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Goldjungs

  

Filmhandlung und Hintergrund

Deutsche Satire über den größten Bankenskandal Deutschlands in der Nachkriegszeit in den 1970er Jahren.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

4,3
19 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

  • Goldjungs: Deutsche Satire über den größten Bankenskandal Deutschlands in der Nachkriegszeit in den 1970er Jahren.

    Die in die 1970er-Jahre verliebte Komödie „Goldjungs“ erzählt von einem der größten Bankenskandale der deutschen Nachkriegszeit.

    Die satirische Komödie „Goldjungs“, in der junge Devisenhändler bei der Kölner Privatbank Herstatt in den 1970er-Jahren wilde Fehlspekulationen betreiben und das Finanzhaus in die Pleite führen, basiert auf wahren Begebenheiten. Gleichzeitig erinnert das Ganze von seiner Machart natürlich auch ein Stückweit an das überlebensgroße Vorbild von Martin Scorseses „Wolf of Wall Street“. Aber anders als bei Scorsese wird diese zum Exzess neigende Männerclique nicht aus dem Inneren, sondern durch die unschuldigen Augen der neuen Bank-Sekretärin Marie Breuer (Michelle Barthel) geschildert. Die 20-jährige Frau, die stolz gegenüber ihrer Familie ist, nach der Ausbildung überhaupt direkt diesen Job erhalten zu haben, blickt auf die Devisenhändler und ihren Anführer Mick Sommer (Tim Oliver Schultz) anfangs vor allem mit Bewunderung und dann zunehmenden erotischen Interesse. Bevor die satirische Brechung einsetzt, die in der ersten Filmhälfte vor allem nur die älteren Bankangestellten betrifft, schwelgt der Film sehr ausdauernd in der Zelebrierung dieses Typus Mannes.

    Mit Genuss werden deren Porsche-Sportwagen auf exklusiven Parkplätzen gezeigt, die ausufernden Frisuren, exzentrischen Sonnenbrillen und Anzüge sowie Partys nach Feierabend in Zeitlupe ausgestellt. Zwar kommt der Blick der Protagonistin den Betrügern als Erstes auf die Schliche. Aber „Goldjungs“ stellt hier nicht die vielleicht erwartete emanzipatorische Aufstiegsgeschichte in den Mittelpunkt, in der eine Frau das System hinterfragt, erschüttert und einen Neuanfang einleitet. Dafür ist einfach die filmische Faszination für diese Typen und die längst vergangene Zeit auch einfach zu groß, die ebenso im Soundtrack mit Hit auf Hit der 1970er-Jahre heraufbeschworen wird. Tim Oliver Schultz, der seinen Durchbruch in der Vox-Serie „Der Club der roten Bänder“ feierte, spielt hier seinen Schönling, wie ihn Tom Cruise auch 1988 in „Cocktail“ spielte - als männliche Gottheit.

    Michelle Barthels Figur entwickelt sich dagegen zwar vom schüchternen Frischling zur selbstbestimmten Persönlichkeit, die auch mal ein obskures Nacktportrait von sich im Arbeitszimmer hängen lässt. Aber es ist nie wirklich ganz ihr Film. Sie ist mehr Zeitzeugin als echte Protagonistin und schon gar keine Heldin. Das Hauptaugenmerk des Films liegt auf dem Wiederfinden der Zeitepoche mit allen zur Verfügung stehenden filmischen Mitteln. In diesem Stilwillen sind eindeutig die Stärken des Werkes auszumachen. In den satirischen Überzeichnungen ist „Goldjungs“ dagegen eher selektiv. Trotzdem ist es auf jeden Fall ein mutiger, bemerkenswerter und aus dem Rahmen fallender Fernsehfilm geworden.

    Michael Müller.
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