Filmhandlung und Hintergrund

TV-Drama im Rahmen der ARD-Themenwoche "Ist doch Ehrensache! - Wie Menschen sich für die Gesellschaft engagieren".

Julia kümmert sich in ihrer Freizeit um eine demenzkranke Frau. Als die alte Dame bei einem Hausbrand stirbt, ruft sie die anderen ehrenamtlichen Pflegerinnen zur Demo auf und zettelt sogar einen Generalstreik an. Die Kommunalpolitiker nutzen die Unruhen prompt für ihre eigenen Machenschaften. Vor allem dem intriganten Landrat kommt der Ausstand gerade Recht, um Julia für die Schließung des größten örtlichen Arbeitgebers verantwortlich zu machen.

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Kritikerrezensionen

  • Genug ist nicht genug: TV-Drama im Rahmen der ARD-Themenwoche "Ist doch Ehrensache! - Wie Menschen sich für die Gesellschaft engagieren".

    Fast auf den Tag genau drei Monate vom Drehbeginn bis zur Ausstrahlung: ein rekordverdächtiges Tempo für einen Fernsehfilm. „Genug ist nicht genug“ ist der Film zur Themenwoche der ARD. In mehreren Dutzend Sendungen quer durch alle verfügbaren Medien würdigt der Senderverbund das unentgeltliche Engagement vieler Millionen Deutscher. Angesichts der beinahe zwangsläufigen Thesenhaftigkeit eines solchen Films und der minimalen Entwicklungs- und Produktionszeit musste man fürchten, dass das Drama entsprechend holzschnittartig und damit womöglich sogar kontraproduktiv ausfallen würde. Tatsächlich mögen Regisseur Thomas Stiller (Buch: Stiller und Oliver Frohauer) gerade die Figuren etwas klischeehaft geraten sein, doch die Geschichte würde nicht nur auch ohne die Themenwoche funktionieren, sie ist vor allem eine Reaktion auf die aktuelle Wirtschaftskrise; und sie nimmt eine Entwicklung vorweg, die in Teilen schon jetzt Realität ist.

    Im Zentrum der Handlung steht Hausfrau Julia (Jule Ronstedt), die sich in ihrer Kleinstadt um eine demenzkranke Frau kümmert; der mobile Pflegedienst schaut zwar zweimal am Tag vorbei, aber nur für wenige Minuten. Als die alte Dame bei einem Hausbrand stirbt, Julia sich Vorwürfe anhören muss und die Pflegedienstleiterin die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen zu noch mehr Engagement auffordert, platzt ihr der Kragen: Sie ruft die anderen Frauen zu einer Demonstration auf und erlangt überregionale Bekanntheit, als sie einen Generalstreik aller Ehrenamtlichen anzettelt. Freunde macht sich Julia damit nicht: Die Kommunalpolitiker nutzen den Streik für ihre eigenen Machenschaften. Der intrigante Landrat Wieshuber (Alexander Held) und sein ehrgeiziger Referent (Oliver Mommsen) schmieden einen infamen Plan: Parallel zum Streik führen die Politiker Verhandlungen mit dem größten Arbeitgeber im Ort, der seinen Betrieb in ein Billiglohnland verlegen will; das Scheitern der Gespräche schieben sie nun den Streikenden in die Schuhe, weil sie den Arbeitgeber als soziale Unruhestifter in seinem Entschluss bestärkt hätten. Prompt wird Julias Mann Anton (Martin Feifel) von seinen Freunden geschnitten.

    Der Ausstand ist zwar das ungewöhnlichste Detail der Geschichte, doch im Grunde ist „Genug ist nicht genug“ ein Familiendrama, das vom ganz gewöhnlichen Absturz in die Schuldenfalle erzählt: Weil sich Antons Vater (Jürgen Schornagel) von der Bank zum Kauf todsicherer Aktien hat überreden lassen, ist der kleine Elektroladen, den er dem Sohn vermacht hat, völlig verschuldet; außerdem bleiben die Kunden aus. Und ausgerechnet jetzt will die Bank ihr Geld zurück; es droht die Zwangsversteigerung. Der ehelichen Atmosphäre ist das naturgemäß wenig zuträglich, zumal auch Sohn Thomas (Christian Polito) Probleme hat: Sein Arbeitgeber legt ihm nahe, das Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr zu beenden, ansonsten werde er ihn nach dem Ende der Lehre nicht übernehmen.

    Stiller, kürzlich erst mit dem beeindruckenden Gangster-Film „12 Winter“ im Programm, inszeniert die Geschichte nicht als Schocker wie „2030 - Aufstand der Alten“, das Science-Fiction-Szenario des ZDF. Tatsächlich braucht er den Status quo kaum auf die Spitze zu treiben, um die skandalösen Missstände zu verdeutlichen: Der Sozialabbau ereignet sich eher schleichend. Dankenswerterweise verzichtet der Film auch darauf, Dinge zu erklären, die man sich selbst zusammenreimen kann. Sieht man mal vom etwas kraftlosen Schluss ab, den Stiller offenkundig als Hoffnungsschimmer inszenieren wollte (oder sollte), ist „Genug ist nicht genug“ doch nicht der befürchtete Thesenfilm geworden. Dass die Botschaft trotzdem nicht zu übersehen ist, war wohl Sinn der Sache. tpg.

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