Glück in kleinen Dosen

  1. Ø 4
   2005
Glück in kleinen Dosen Poster
Alle Bilder und Videos zu Glück in kleinen Dosen

Filmhandlung und Hintergrund

Glück in kleinen Dosen: Starbesetzte Satire im Stil von "American Beauty" über das langsam zerbröckelnde Leben in einer amerikanischen Vorstadt.

Teenager Dean Stiffle (Jamie Bell) lebt mit seinen Eltern in einer besseren Vorstadtgegend, wo heile Fassaden einen ebensolchen Eindruck vom Leben dahinter vermitteln wollen. Doch das vermeintliche Idyll gerät ins Wanken, als der Tod eines jugendlichen Dealers und besten Freundes von Dean eine Kette von fatalen Ereignissen in Gang setzt. So wollen kriminelle Mitschüler Dean zu Kurierdiensten zwingen, indem sie seinen kleinen Bruder entführen. Doch die Clique um Rowdy Bill (Justin Chatwin) erwischt das falsche Kind.

Abgründe hinter Spießerfassaden auszuloten und vom ganz normalen Wahnsinn zu erzählen ist das Ziel eines stargespickten Mittelklassedramas in der Tradition von „American Beauty„, „Donnie Darko“ und „Desperate Housewives„.

Der mit seinem Leben unzufriedene Teenager Dean lebt in einer südkalifornischen Trabantengemeinde. Er muss die endlosen Belehrungen seines Selbsthilfeguru-Vaters ertragen, entdeckt die Leiche seines besten und einzigen Freundes Troy und wird von dem Rowdy Billy und dessen Bande unter Druck gesetzt, Drogen beizuschaffen. Als Dean sich weigert, wollen sie seinen jüngeren Bruder entführen, erwischen aber den falschen Jungen, dessen Mutter so mit den Vorbereitungen ihrer Hochzeit beschäftigt ist, dass sie gar nicht merkt, dass er nicht mehr da ist. Und das ist nur der Anfang eines Tages, in dem der Zusammenhalt der kleinen Gemeinde auf eines schwere Probe gestellt wird.

Dean lebt mit seinen Eltern in der Vorhölle Suburbia und muss nicht nur das ständige Selbsthilfe-Psychogeschwätz seines Vaters mit anhören, sondern auch noch den Selbstmord seines besten Kumpels Troy verarbeiten. Zuhause gibt es zwar für jede Sorge eine kleine Pille, doch als Troys Freundin Crystal mit ihrer Clique den überforderten Dean dazu drängt, Troys verschollenes Drogenarsenal zu bergen, gerät die Situation endgültig außer Kontrolle: Um den Druck auf den armen Dean zu erhöhen, soll sein kleiner Bruder entführt werden.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

So werten die User Ø
(1)
5
 
0 Stimmen
4
 
1 Stimme
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (2 Stimmen)
5
 
1 Stimme
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Mit „Glück in kleinen Dosen“ liefert Regisseur Arie Posin den Kinos ein wirklich bemerkenswertes Spielfilmdebüt. Thematisch erinnert er dabei immer wieder an ähnlich geartete Filme wie „Donnie Darko“ oder „Thumbsucker“, stellt aber dennoch ein eigenständiges Werk mit hohem Unterhaltungswert und – nebenbei bemerkt – erstaunlich hochrangiger Besetzung dar.

    Der Handlungsort des Films, der Mikrokosmos weißer US-amerikanischer Vorstädte, ist gleichzeitig auch thematischer Mittelpunkt. Inmitten der aseptischen und grässlich oberflächlichen Welt des konservativen Mittelstands, wie sie uns hier zumindest präsentiert wird, haben sich Erwachsene und ihre Kinder in Parallelwelten eingerichtet und die Brücken zwischen sich abgerissen.

    Kommunikation ist nicht mehr möglich und nur selten erwünscht. Die Erwachsenen reden aneinander vorbei und über einander hinweg. Jeder jagt seinem persönlichen Glück hinterher, ohne wahrzunehmen, dass Menschen in unmittelbarer Umgebung drauf und dran sind, in den Abgrund zu stürzen. Keiner interessiert sich für die Gefühle der anderen, denn schließlich hat auch keiner die eigenen Gefühle ernsthaft im Griff. Alles wird umnebelt von einer Wolke chemischer Substanzen, die mal legal, mal illegal immer einen Weg zu den gierigen Konsumenten finden.

