Goyas Geister

  1. Ø 4.4
   2006

Goyas Geister: Opulenten Historienfilm über den spanischen Hofmaler Francisco de Goya von Milos Forman.

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Filmhandlung und Hintergrund

Goyas Geister: Opulenten Historienfilm über den spanischen Hofmaler Francisco de Goya von Milos Forman.

Während andernorts in Europa revolutionäre Schriften verfasst werden und aufgeklärte Monarchen Wissenschaft und Künste fördern, ächzt das Spanien des Jahres 1792 unter der Knute der Inquisition. Das muss auch Inès (Natalie Portman) erfahren, als das Modell des Malers Goya (Stellan Skarsgård) nach Verweigerung eines Schweinebratens wegen jüdischer Umtriebe im Folterkerker verschwindet. Als Goya den Mönch Lorenzo (Javier Bardem) mit ihrer Rettung beauftragt, begeht er einen großen Fehler.

Weniger das Leben des Francisco Goya als das tragische Schicksal seiner Muse steht im Mittelpunkt eines Ausstattungsdramas aus der Werkstatt des hochdekorierten Milos Forman („Amadeus„).

Spanien 1792, ein Land unter dem Diktat der Inquisition. Die Kirche fürchtet den Verlust der Macht und die Ideen der Aufklärung wie der Teufel das Weihwasser. Goyas Muse und Modell Inès gerät ins Visier fanatischer Tugendwächter und muss sich vor dem Tribunal verantworten. Auch der skrupellose Pater Lorenzo, den Goya besticht, kann dem Mädchen nicht helfen. Sie verschwindet in finsteren Verließen. Sechzehn Jahre später wird Ines wird von Napoleons Armee befreit, eine gebrochene Frau, die mit Unterstützung Goyas ihre in der Zelle geborene Tochter sucht und den Erzeuger – Lorenzo.

Spanien im Jahre 1792. Die Inquisition verbreitet Angst und Schrecken. In deren Visier gerät auch Inès, die Lieblingsmuse des Malers Goya, als sie dabei beobachtet wird, wie es ihr in einem Lokal vor einer Portion Schweinefleisch ekelt. Wegen „jüdischer Praktiken“ wird sie vor ein Tribunal einbestellt. Die verzweifelten Eltern wenden sich an Goya um Hilfe. Er soll seine Kontakte spielen lassen, um ihre Tochter vor dem Kerkertod zu bewahren. Widerwillig kontaktiert Goya den skrupellosen Pater Lorenzo, der im Hintergrund die Fäden zieht.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Wer etwas über den spanischen Maler Francisco Goya erfahren möchte, muss nicht in „Goyas Geister“ gehen. Denn der Künstler, verkörpert von Stellan Skarsgard, dient nur als Anhaltspunkt, um die Geschichte seiner berühmt gewordenen Muse Ines und der spanischen Inquisition zu erzählen. Seine Gravuren, die Vor- und Abspann schmücken und als Auslöser der Wiedereinführung der Folter durch die Inquisition dargestellt werden, wirken genauso wenig wie seine Gemälde in den Film hinein. Im Gegensatz zu anderen „Künstlerfilmen“ bleibt die - an sich durchaus gelungene - Bildgestaltung von „Goya’s Geister“ fern vom künstlerischen Werk des spanischen Meisters.

    Aber es geht ja auch nicht primär um Goya, dessen Figur flach und oberflächlich bleibt, es geht um Ines, seine Muse, die für ihn bei unzähligen Gemälden Modell stand und den Künstler inspirierte. Natalie Portman verleiht der jungen Frau zunächst eine zarte Anmut, changierend zwischen Unschuld und Lebenslust, ohne das der Film jedoch einen tieferen Blick auf diese Figur zulassen würde. Doch mit der Lebenslust ist es vorbei, als Ines aus dem Gefängnis freikommt. Ihre Leidensgeschichte von 16 Jahren Haft darzustellen, besteht im Wesentlichen darin, Natalie Portman mit wirren Haaren und bleich geschminkt durch den Film irren zu lassen. Von der ehemaligen Würde ist wenig übrig, genauso wenig wie von Portmans schauspielerischen Fähigkeiten, die sie nicht entfalten kann, oder von einem Einblick in die seelischen Verletzungen, die sie im Gefängnis erlitten hat.

    Einzig Javier Bardem als opportunistischer Mönch Lorenzo überzeugt auf der ganzen Linie. Was zunächst nach unklarer Figurenzeichnung aussah, entpuppt sich als Vorverweis auf Lorenzos wankelmütiges Wesen, dessen Überzeugungen sich zunächst je nach politischer Lage schnell zu ändern scheinen. Immer bemüht, die Fassade zu wahren und die Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten versteckt sich in dem Geistlichen ein Mensch aus Fleisch und Blut und durchaus fleischlichen Gelüsten.

