Geheime Staatsaffären

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   2006

Geheime Staatsaffären: Politthriller von Claude Chabrol, der in groben Zügen auf dem Skandal um den Mineralölkonzern Elf Aquitaine beruht.

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Filmhandlung und Hintergrund

Geheime Staatsaffären: Politthriller von Claude Chabrol, der in groben Zügen auf dem Skandal um den Mineralölkonzern Elf Aquitaine beruht.

Jeanne Charmant (Isabelle Huppert) ist die neue Untersuchungsrichterin im Tribunal de grande instance und als solche für einen aufsehenerregenden Fall von Wirtschaftskriminalität zuständig, bei dem unter anderem Staatsbedienstete Vorteile aus hohen Wirtschaftskreisen empfangen haben sollen. Nach ein paar Wochen auf Jeannes Grill ist auch der gestern noch geachtete Humeau (François Berléand) weichgekocht. Manchem aber geht der Ermittlungsstil der eisernen Lady zu weit.

Mit viel schwarzem Humor spinnt der französische Meisterregisseur Claude Chabrol ein Thriller-Szenario, das nicht von ungefähr an den historischen Skandal um den Mineralölkonzern Elf Aquitaine erinnert.

Richterin Jeanne Charmant ermittelt in einem Aufsehen erregenden Fall, in dem es um Veruntreuung und die Zweckentfremdung öffentlicher Finanzmittel geht, um unlautere Beziehungen zwischen Politikern und einem Industriekonzern. Immer mehr wird Jeanne sich im Verlauf ihrer Ermittlungen ihrer Macht bewusst, um gleichzeitig festzustellen, dass ihr Privatleben in eine Krise schlittert.

Jeanne Charmant-Killman macht ihrem Namen alle Ehre: Die eloquente Dame mittleren Alters ist als Untersuchungsrichterin für Korruptionsaffären zuständig. In ihrem neuesten Untreuefall geht es um den Mega-Bonzen Michel Humeau, der sich für Privatreisen aus der Firmenkasse bedient haben soll. Der Skandal verhilft Jeanne zu ungeahnter Popularität, doch sie merkt sehr schnell, dass in der Welt des Big Business andere Regeln gelten als in der Justiz – und auch ihr Mann Philippe hält wenig von der neuen Berühmtheit seiner Frau.

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Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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    Ein Gruppenbild mit Dame. Claude Chabrol seziert einmal mehr die französische Gesellschaft und deckt Missstände in wirtschaftlichen und politischen Kreisen auf. In "Geheime Staatsaffären" geht es um den Missbrauch von Macht, um Bestechung auf hoher Ebene, um Wirtschaftskriminalität mit staatlichem Segen, weil die wirtschaftliche Expansion auch im staatspolitischen Interesse liegt. Unerbittlich zeigt Chabrol auch die Ohnmacht des Staates, dauerhaft den Augiasstall von Korruption und machtpolitischen Ränkespielen auszukehren und aufzuräumen.

    Chabrols meisterlicher Film ist aber vor allem das Porträt einer Frau, die ihre ganze Energie und Kraft auf die Aufklärung der dubiosen Fälle konzentriert, da sie zu Hause keine Wärme mehr findet und selbst längst zu einem "Marmorbild" geworden scheint. Der Preis der Macht - oder auch für die Macht, den sie zahlt - ist hoch. Denn letztlich zerbricht alles um sie herum - ihre Ehe, aber auch ihre Karriere.

    Chabrol erzählt dieses Drama mit kühlen Bildern und meist in Blautönen, aus denen allein die roten Handschuhe der Richterin wie in Blut getauchte Hände einen Hauch von Leidenschaft symbolisieren. Chabrol bedient sich dabei oft des Perspektivenwechsels, um zu zeigen, dass eigentlich beinahe alle Hauptfiguren in diesem Ränkespiel Täter und Opfer zugleich sind. Wer sich gegen die Spielregeln wendet, hat keine Chance, als Sieger aus dem Rennen zu gehen.

    Empathie mag zwar gelegentlich für die eine oder andere Figur aufkommen, aber eigentlich sind sie alle erstarrt in ihrem Ehrgeiz, in ihrer Machtgier und ihrem seelenlosen Ehrgeiz. Isabelle Huppert als Hauptdarstellerin legt es nicht darauf an, dem Publikum zu gefallen, sie geht in ihrer Rolle auf. Eine ganze Riege exzellenter Nebendarsteller, viele von ihnen Männer im sogenannten besten Alter als Industriekapitäne und Manager, geben dem Film einen Hauch von Authentizität, von Demaskierung und Sittenbild. Chabrol hat ein genaues Auge für die Rituale der Macht, findet interessante Methoden der "Dekonstruktion".

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Die Welt der Mächtigen und Einflussreichen ist eine männliche Welt, angefüllt mit Zigarrenqualm und Unschuldslächeln, Intrigen und Intriganten. Und genau durch diese Welt läuft die selbstsichere, amüsierte Jeanne, um mit fröhlichem Genuss ihre Gegner in Grund und Boden zu stampfen. Und da sie Richterin und ihr Auftrag ein gerechter ist, fühlt sie sich dazu auch moralisch berufen.

    Den Anwalt, der sich hilflos in seinem nunmehr lächerlich machtlosen Talar zu verstecken versucht, weiß sie mit winzigen Gesten in seine Schranken zu weisen. Eine nach oben gezogene Augenbraue, ein spitzes Lächeln oder ein lakonisch beiläufiger Kommentar genügen, um ihre Überlegenheit sicherzustellen.

