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Größer als im Fernsehen

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Filmhandlung und Hintergrund

Vergnügen mit Tiefgang: Die Komödie mit Janina Fautz kombiniert ein heiteres Märchen mit ein bisschen Kritik am Privatfernsehen. Die Tragikomödie mit dem zunächst etwas irritierenden Titel erzählt eine in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche und durchaus ernstzunehmende Geschichte. Die erste Szene zeigt zwei Männer an einem Lagerfeuer im Sand, dann folgt der eigentliche Auftakt: Während Studentin Lisa (Janina Fautz)...

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Kritikerrezensionen

  • Vergnügen mit Tiefgang: Die Komödie mit Janina Fautz kombiniert ein heiteres Märchen mit ein bisschen Kritik am Privatfernsehen.

    Die Tragikomödie mit dem zunächst etwas irritierenden Titel erzählt eine in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche und durchaus ernstzunehmende Geschichte. Die erste Szene zeigt zwei Männer an einem Lagerfeuer im Sand, dann folgt der eigentliche Auftakt: Während Studentin Lisa (Janina Fautz) im fernen Berlin erkennt, dass ihr Traum vom Studium in der pulsierenden Großstadt an der Wirklichkeit zerschellt, hat ihr Vater, Besitzer der Dorfkneipe „Zum Kühlen Grunde“ im Taunus, den letzten Schnaps seines Lebens kredenzt. Also kehrt Lisa ins hessische Körstel zurück, übernimmt das Lokal voller Enthusiasmus und vielen Plänen - und scheitert erneut: Die Kneipe ist hochverschuldet. Rettung naht in Gestalt eines Investors: Im Dorf soll ein Freizeitpark entstehen, alle würden profitieren; Bürgermeister Schulz (Gustav Peter Wöhler) ist begeistert. Es gibt nur ein Problem: Mittendrin im zukünftigen Parkgelände liegt das Domizil der ebenso vermögenden wie eigenwilligen Eleonore (Marie Anne Fliegel). Zufällig findet Lisa raus, dass die alte Dame für einen ehemaligen Castingshow-Teilnehmer schwärmt, und tatsächlich lässt sich Eleonore auf einen Deal ein: Wenn Nico Hölter (Dennis Schigiol) ihr ein Privatkonzert in Unterwäsche gibt, willigt sie in den Verkauf ein. Gemeinsam mit Schulz entwirft die junge Frau einen ebenso raffinierten wie gewagten Plan, wie sie Nico erst nach Körstel und dann zu Eleonore locken kann.

    Bis hierher ist „Größer als im Fernsehen“ wunderbare Unterhaltung auf hohem Niveau, vorzüglich gespielt, auch in den Nebenrollen mit viel Bedacht besetzt, aber nun kommt eine tragische Note ins Spiel: Nico hat die typische traurige Karriere vieler Castingshow-Sternschnuppen hinter sich und ist mittlerweile froh, wenn er in einem Möbelhaus auftreten darf. Nächste Station auf der Karriereleiter nach unten wäre die Mitwirkung in der Show „Abgestürzt“, die frappierende Ähnlichkeit mit dem Dschungelcamp eines großen deutschen Privatsenders hat. Entsprechend glücklich ist der durchaus talentierte junge Mann über den begeisterten Empfang, den ihm die Menschen in Körstel bereiten; und prompt bekommt Lisa Skrupel.

    Autor des Drehbuchs ist Benjamin Hessler, dessen letzte Arbeit, „Spieglein, Spieglein“, ebenfalls einen doppelten Boden hatte: Das „Tatort“-Duo aus Münster suchte einen Mörder, der Doppelgänger der Menschen aus ihrer Umgebung meuchelte. „Größer als im Fernsehen“ ist womöglich noch ausgefallener. Der Hessische Rundfunk steht zwar für herausragende „Tatort“-Krimis wie zuletzt „Murot und das Murmeltier“, aber seine Beiträge für den „FilmMittwoch im Ersten“ fallen gern mal aus dem Rahmen. Davon kann diesmal keine Rede sein, zumal Hesslers Geschichte gerade auch dank der Umsetzung durch den erfahrenen Regisseur Christoph Schnee ein Vergnügen mit Tiefgang ist. Natürlich übt der Film eine gewisse Kritik am Privatfernsehen, das seine „Superstars“ erst hochjubelt und dann im australischen Dschungel dem Gespött preisgibt, aber diese Ebene ergibt sich eher beiläufig.

    Mutig ist die Tragikomödie, weil die beteiligten Sender den Film in die Hände zweier junger Schauspieler gelegt haben, selbst wenn Janina Fautz schon oft ihre Klasse bewiesen hat. Eine Entdeckung ist dagegen der im Fernsehfilm bislang allenfalls am Rande präsente Musical-Sänger Dennis Schigiol; seine Coverversionen diverser Klassiker von Joe Cocker bis Leonard Cohen können sich in der Tat hören lassen. Ganz ausgezeichnet ist auch die filmische Gestaltung. Die Rückblenden sind sehr kunstvoll und oft erst auf den zweiten Blick erkennbar in die Geschichte integriert. Wie clever der Film konzipiert ist, zeigt sich am Schluss. Erst jetzt stellt sich raus, dass die Rahmenhandlung mit den beiden Männern am Strand zwar in der Tat der Rückblick eines Gescheiterten ist, aber sie findet in gänzlich anderem Zusammenhang statt, als die Szenerie vermuten lässt. tpg.
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