Filmhandlung und Hintergrund

Komödie um einen Bäcker und Flaubert-Fan, der in seine neuen Nachbarn namens Bovery Flauberts berühmte Romanfiguren hineinträumt.

Ein Literatur liebender Bäcker verfällt seiner neuen englischen Nachbarin Gemma Bovery, die sich mit ihrem Mann in der Normandie niederlässt. Der Franzose in den Fünfzigern glaubt in ihr die moderne Reinkarnation von Gustave Flauberts Romanheldin Emma Bovary zu erkennen und sucht nach Parallelen zwischen den beiden in ihrer Ehe gelangweilten Frauen. Als das Objekt heimlicher Begierde eine Affäre mit einem Adelsspross beginnt, will er Gemma vor ihrem scheinbar vorbestimmten Schicksal schützen und spinnt eine Intrige, die das Unglück erst in Gang setzt.

Ein Bäcker und Flaubert-Fan träumt in seine neue Nachbarn namens Bovery Flauberts berühmte Romanfiguren hinein. Gemma Arterton als Gemma Bovery in einer Dramödie, die gekonnt mit Versatzstücken der Flaubert-Klassiker spielt.

Bilderstrecke starten(7 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Gemma Bovery - Ein Sommer mit Flaubert

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

4,3
7 Bewertungen
5Sterne
 
(4)
4Sterne
 
(1)
3Sterne
 
(2)
2Sterne
 
(0)
1Stern
 
(0)

Wie bewertest du den Film?

Kritikerrezensionen

    1. Die Komödie "Gemma Bovery" spielt auf originelle, vergnügliche Weise mit Flauberts Romanklassiker "Madame Bovary". Als ein sexuell frustrierter Mann in seiner schönen Nachbarin eine moderne Ausgabe der literarischen Heldin zu erkennen glaubt, mischt er sich ungebeten in ihr Leben ein. Die Regisseurin Anne Fontaine ("Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft", "Mein schlimmster Alptraum") inszeniert das sinnlich-verkopfte Abenteuer eines fantasievollen Mannes nach der gleichnamigen Graphic Novel von Posy Simmonds.

      Die attraktive Engländerin Gemma ist in ihrer Ehe mit dem unscheinbaren Charlie (Jason Flemyng) gelangweilt. Sie vergnügt sich heimlich mit dem jungen Adligen Hervé, was Martin schaulustig beobachtet, ohne sich seiner Eifersucht bewusst zu werden. Er selbst würde Gemma vielleicht auch als Geliebte haben wollen, traut sich aber nicht an sie heran. Es bleibt beim gemeinsamen Teigkneten in der Bäckerei und Essenseinladungen mit den Ehepartnern und einem weiteren englischen Paar. Die Handlung bewegt sich im ständigen Zwiespalt zwischen Flauberts Roman, der Martin durch den Kopf spukt, und dessen eher peinlichen Auftritten als Detektiv. Immer wieder stellt sich heraus, dass Gemma eben doch nicht die echte Madame Bovary ist, aber die Ähnlichkeiten groß genug sind, um Martin zu verwirren. Dabei entwickelt die Geschichte einen schelmischen, auch schwarzen Humor.

      Fabrice Luchini spielt Martin, der auch als Voice-Over-Erzähler fungiert, mit komödiantischem Talent als kleinen Gernegroß, der sich nicht traut, seine Karten offenzulegen. Gemma Arterton bezaubert mit ihrer unbeschwerten, jugendlichen Dynamik und ihrer Attraktivität. Die Landschaft der Normandie ist in warme Farben getaucht und die Inneneinrichtung der alten Häuser strahlt einen urigen Charme aus. Die Bilder verdeutlichen, dass die Engländer in Martins Freundeskreis das entspannte Landleben und das kulinarische Angebot genießen. Diese visuelle Sinnlichkeit entspricht der erotisch gefärbten Handlung. Insgesamt unterhält der Film angenehm, entwickelt dabei aber keine dramatische Fallhöhe.

