aber schnell als Opfer unkontrollierbarer und unverzeihbarer Obsessionen. Am Ende des Films wird er von seinem Sohn zur Rede gestellt: Das Filmjahr 1999 muß sich schon sehr anstrengen, will es diese herzzerreißende, schonungslos offene Szene überbieten, die wahrhaftig den Atem stocken läßt. Getragen von einem brillanten Ensemble und einem Seventies-Softrock-Soundtrack, der die Verlogenheit der unter allen Umständen aufrecht erhaltenen Illusion von der Heilen Welt noch einmal ironisch kommentiert, setzt sich „Happiness“ über die Scheinheiligkeit des good clean life hinweg und findet hinter der Fassade Verzweiflung, Einsamkeit - und jenen Funken Hoffnung, der das Betrachten dieses meisterhaften Rundumschlags letztlich erträglich macht. ts.

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