Filmhandlung und Hintergrund

Liebesfilm nach Motiven von Kurt Tucholskys "Schloss Gripsholm", unterhaltsam vermischt mit seiner Biografie und fiktiven Elementen.

Schriftsteller Kurt reist mit seiner Geliebten Lydia nach Schloss Gripsholm in Schweden, um dort den Sommer in vollen Zügen zu genießen. Gesellschaft bekommen sie von Flieger Karlchen und Varieté-Sängerin Billie. Der Spaß wird getrübt durch die politische Entwicklung in der Heimat, die Karlchen begrüßt, während Kurt die Anzeichen für eine Katastrophe sieht. Ihre Auseinandersetzung gipfelt in einem Fliegerduell.

1932 macht sich der Satiriker Kurt Tucholsky auf den Weg nach Schweden, wo er den Urlaub zum Schreiben einer leichten Sommergeschichte nutzen will. Dabei wird er von seiner lebenslustigen Muse Lydia begleitet. Doch an Arbeit ist zunächst nicht zu denken. Das liegt erstens an der rechtsradikalen Stimmung, die sich in Deutschland allmählich breit macht und Kurt aufs Äußerste beunruhigt, und zweitens an dem unerwarteten Besuch von Lydias Freundin, der verruchten Varieté-Künstlerin Billie, die für jede Menge Zerstreuung sorgt…

Eigentlich wollten der Schriftsteller Kurt und seine Muse Lydia auf Schloss Gripsholm entspannen, doch der Urlaub wird durch die politische Entwicklung in der Heimat getrübt. Xavier Kollers Hommage an Kurt Tucholsky.

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Kritikerrezensionen

  • Gripsholm: Liebesfilm nach Motiven von Kurt Tucholskys "Schloss Gripsholm", unterhaltsam vermischt mit seiner Biografie und fiktiven Elementen.

    Wer sich an einen Unterhaltungsfilm über Kurt Tucholsky wagt, muss über ein gewisses Maß an Unbekümmertheit und Naivität verfügen. Der in Kalifornien lebende Schweizer Xavier Koller jedenfalls ging unbeschwert von der Last deutscher Vergangenheit zur Sache und erzählt die Lovestory zwischen dem Schriftsteller und seiner Muse „Prinzessin“ auf Schloss Gripsholm, verknüpft Motive aus dem Buchklassiker mit der Biographie Tucholskys und fiktiven Elementen.

    Eine „Sommergeschichte“ soll er schreiben, „was sie Ihrer Freundin schenken können, zart im Gefühl, ironisch und mit einem bunten Umschlag“. Auf diesen Rat seines Verlegers kontert Kurt Tucholsky ironisch: „Eine Liebesgeschichte? Wer liebt denn heute noch?“ Die Skepsis in Gefühlsfragen hindert ihn nicht, gemeinsam mit seiner Freundin in die Liebesferien nach Schweden aufzubrechen. Die Vorgeschichte des Romans „Schloss Gripsholm“ knöpft sich Xavier Koller vor und verlegt sie in das Jahr 1932. In Berlin treiben die braunen Horden schon ihr Unwesen, in den Kabaretts und Bars feiert man mit einer Lebensgier, als wäre es das letzte Mal, Tucholsky droht ein Prozess wegen der inzwischen berühmten Aussage „Soldaten sind Mörder“. Mit seiner Geliebten Lydia, die er „Prinzessin“ nennt, genießt Tucholsky die Zeit der Liebe und den schwedischen Sommer aus vollen Zügen, aber immer wieder denkt er an Deutschland und die Gefahr durch Hitler noch vor der Machtergreifung. Auch als sein Freund Karlchen einfliegt und wenig später Lydias Freundin, die laszive Nachtclub-Chansonette Billie mit dem Auto anreist, wechselt die Stimmung permanent von Heiterkeit zu Pessimismus über die politische Entwicklung. Denn Karlchen bringt nicht nur eine Kiste Champagner mit, sondern auch Zeitungen voller Anschuldigungen gegen Tucholsky, dessen Name auf den berüchtigten schwarzen Listen steht und der als „Nestbeschmutzer“ gilt. Während Karlchen blauäuig national argumentiert, analysiert der Autor die Anzeichen für eine Katastrophe. Die Spannung entlädt sich in einem gefährlichen Fliegerduell in der Luft, bei dem Tucholsky das Leben seiner Freunde riskiert. Am Ende des Sommers entscheidet sich Tucholsky, in Schweden zu bleiben. Geschichtliche Maßstäbe darf man an diesen Film nicht anlegen. Nicht nur, dass der Zeithorizont geändert wurde (der Film spielt 1932, Tucholsky entschloss sich schon 1929 für eine Emigration nach Schweden, die Beziehung zu Lisa Matthias, mit der er 1929 am Ufer des Mälarsees gegenüber Schloss Gripsholm logierte, kühlte schon 1930 ab, „Schloss Gripsholm“ erschien 1931), auch die von Berlin nach Schweden importierte Dekadenz inklusive der nächtlichen Amour à trois wirft Fragen auf. Inwieweit der Satiriker eigene erotische Erfahrungen in seinem Roman verarbeitet hat, bleibt der Spekulation überlassen. Im Kontext unverständlich ist eine Nebenhandlung, in der ein kleines Mädchen aus einer Art BDM-Heim flieht. Einige Informationen - wie ein Hinweis auf die Verbrennung seiner Werke bei der „Bücherverbrennung“ 1933 oder auf seinen Freitod zumindest im Nachspann - wären für den heutigen Zuschauer hilfreich gewesen. Wer einen unterhaltenden Liebesfilm im zwanziger, dreißiger Jahre-Ambiente erwartet, wird sich an Kamera und Szenenbild von Pio Corradi delektieren und auch den Schauspielern wie Ulrich Noethen als Kurt und Heike Makatsch als „Prinzessin“ einiges abgewinnen können. Für Tucholsky-Kenner ist „Gripsholm“ allerdings schwer vermittelbare Kost mit einem bunten Umschlag. mk.

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