    Und dabei scheint der Mann, gegen den sie zu Beginn ermittelt, herrlich harmlos zu sein. Doch wer das Chabrol-Universum kennt, weiß, dass nichts so ist, wie es zu Beginn erscheint. Mit Engelslächeln vorgetragene Lügen bleiben eben doch Lügen und aus einem intriganten Industriellen wird kein guter Mensch, bloß weil er behauptet, einer zu sein.

    Gespielt wird hier ein Spiel, das sich von Runde zu Runde hangelt. Und obwohl Jeanne die Regeln kennt, kann sie nicht immer ganz durchschauen, welche Rolle sie spielt. Doch auch ihrem verbissenen „Ich gebe niemals auf“ geht die Puste aus, wenn sie realisieren muss, dass jedem besiegten Gegner viele weitere nachfolgen.

    Der Film erzählt ganz nebenher auch die Geschichte einer Frau, die sich entscheiden muss zwischen Ehe und Karriere. Ihr Mann sucht verzweifelt nach einem Mangel in ihrer Person, wohl um sich selbst im Vergleich mit ihr nicht mangelhaft fühlen zu müssen. Er ist nicht in der Lage, im Schatten ihres Erfolges zu leben und so bleibt die Ehe auf der Strecke.

    Doch auch der Erfolg, den Jeanne so augenscheinlich hat, ist ein zwiespältiger. Denn die Macht hinterlässt ihre Spuren. Zunehmend berauscht von ihr, wandelt sich die selbstbewusste Lebefrau zu einer schlaflosen Einsamen. Mehr und mehr scheinen ihr die Fäden zu entgleiten, die sie sich nur scheinbar selbst erkämpft hat.

    Man spürt bei jedem einzelnen Bild, dass man es mit dem Film eines Altmeisters zu tun hat.
    Mit „L’ivresse du pouvoir“ liefert Claude Chabrol eine fein austarierte Studie zu Macht- und Moralverhältnissen der aktuellen Gesellschaft, auch wenn im Vorspann betont wird, die Ereignisse seien „wie man so sagt“ frei erfunden.

    Durch die große Erfahrung Chabrols, den feinen, kunstvoll in Montage und Dialog eingeflochtenen Humor und nicht zuletzt durch Schauspielerin Isabelle Huppert wird „L’ivresse du pouvoir“ zu einem lohnenswerten Film, auch wenn er eigentlich nichts neues zu erzählen hat.

    Fazit: Eine sorgfältig dargestellte, unspektakuläre Geschichte um Macht und Einfluss in der heutigen Gesellschaft.
  • Süffisant prangert Claude Chabrol Korruption in Politik, Wirtschaft und Justiz an. Isabelle Huppert lehrt als Untersuchungsrichterin der bösen Bagage das Fürchten.

    Sie hat einen Namen, der auf der Zunge zergeht. Jeanne Charmant Killman, ihres Zeichens Untersuchungsrichterin. So richtig charmant ist sie aber nur in den wenigsten Fällen. In dem neuen Fall über undurchsichtige Finanztransfers und Schmiergeldzahlungen auf höchster Wirtschaftsebene räumt sie rigoros im Saustall der Oberen Zehntausend auf. Als erstes gerät der arrivierte und an einer Allergie leidende Humeau in ihre Fänge, der bald nicht mehr im Luxus schwelgt, sondern in einer kargen Zelle sitzt. Nach und nach entwirrt Madame das Netz aus Lügen und Männer-Bündelei, legt sich mit den Herren im teuren Tuch an und sorgt in den Vorstandsetagen für Verunsicherung. Sie dreht den Spieß um, ist diejenige, die fragt und in die Enge treibt, die Macht ausübt. Eine Konstellation, die ihr gefällt und bei der sie nicht merkt, wie ihre Ehe zerbricht. Sie glaubt an die Unabhängigkeit der Justiz, ein naiver Fehler, wie sich am Ende herausstellt. Denn der Klebstoff der Politik, Wirtschaft und Justiz zusammen und am Laufen hält, heißt Machterhalt mit allen Mitteln. Claude Chabrol geht es um zwei Fragen: Wie weit kann man persönliche Macht ausweiten, ohne an die Grenzen zu stoßen? Inwieweit kann die menschliche Natur dem Machtrausch widerstehen? Der augenzwinkernden Ankündigung, eine Ähnlichkeit mit lebenden Personen sei rein zufällig, sollte man keinen Glauben schenken, auch wenn Wirtschaftsdelikte manchmal als Kavaliersdelikte gelten. Im Verlauf des Aufsehen erregenden Verfahrens stellt der Altmeister immer wieder das quasi öffentliche Büro der Richterin ihrer Intimsphäre in den vier Wänden gegenüber, das Rollenverhalten als Staatsdienerin dem als Privatperson. Interessant die Konfrontation zwischen Klägerin und Angeklagten, die zwar auf verschiedenen Seiten stehen, aber doch etwas gemeinsam haben – beide sind keine Absolventen der „Grandes Ecoles“, dem französischen Karriere-Türöffner, sondern schafften es aus eigener Kraft auf gehobene Position. Der Schwerpunkt liegt auf verbalen Duellen, so exquisit und psychologisch ausgefeilt, wie sie nur Chabrol gelingen, der hier zur Intensität seiner frühen Werke zurückfindet. Wenn bei diesem spannenden Katz- und Mausspiel einer wie immer großartigen Isabelle Huppert zwischen Erotik und Härte langsam die Zügel entgleiten, wird das gesellschaftliche zum individuellen Drama. mk.

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