Filmhandlung und Hintergrund

Visuell wunderschön, aber oberflächlich aufbereitete Modernisierung eines Charles-Dickens-Romans.

Der Waise Finnegan Bell wächst in einem Fischernest an der Küste Floridas bei Onkel Joe auf. Gerne besucht er Estella, die Nichte der von Männern enttäuschten Miss Dinsmoor in ihrem noblen Haus. Er verliebt sich hemmungslos, doch Estrella verschwindet aus seinem Leben bis sie sich als Erwachsene in New York wiedertreffen: er inzwischen Künstler, sie als sein Modell.

Finnegan Bell wächst unter der Obhut seines Onkels Joe in einem Fischerdorf in Florida auf. Seine freie Zeit vertreibt er sich mit Besuchen bei der schwerreichen Miss Dinsmoor, die mit ihrer Nichte Estella in einer pompösen Villa lebt. Jahre später, Finn hat sich längst Hals über Kopf in das Mädchen aus gutem Hause verliebt, verschwindet Estella aus seinem Leben. Als Finn, der inzwischen zum angesehenen Künstler avanciert ist, in New York eine Ausstellung vorbereitet, kommt es zur erneuten, diesmal schicksalhaften Begegnung mit seiner einstigen Jugendliebe.

Finnegan, der bei seinem Onkel in einem Fischernest aufgewachsen ist, verliebt sich in die reiche, gebildete Estella. Zum anerkannten Künstler aufgestiegen, treffen sie sich in New York wieder. Visuell wunderschöne, aber oberflächlich aufbereitete Modernisierung eines Charles-Dickens-Romans.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Große Erwartungen: Visuell wunderschön, aber oberflächlich aufbereitete Modernisierung eines Charles-Dickens-Romans.

    Weil nicht jede Perle auch als Schmuckstück erkannt wird, fand Alfonso Cuarons Adaption von Frances Hodgson Burnetts Roman „Little Princess“ trotz bester US-Kritiken nie den Weg in die deutschen Kinos. Dieses Versäumnis unterstreicht Cuarons Nachfolgeprojekt „Große Erwartungen“, das den Mexikaner und seinen Kameramann Emmanuel Lubezki als Filmemacher von erlesenem visuellen Geschmack bestätigt. Die von beiden auf Film gebannte Neuinterpretation eines literarischen Meisterwerkes ist zwar Dickens light, dabei aber von zauberhafter, romantischer Qualität und sollte gerade auch vom jugendlichen Publikum, auch ohne einen Magneten wie Leonardo DiCaprio, umarmt werden.

    Charles Dickens‘ 1860 veröffentlichter Klassiker ist vor allem in David Leans Verfilmung (1946) ein nahezu unantastbarer Meilenstein. Wohl auch deshalb mied Drehbuchautor Glazer eine werkgetreue, a priori zum Scheitern verurteilte Adaption, und vereinfachte den Plot, um ihn - befreit vom Schauerton und der gerade für diesen Roman so typischen Geheimniswelt - auf eine romantische Liebesgeschichte zu komprimieren. Dickens‘ gleichsam faszinierendes wie bedrohlich wirkendes, oft im Nebel gefangenes Themse-Marschland - das Symbol für die begrenzte Sicht der Kindheit, mit der die Welt der Erwachsenen nicht durchschaut werden kann - wird ersetzt von der Golfküste Floridas, die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts abgelöst durch die Gegenwart. Über drei Altersstufen hinweg begleitet der Film den Protagonisten Finn (zuerst der erstaunliche Newcomer Jeremy James Kissner, später Ethan Hawke), der mit acht Jahren den drei Personen begegnet, die sein Schicksal nachhaltig bestimmen werden: ein entflohener Sträfling (Leans atmosphärisch unvergeßliches Friedhofs-Meeting verlegt Cuaron ans lichtdurchflutete Meer), der später Finns Künstlerkarriere in New York anonym fördern wird (Robert De Niro auf den großen Spuren von Leans Finley Currie); eine alte Jungfer (Anne Bancroft), die aus enttäuschter Liebe in Schrulligkeit und Wahn flüchtet und schließlich Estella, ihre Nichte (zunächst Raquel Beaudene, später der schöne Schwan Gwyneth Paltrow), die von ihrer Tante zum snobistischen Eisklotz, zur Speerspitze ihrer Rache an den Männern erzogen wird. Leidtragender ist in erster Linie Finn, der sich vom ersten Augenblick an in diesen unnahbaren Engel aus dem „Verlorenen Paradies“ verliebt.

    Die Geschichte dieser Obsession steht im Mittelpunkt dieses verwunschen ausgestatteten (Produktionsdesigner Tony Burrough), malerisch bebilderten, romantischen Märchens, das vor allem dann überzeugt, wenn es sich selbst genügt, aber etwas oberflächlich wirkt, wenn ein Psychogramm der Charaktere, etwa der interessantesten Figur Estella (emotional ist sie zur Gleichgültigkeit erzogen, denn Liebe verletzt), gezeichnet werden soll, oder Dickens‘ Gesellschaftskommentare neuzeitlich adaptiert werden (Chris Cooper als Florida-Trampeltier in New York, die Verführung durch Reichtum und soziale Position - eine hier allenfalls gestreifte Ebene). Die großen Erwartungen erfüllt dieser Film somit vor allem in der exquisiten Optik und Inszenierung, die für zentrale Momente in Finns Leben magische Bilder findet. Dafür stehen etwa die erste Begegnung mit Estellas Lippen und Finns weitere, sinnlich aufgeladene, intime Momente mit seiner großen Liebe, die ihn aus dem Gleichgewicht bringt, was Cuaron mit verkanteten Einstellungen perfekt illustriert. Letztlich ist man vom visuellen Eindruck so verführt, daß zweitrangig wird, ob Finns Liebe auch uns berührt. kob.

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