    Doch die zuckrige Welt der Wohlfühlpillen ist auf wackligen Säulen gebaut. Das strahlende Lächeln bröckelt, die sorgsam errichteten Fassaden bekommen Risse. Mit der Wahrheit allein gelingt es den Jugendlichen allerdings nicht, die Eltern endlich in die Realität zu zerren, denn die Wahrheit will keiner hören. Und so nehmen die Dinge mit immer wieder überraschenden Wendungen ihren Verlauf, bis die Spannungen unterträglich werden und die Implosion des Systems Hillside unvermeidlich ist.

    So dramatisch das Ganze allerdings ist, so komisch wird es hier präsentiert. Mit mal absurdem, mal schwarzem Humor gelingt die Gratwanderung zwischen Drama und Komödie. Und auch die Schauspieler-Riege trägt zur Unterhaltsamkeit des Films bei. „Billy Elliot“-Star Jamie Bell als an seinen Eltern verzweifelnder Jugendlicher lässt ebenso wenig Wünsche offen, wie der größte Teil der restlichen Besetzung.

    Einige besondere Bonbons werden dem Zuschauer indes mit Ralph Fiennes als selig vor sich hin lächelnden Delphinliebhaber oder einer langsam dem Wahnsinn der Trauer verfallenden Glenn Close geliefert. Eine Besonderheit der Charaktere liegt wohl auch in ihrer Komplexität begründet. So lässt sich keine der Figuren in ein Gut-Böse-Schema einordnen. Der Antagonist findet sich vielmehr in der Gesellschaft selbst.

    „Ignorier mich nicht!“ ist ein Schlüsselsatz, der in „Glück in kleinen Dosen“ immer wieder aufgegriffen wird. Er könnte auch auf den Filmplakaten stehen.

    Fazit: Eine Abrechnung mit der scheinbaren Idylle US-amerikanischer Vorstädte. Definitiv ein Film mit hohem Unterhaltungswert.
  • Leichtfüßige, aber nicht leichtfertige Satire auf Wohlstandsvorstädte, wo Erwachsene hemmungslos nach Perfektion und Selbstverwirklichung streben und darüber den Kontakt zu ihren Kindern verloren haben.

    In Sundance kam die mit fantastischen Elementen angereicherte Entlarvung des poliert-verlogenen Vorstadtamerikas bestens an, was an Newcomer Arie Posins Talent, dem tragikomischen Ton, der Ader fürs Besinnliche und einer bis in die kleinste Nebenrolle prominenten Top-Besetzung liegen dürfte.

    Und an diversen Schockwellen, deren erste den kontaktarmen Dean (Jamie Bell) derart verstört, dass er vergisst, den anderen vom Selbstmord seines einzigen Freundes Troy zu erzählen. Wem auch? Die Eltern hören ohnehin nicht auf ihre Sprösslinge, und wenn, dann nur, um sie für den eigenen Selbsthilfe-Bucherfolg zur Grundlagenforschung heranzuziehen. Wie Deans Vater Bill (William Fichtner), der ihn ständig mit neuen Psychopharmaka ruhigstellt. So ist die mit Medikamenten erwirkte Trabantenstadtidylle des Sonnenstaates Südkalifornien von groben Verwerfungen zerrissen.

    Dean trifft Troys Freundin Crystal (Camilla Belle), die der Bande um Rowdy Billy (Justin Chatwin) angehört. Sie haben es auf Troys von der ganzen Schule gebrauchte Drogensammlung abgesehen. Dean soll sie beschaffen. Damit er es auch tut, entführen sie seinen jüngeren Bruder, erwischen jedoch den falschen. Dessen Mutter ist so mit ihrer bevorstehenden Hochzeit (zeitgleich zu Troys Trauerfeier) beschäftigt, dass sie sein Fehlen nicht mal bemerkt. Als sich die Geiselsituation zuspitzt, platzt Dean der Kragen.

    Jeder ist ein Junkie, ob nach Antidepressiva, Erfolg, Sex, Videogames (wie Deans Bruder, der permanent ein wüstes Metzelspiel namens Chumscrubber bedient) so glossiert Posin. Vermutlich würde diese „Prozac Nation“ ohne Medikamente sogleich an ihrer suburbanen Entfremdung und dem gezielten aneinander Vorbeileben eingehen – eine wahre Parallelgesellschaft von Erwachsenen und Jugend. Zunächst entwirft Posin ein „American Beauty“-Panorama mit diversen verzweifelten Hausfrauen, streut aber fortlaufend kleine Irritationen ein. Die surrealen Intermezzi kulminieren nach Fasson von „Donnie Darko“ und leisten besinnlichen Augenblicken Vorschub, die das Ensembledrama um komische, tragische und nachdenkliche Aspekte bereichert. tk.

Zuletzt angesehen und Empfehlungen

News und Stories

Kommentare