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GOTT von Ferdinand von Schirach

  

Filmhandlung und Hintergrund

In der fesselnden und exquisit gespielten Verfilmung des Theaterstücks von Ferdinand von Schirach geht es um die Frage, ob Ärzte aktive Sterbehilfe leisten dürfen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • GOTT von Ferdinand von Schirach: In der fesselnden und exquisit gespielten Verfilmung des Theaterstücks von Ferdinand von Schirach geht es um die Frage, ob Ärzte aktive Sterbehilfe leisten dürfen.

    Vermutlich hätte die ARD das Experiment auch ohne eine derart gute Einschaltquote wiederholt: „Terror - Ihr Urteil“ hatte vor vier Jahren 6,88 Millionen Zuschauer; eine phänomenale Zahl für einen derart anspruchsvollen Stoff. „Gott“ basiert ebenfalls auf einem Theaterstück von Ferdinand von Schirach; er hat auch das Drehbuch geschrieben. Oliver Berben hat das Projekt erneut Lars Kraume anvertraut, der für „Terror“ mit dem Deutschen Fernsehpreis für die beste Regie ausgezeichnet worden ist. Auch „Gott“ folgt dem Muster eines Gerichtsdramas. Ausgangspunkt ist die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das jeder Mensch das Recht auf einen selbstbestimmten Tod habe. Der deutsche Ethikrat diskutiert mit Hilfe von Sachverständigen über die Frage, ob Ärzte den entsprechenden Wunsch eines lebensmüden Patienten erfüllen müssen. Das Publikum soll sich eine Meinung bilden und im Anschluss an den Film abstimmen.

    Die Besetzung ist herausragend und womöglich noch treffender als bei „Terror“, wobei es sich als großes Glück erweist, dass Lars Eidinger auch diesmal den nassforschen Rechtsanwalt Biegler verkörpern darf, dessen sarkastische Kommentare für gelegentliche Heiterkeit sorgen. Schauspielerischer Höhepunkt des Films ist ein theologischer Disput des Juristen mit Bischof Thiel, einem Mitglied der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz. Wäre „Gott“ ein Kinofilm, wäre schon allein das darstellerische Duell zwischen Eidinger und Ulrich Matthes das Eintrittsgeld wert. Auch der Rest des Ensembles (Barbara Auer, Anna Maria Mühe, Christiane Paul) ist perfekt besetzt. Weil es keine Anklage und somit keinen Staatsanwalt gibt, ist Eidinger fast zwangsläufig exponiert, denn Biegler nimmt erst den Vertreter der Bundesärztekammer (Götz Schubert) und dann den Bischof ins Kreuzverhör: Beide lehnen die aktive Sterbehilfe ab, der eine aus ethischen, der andere aus religiösen Gründen. Der Mediziner beruft sich auf den Eid des Hippokrates: Ein Arzt „soll heilen und nicht töten“. Der Bischof verweist auf die Bibel: Das Leben sei heilig; Gott habe es gegeben, nur er dürfe es nehmen. Selbstmord sei zudem reiner Egoismus und unmoralisch gegenüber der Gemeinschaft. Der exzellent vorbereitete Jurist zerpflückt die Argumente jedoch regelrecht, weshalb diese Debatten auch ein intellektuelles Vergnügen darstellen.

    Zum exquisiten Ensemble, dessen Darbietungen den Film fast dokumentarisch wirken lassen, gehören außerdem noch Matthias Habich als Witwer, der sehr bewegend vorträgt, warum er seit dem qualvollen Tod seiner Frau keinerlei Sinn mehr im Weiterleben sieht, und Ina Weisse als Vertreterin des Ethikrats, die die Sachverständigen befragt. Sie verweist auf die Euthanasie im Nationalsozialismus und ist daher der Meinung, die Erlaubnis zum assistierten Suizid sei ein Dammbruch, der das sittliche Fundament unserer Gesellschaft zerstören würde. Gerade in diesem ständigen Pro und Contra liegt der Reiz des Films, zumal es anders als bei dem Fallbeispiel aus „Terror“ in allen Debattenbeiträgen um eine sehr konkrete Frage geht, die jeden betrifft: Wem gehört unser Leben? Gott, der Kirche, den Ärzten, dem Staat? Oder doch uns selbst? Jeder will selbstbestimmt leben; was spricht dagegen, auch selbstbestimmt sterben zu wollen? Es ist Ferdinand von Schirach zudem gelungen, die philosophischen, ethisch-moralischen und juristischen Diskurse in Dialoge zu fassen, die nicht akademisch abgehoben, sondern jederzeit nachvollziehbar sind. Am Ende stellt die Vorsitzende die Frage, die das Publikum beantworten soll: „Halten Sie es für richtig, einem gesunden Menschen ein tödliches Medikament zu geben? Würden Sie es tun, wenn sie Arzt wären?“ tpg.
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