      Fazit: Die sinnliche Komödie "Gemma Bovery" erzählt mit schelmischem Humor von einem Mann, der seine Nachbarin heimlich begehrt und mit der Ehebrecherin aus dem Romanklassiker von Gustave Flaubert verwechselt.
    2. Gemma Bovery - Ein Sommer mit Flaubert: Komödie um einen Bäcker und Flaubert-Fan, der in seine neuen Nachbarn namens Bovery Flauberts berühmte Romanfiguren hineinträumt.

      Amüsante Neuinterpretation von Gustave Flauberts „Madame Bovary“ mit Fabrice Luchini als Literatur liebendem Bäcker und Gemma Arterton als personifizierte Sinnlichkeit.

      Wenn es um klassische Literatur geht, blüht Fabrice Luchini auf, ob in „Molière auf dem Fahrrad“, wo er mit Lambert Wilson um die richtige Interpretation von Molières „Der Menschenfeind“ ringt oder hier, wo er als Martin Joubert glaubt, in der Engländerin Gemma Bovery der Reinkarnation von Gustave Flauberts tragischer Romanheldin zu begegnen. Der einstige Lektor in Paris hat sich angewidert vom eitlen Kulturbusiness in die Normandie zurückgezogen und die Bäckerei seines Vaters übernommen. Als ein englisches Ehepaar in das Haus gegenüber einzieht, ist der Mann in den Fünfzigern fasziniert von der Schönheit und Laszivität der neuen Nachbarin (Gemma Arterton), beide treffen sich oft bei Spaziergängen mit ihren Hunden. Während sie in ihm nur den Schöpfer wundervoller Brotkreationen sieht, erwacht in ihm nach zehn Jahren ehelicher Ruhe im Schritt erneut die Libido. Gemma ist für ihn eine moderne, nach Abenteuern suchende „Madame Bovary“, die sich in ihrer Ehe langweilt und von Männern enttäuscht wird und die er vor ihrem Schicksal beschützen will. Mit fatalen Folgen.

      Nach der Graphic Novel von Posy Simmonds („Tamara Drewe“, ebenfalls verfilmt mit Arterton in der Titelrolle) verbindet Anne Fontaine das komische Potenzial mit der inneren Verzweiflung des Protagonisten. Für Pascal Bonitzer, der das Drehbuch schrieb (Simmonds war für die englischen Dialoge zuständig), ist es Gelegenheit mit intellektueller Raffinesse aufzutrumpfen. Der mehrfache Koautor von Jacques Rivette spinnt ein fragiles Netz aus unerfülltem Begehren und literarischer Besessenheit, erzählt im Gegensatz zur Vorlage das Drama konsequent aus männlicher Perspektive. Luchini als Mischung aus Voyeur und Privatdetektiv, ein Verschmähter, der unter der platonischen Liebe leidet und noch mehr unter Gemmas heißer Affäre mit einem jungen Adelsspross, spielt mit großer Präsenz und gleichzeitiger Zurückhaltung. Teigkneten ist für ihn sein ganz persönliches Yoga, eine Kunst, die er in einer erotisch aufgeladenen Szene die Engländerin lehrt.

      Trotz düsterer Momente ist „Gemma Bovery“ ein leichter Sommerfilm in Cinemascope-Format, der zwischen Roman und Fiktion wechselt, alten Texten eine neue Bedeutung verleiht und sich dabei auch über moderne Banalität der Sprache mokiert. Nicht nur die Hauptfiguren stimmen bis ins Detail, auch die Nebenfiguren von Isabelle Candelier als Martins spitzzüngige Gattin bis hin zu Gemmas Lover Niels Schneider. Das gar nicht klassische Ende krönt das kongeniale Spiel von Gestern und Heute in einer letzten Volte. mk.

    Kommentare