Grüße aus Dachau!

  1. Ø 0
   2003
Grüße aus Dachau! Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Grüße aus Dachau!: Ein junger Dachauer zeichnet ein ungewöhnliches Portrait seiner berühmt-berüchtigten Heimatstadt.

Das bayrische Kleinstädtchen Dachau könnte mit seinen rund 40.000 Einwohnern, der historisch wertvollen Bausubstanz und einer lieblichen, ländlichen Umgebung ein Touristenziel wie viele andere sein – hätte es nicht dem Herrn Hitler und seinen Kameraden 1933 gefallen, genau dort Deutschlands erstes Konzentrationslager aufzuschlagen. Zwar fanden in Dachau bei weitem nicht so viele Menschen den Tod wie in den östlichen Vernichtungslagern. Weil es aber das erste seiner Art war und zu den Befreiern auch eine Filmcrew gehörte, blieb es der Menschheit frischer im Gedächtnis, als es dem unbescholtenen Dachauer von heute mitunter lieb ist.

Vom Leben mit der Geschichte und den unterschiedlichen Arten, damit umzugehen, berichtet diese aufschlußreiche Kinodokumentation von Bernd Fischer.

Nachdem die Stadt Dachau 2001 erstmals auf der Internationalen Tourismusbörse für ihre schönen Seiten warb, beschloss Bernd Fischer, die zu den am meisten besuchten Orten Bayerns zählende und seine Heimat-Stadt filmisch vorzustellen. Und entdeckte täglich kleine Tragikomödien, aufgeführt von Touristen und Einheimischen, Zeugen der Vergangenheit und deren Kindern.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mit der abendfüllenden Dokumentation seiner Heimatstadt bestätigt Bernd Fischer zum einen, dass Dachau nach wie vor vor allem wegen seiner traurigen Vergangenheit einen zweifelhaften internationalen Ruf besitzt, zum anderen zeigt er aber auch, dass das oberbayerische Städtchen neben der KZ-Gedenkstätte noch andere Touristenattraktionen zu bieten hat. Der Versuch, dem Phänomen Dachau beizukommen, dürfte vom Programmkinopublikum gewürdigt werden.

    Für seinen Dokumentarfilm hat sich Fischer einen mehr oder weniger repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt vor die Kamera geholt. Neben einem Kommunalpolitiker kommen unter anderem eine Nonne, eine Hebamme, der Bürgermeister, eine Fremdenführerin, die Leiterin der KZ-Gedenkstätte sowie Max Mannheimer, Überlebender des Konzentrationslagers, zu Wort. Diese Aussagen unterlegt der Filmemacher, der neben Regie auch für Buch und Kamera verantwortlich zeichnet, mit Bildern aus Dachau, von der Fußgängerzone und vom Volksfest, vom Schloss und der ländlichen Umgebung, von malerischen Gässchen und – unvermeidlich – von der Gedenkstätte. Nach und nach erfahren wir, dass viele Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder in Dachau zur Welt kommen, sich die Hebamme vor Ort über mangelnde Arbeit trotzdem nicht beklagen mag. Einer erzählt, dass er im Ausland einmal mit seiner Kreditkarte gezahlt hat und schief angeschaut wurde, weil darauf „Kreissparkasse Dachau“ stand. Des Weitern wird man darüber informiert, dass die Lufthansa erneut einen Antrag, einen ihrer Mittelstreckenflieger „Dachau“ zu taufen, abgelehnt hat, was den Bürgermeister sehr traurig stimmt. Die Fremdenführerin vermeldet dagegen voller Stolz, dass es im Umland wunderbare Kürbisse gibt und will uns dies als Touristenattraktion verkaufen.

    Wenn’s wirklich spannend würde, kneift Fischer. Der Wahlbetrugsskandal ebenso wie die starke Repräsentanz der Republikaner im Stadtrat wird nur gestreift. Seine Interviewpartner nennt Fischer nicht beim Namen, erwähnt lediglich ihre Berufsbezeichnung, was nicht gerade zur Transparenz beiträgt. Was mit diesem Film möglich gewesen wäre, wird deutlich, wenn man Max Mannheimer sieht, wie er mit seinem silbrig glänzenden Oldtimer Marke Tatra an einem sonnendurchfluteten Tag an der nicht enden wollenden Mauer des ehemaligen KZs entlang fährt. Allein dieses Bild bringt die düstere Vergangenheit dieses heute so idyllischen oberbayrischen Städtchens auf den Punkt. Davon hätte man sich mehr gewünscht – in den mit 77 Minuten gar nicht mal so langen „Grüßen aus Dachau“. lasso.

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