Funny Games

  1. Ø 4
   1997

Funny Games: Kontrovs diskutierte Auseinandersetzung zum Thema Gewalt und fortschreitender Verrohung der Sehgewohnheiten.

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Filmhandlung und Hintergrund

Funny Games: Kontrovs diskutierte Auseinandersetzung zum Thema Gewalt und fortschreitender Verrohung der Sehgewohnheiten.

Eine dreiköpfige Familie will einen erholsamen Urlaub im Ferienhaus am See verbringen. Die Idylle wird schon kurz nach der Ankunft von zwei in Weiß gewandeten, jungen Männern gestört. Nach kurzem Smalltalk geben sie der Familie gewalttätig zu verstehen, daß sie es auf das Leben der hilflosen Menschen abgesehen haben – nicht ohne sie zuvor mit “komischen Spielen” gefoltert zu haben.

Georg und Anna wollen gemeinsam mit Sohn Georgie ihren Urlaub in einem Ferienhaus am See verbringen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wird die traute Idylle durch zwei in Weiß gewandete Männer namens Peter und Paul empfindlich gestört. Die beiden halten sich nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf und geben der Familie sehr schnell zu verstehen, daß sie es auf das Leben der hilflosen Menschen abgesehen haben. Ihre Opfer sollen zunächst auf äußerst sadistische Weise mit “komischen Spielen” gefoltert werden.

Zwei junge Männerfoltern eine dreiköpfige Familie auf ihrem Urlaub an einem See mit “komischen Spielen”. Kontrovs diskutierte Auseinandersetzung zum Thema Gewalt und fortschreitender Verrohung der Sehgewohnheiten.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Für die einen ist es eine emotionale Höllenfahrt, für die anderen ein intellektuelles Ärgernis: Michael Hanekes didaktischer Horrorthriller “Funny Games” provoziert und spaltet sein Publikum, aber er läßt es nicht kalt. Die kompromißlose Logik, mit der Haneke seine Geschichte zum schrecklichen Ende führt, und seine inszenatorische Sorgfalt sorgen dafür, daß “Funny Games” lange Gesprächsthema bleiben wird.

    In Cannes lockte der österreichische Wettbewerbsbeitrag die Presse mit dem sorgfältig verteilten Hinweis, der Film sei womöglich zuviel für die Nerven der angereisten Journalisten. Das war er in mancherlei Hinsicht: die einen traf er mitten in den Bauch, die anderen schlug er vor den Kopf. Der Autor erreichte, was er wollte: Sein Film regt zum Nachdenken an und reizt zum Widerspruch.

    Gewalt und Medien ist das Thema, das Haneke umtreibt, zumindest seit seinem Kritikererfolg “Bennys Video”. Auf diesen leidenschaftslosen Mörder “Benny” (Arno Frisch), inzwischen herangewachsen, trifft mit den Theatergrößen Susanne Lothar und Ulrich Mühe sowie dem kleinen Stefan Clapczynski eine beispielhaft harmonische Kernfamilie, die auf dem Weg ins Sommerdomizil noch arglos und von Ernst Stankowsky beseelt klassische Melodien rät, nur um im Haus am See das Lied vom Tod zu hören. Kaum haben sich die drei in ihrer Kleinbürgeridylle eingerichtet, tauchen zwei mit der Zeit höchst verdächtige Burschen auf, in Unschulds- oder Todesengelweiß gewandet und versehen mit den beziehungsreich austauschbaren Namen Peter und Paul, die erst zynisch amüsant, dann spielerisch quälend und schließlich tödlich brutal ihre Opfer piesacken.

    Selten ist eine Familie vor laufender Kamera bzw. in ihrem Off scheinbar so grundlos, sinnlos und beiläufig sadistisch hingerichtet worden. Kein Selbstzweck, läßt der Autor wissen, sondern didaktische Notwendigkeit: Denn Haneke will seinem Publikum eine Lektion erteilen. Gedankenlos wird allenthalben Gewalt in den Medien konsumiert. Gemeint ist weniger der überlebensgroße Schrecken im Kino, in dem sich das Publikum angst- bzw. lustvoll, aber konzentriert vor den gespielten Schmerzen windet, gemeint sind die laufenden TV-Bilder, die Mord und Totschlag mit Zahnpasta- und Monatsbindenwerbung mildern. So dominiert denn auch auch ein riesiges TV-Gerät den living room der unglücklichen Familie, in der statt gelebt, gelitten und gestorben wird.

    Seine Hausaufgaben hat Haneke fast alle gemacht: Mit Hitchcock’scher Perfektion weiß er den Suspense zu steigern, läßt die Kamera mitleidlos in der Küche weilen, wenn nebenan hörbar gestorben wird. Bunt treibt er es in seinem oberlehrerhaften Eifer schon, wenn er seinen Mörder viel zu oft die geneigten Zuschauer augenzwinkernd zum Mittöten ermuntern oder wenigstens zu gewaltgeilen Voyeuren degradieren läßt. Daß er sich der gleichen spekulativen Mitteln bedient wie der gemeine Thriller, will sich Haneke nicht nachsagen lassen. Das Morden geschieht im Off sorgfältig kadrierter Bilder, sichtbar machen will er dagegen den Schmerz. Auf ihm ruht die Kamera lang und ausgiebig. In Momenten unerwünschter Identifikation hält Haneke den Zuschauer immer wieder auf Distanz: Nachdenken statt mitfühlen ist seine Devise.

    So bleibt ein Unbehagen, daß Haneke sein medienpädagogisches Anliegen mit dem Vorschlaghammer vorträgt und die Funktion der Gewalt im Film verkennt, die nicht bloß gedankenlosen Voyeurismus bedient, sondern tiefliegende Ängste optisch benennt. Kontroverses Kino, dem viel Aufmerksamkeit sicher ist, ist ihm in jedem Fall gelungen.

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