    Nachdem er im Zusammenhang mit dem „Fall Ines“ selbst vor der Inquisition geflohen ist, schlägt er sich auf die Seite Napoleons, dessen Truppen den spanischen Klerikern schnell den Garaus machen. Fragte man sich schon den ganzen Verlauf des Films über, wieso Regisseur Milos Forman diesen eigentlich gemacht hat, findet man auch in der historischen Komponente keine Antwort. Fern von einer Neuinterpretation der Geschehnisse oder eines außergewöhnlichen Blickwinkels degradiert er die Geschichte vor allem im zweiten Teil des Films zum Dekor für ein allzu banales Historienmelodram über eine ungeklärte Vaterschaft. Zu viele Erzählstränge – Ines und ihre Familie, Lorenzo, Goya, der Königshof – werden miteinander verwoben, so dass keiner tiefer entwickelt wurde. Doch auch als Sittenbild seiner Zeit funktioniert er nicht, konzentriert er sich doch zu sehr auf die Berühmtheiten der Epoche und den Fortgang der Geschichte, um alle zu Beginn ausgelegten Handlungsfäden am Ende auch wieder notdürftig zusammenknoten zu können.

    Fazit: Oberflächlicher Historienfilm, dessen Interesse jedoch im Unklaren bleibt, und der allenfalls wegen der schauspielerischen Leistung Javier Bardems sowie einigen humorvollen Dialogen der Nebenfiguren von Interesse sein mag.
  • Oscar-Preisträger Milos Forman wagt sich mit diesem opulenten Historienfilm über den spanischen Hofmaler Francisco de Goya mehr als zwanzig Jahre nach dem Welterfolg „Amadeus“ erneut an eine historische Künstlerfigur und das Porträt einer Epoche.

    Spanien 1792, ein Land unter dem Diktat der Inquisition. Die Kirche fürchtet den Verlust der Macht und die Ideen der Aufklärung wie der Teufel das Weihwasser. Goyas Muse und Modell Inès gerät ins Visier der fanatischen Tugendwächter und muss sich vor dem Tribunal verantworten, weil sie in einem Lokal die Portion Schweinefleisch ablehnte. Die Anklage lautet auf „jüdische Praktiken“, was einem Todesurteil gleichkommt. Durch Mithilfe von Goya lässt sich der skrupellose Pater Lorenzo in das Haus der verzweifelten Eltern einladen, kassiert Bestechungsgeld und ist erst unter physischem Zwang bereit, sich für das Mädchen einzusetzen. Dennoch verschwindet die junge Frau in den finsteren Verließen, Lorenzo selbst wird von seinen Oberen der Ketzerei angeklagt und flieht in letzter Minute nach Frankreich. Sechzehn Jahre später kehrt er als glühender Verfechter der französischen Revolutionsideale mit Napoleons Armee nach Madrid zurück. Inès wird von den Siegern befreit, eine gebrochene Frau, die mit Unterstützung Goyas ihre in der Zelle geborene Tochter sucht und den Erzeuger – Lorenzo, der sie in ihrer Hilflosigkeit missbrauchte. Der erste Gedanke zu diesem Film kam Forman schon vor 50 Jahren bei der Lektüre eines Buches über die Inquisition, in dem er Parallelen zur damaligen kommunistischen Gesellschaft entdeckte. Erst 2005 wurde das ambitionierte Projekt realisiert. Und erhält gerade in unserer Zeit von zunehmendem religiösen Fanatismus und Fundamentalismus eine neue Bedeutung und Brisanz. Vor dem politischen Hintergrund mit seinen Umbrüchen spielt sich die verhängnisvolle Geschichte zwischen den drei Hauptfiguren ab: Goya, der erst nur Beobachter ist und später vehement Partei ergreift, Lorenzo, den die dunkle Vergangenheit einholt, Inès, das Opfer blindwütiger Inquisition. Während der erste Teil einen Blick auf die grausame Historie und die Absurdität der Klerus-Justiz wirft, die Macht der Kirche und ihre Unmoral anprangert, Goya als Chronist und Querdenker auftritt, der sich nicht den Regeln des Hofes unterwirft und die Königin auch schon mal mit einer wenig schmeichelhaften Abbildung irritiert, wendet sich der zweite Teil der persönlichen Tragödie des Mädchens zu mit Goya als Randfigur. Von Anfang an dominiert ein starker Javier Bardem (der erst den Goya spielen sollte) als mönchischer Bösewicht im Kreise eifernder Frömmler, der alle Facetten des ambivalenten Charakters ausspielt und gegen den Stellan Skarsgard als Künstler ohne seelische Abgründe blass wirken und sukzessive in den Hintergrund treten muss. Eine überzeugende Performance in diesem emotionalem Drama über die Macht des Bösen und die Kraft der Unschuld gibt Natalie Portman, die das Spektrum vom lebenslustigen Mädchen aus gutem Hause bis zur durch Haft und Folter verwirrten Frau souverän beherrscht. Ein Historienepos, das hoffentlich mehr als nur das Bildungsbürgertum erreicht. mk.

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