Glaubensfrage (2008)

Originaltitel: Doubt
Glaubensfrage Poster

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Filmhandlung und Hintergrund

Glaubensfrage: Darstellerisch herausragende Theaterverfilmung über vielleicht nur behauptete Missbrauchsvorwürfe an einer katholischen Klosterschule.

Amerika 1964. Selbst an der katholischen Schule St. Nicholas, Hort des Konservativen, geht der liberale Zeitgeist nicht spurlos vorüber. Der charismatische Priester Flynn (Philip Seymour Hoffman) will das unbarmherzige Regiment der gestrengen Schwester Aloysius Beauvier (Meryl Streep) brechen. Als Schwester James (Amy Adams) Aloysius erzählt, Flynn kümmere sich zu sehr um den schwarzen Schüler Donald, beginnt diese einen Kreuzzug.

Bis zur letzten Konsequenz muss sich ein junger Revoluzzer im Talar gegen die Anfeindungen einer furchteinflößenden Oberschwester wehren, die ihm Pädophilie nachsagt. John Patrick Shanley inszeniert ein Moraldrama über eine erbitterte Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit.

New York, 1964. An einer katholischen Klosterschule reibt sich der Liberalismus von Pater Flynn mit der Strenge der Leiterin, Schwester Aloysius. Zur Explosion kommt der Konflikt um Glauben, Macht und Autorität, als Aloysius aus der harmlosen Beobachtung einer jungen Schwester einen schweren Vorwurf macht. Hat Flynn in der Zuneigung zu einem Schüler oder seine Kontrahentin in der Reaktion darauf Grenzen überschritten?

New York, 1964. An einer katholischen Klosterschule reibt sich der Liberalismus von Pater Flynn mit der Strenge der Leiterin, Schwester Aloysius. Zur Explosion kommt der Konflikt um Glauben, Macht und Autorität, als Aloysius aus der harmlosen Beobachtung einer jungen Schwester einen schweren Vorwurf macht. Hat Flynn in der Zuneigung zu einem Schüler oder seine Kontrahentin in der Reaktion darauf Grenzen überschritten? Mit der Beschuldigung wird eine Kette von Ereignissen ausgelöst, an der Existenzen zerbrechen.

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Bereits der Titel des Dramas „Glaubensfrage“ weist auf die doppelten Bedeutungen hin, die die gesamte Geschichte durchziehen. Er ist einerseits eine Übersetzung des englischen Titels „Doubt“, also Zweifel, und andererseits ein Stichwort für den Wertewandel, der im Jahr 1964 auch diese Kirchengemeinde in der Bronx erreicht.

    Hier gibt es noch Nonnen vom alten Schlag, asketisch, streng und, in Gestalt der Schulrektorin Schwester Aloysius, auch unbeirrbar. Und es gibt bereits die neuen Geister, die eine humanere Ära einläuten, wie den Pfarrer Flynn und die junge Lehrerin Schwester James. Vor dem Hintergrund dieses Wertewandels siedelt der Bühnen- und Drehbuchautor John Patrick Shanley sein Theaterstück an, das er hier auch selbst für das Kino adaptiert und inszeniert. Es geht um die Überzeugungen und den Wert des Zweifels, ohne den es wohl nie Veränderungen gäbe.

    Schwester Aloysius attackiert Pater Flynn mit der vernichtenden Anklage, er habe einen Schüler sexuell missbraucht. Beweise gibt es nicht, und Pater Flynn wird die Vorwürfe auch bis zuletzt abstreiten. Und doch durchziehen Zweifel, vage Hinweise, Vermutungen, doppeldeutige Gesten den Konflikt, der die Schule erfasst. Fans von Meryl Streep, die Schwester Aloysius spielt, und von Philip Seymour Hoffman, der sich noch nie vor sperrigen Charakteren scheute, werden in diesem Duell auf ihre Kosten kommen. Hoffman stellt einen letztlich undurchschaubaren Menschen mit hohem Selbstbewusstsein und viel Hingabe an seine Aufgabe dar, der seine Gegnerin verbal scharf angeht – wenn auch nur zu seiner Verteidigung.

    Streep hingegen sammelt im Laufe der Handlung Sympathien für ihre Schulrektorin, die gar nicht so eindimensional ist, wie sie anfangs erschien, und die nicht nur behauptet, sie habe das Wohl der Schüler im Auge, sondern der man das auch zunehmend glaubt. Und doch, sicher ist hier nichts, bis zum Schluss, und die hingebungsvolle, herzliche Schwester James, gespielt von Amy Adams, erleidet ein wahres Wechselbad der Gefühle, indem sie sowohl ihrer Vorgesetzten folgt, als auch hofft, dass Pater Flynn unschuldig ist.

    Im Spätherbst in der Bronx findet die Kamera Metaphern für den Wandel und die Ungewissheit, etwa in Form von Blättern im Wind oder von kahlen Zweigen. Die Szenen in der Schule sind im Halbdunkel gehalten, in einer atmosphärisch dichten Mischung aus Angst, Bedrückung und Halt gebender Ordnung, die allerdings manchmal auch optisch in Schräglage gerät.

    Den dramaturgischen Genuss der Geschichte erhöht eine zusätzliche Ebene, die den Konflikt von Schwester Aloysius und Pater Flynn durchzieht: Sie ist in der Kirchenhierarchie als Frau dem Priester untergeordnet, sie weiß, dass eine Beschwerde auf dem Dienstweg nichts bringt, weil ihr der Monsignore nicht glauben wird. Um so mehr muss es diese altgediente, im Verzicht geübte Schwester ärgern, wenn der Pater seine Fingernägel nicht kürzer schneidet, Zigaretten raucht, drei Löffel Zucker in seinen Tee gibt.

    Fazit: Spannendes Psychodrama um Macht und Wertewandel an einer Konfessionsschule mit Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman und Amy Adams.
  • In einem von Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman angeführten darstellerischen Gipfeltreffen diskutiert John Patrick Shanleys Drama die Kollision von Gerücht, Glauben und Gewissheit an einer katholischen Klosterschule.

    13 Jahre nach seiner Michael-Crichton-Adaption “Congo” und 19 nach seiner Erstinszenierung “Joe gegen den Vulkan” gibt Shanley auf diese Enttäuschungen kreativ Antwort. Mit der Verfilmung seines preisgekrönten Theaterstücks, die mit exzellenten Darstellern und intelligenten Dialogen eine Diskussion über die Kluft zwischen Überzeugung und Zweifel entfacht.

    1964 ist nach der kurzen, aber prägenden Amtszeit von Papst Johannes XXIII die katholische Kirche im Aufbruch. Das spürt auch Schwester Aloysius (Meryl Streep), die mit Strenge und Distanz eine Klosterschule in der Bronx leitet und auch in der Frage von Hierarchie und Autorität mit einem neuen Priester kollidiert. Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman) repräsentiert aufgeklärten Liberalismus, bringt den Kindern Freundlichkeit und Zuneigung entgegen. Schwester Flynn aber setzt auf das Prinzip Furcht, wirkt unerschütterlich im Glauben an sich selbst – ganz im Gegensatz zu Papst Johannes, der einmal denkwürdig sagte: “Ich bin zwar jetzt unfehlbar, gedenke aber nicht, davon Gebrauch zu machen.”

    Der Film benutzt dieses Zitat nicht, aber die darin implizierten Zweifel, das Hinterfragen eigener Positionen, sind treibende Kräfte in seinem zentralen Disput, der durch Reibung Feuer entzündet, das nicht mehr zu löschen ist. Hat Flynn wirklich nur Zuneigung in den einzigen schwarzen Schüler investiert oder die Grenzen überschritten? Seine Kontrahentin, die schon alles gesehen hat, glaubt fest daran, obwohl ihre Überzeugung auf einer harmlosen Beobachtung einer jungen Schwester (perfekte Unschuld: Amy Adams) gründet, die ohne jede Erfahrung ist.

    In diesem Dreieck wird der Konflikt ausgetragen, der auf die Mutter des Schülers übergreift und Darstellerin Viola Davis einen mitreißenden Kurzauftritt ermöglicht. Für Oscarnominierungen empfehlen sich auch Streep, die in Mimik und Sprache nicht nur Bitterkeit und Strenge sichtbar macht, wie auch Hoffman, der als Sympathieträger auch den Zuschauer in eine Glaubenskrise stürzen soll.

    In Konfrontationen und Dialogschwerpunkt ist der Bühnenbackground des Films unübersehbar. Shanleys Regie bleibt unauffällig, zeigt in einer verkanteten Einstellung Streeps erschüttertes Weltbild und in einer verträumten die Streuwirkung von Gerüchten. Obwohl Shanley den Prozess des Zweifelns für wichtiger hält als die Klärung, scheint er sie schließlich doch zu liefern. Am Ende gibt Hoffmans Reaktion die Antwort, auch wenn sie vielleicht nur für die Vergangenheit gültig ist. kob.

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