Filmhandlung und Hintergrund

Tragikomische Geschichte über einen Familienurlaub in den späten Siebzigern, in dem die Kinder den Sex entdecken und die Erwachsenen über Politik streiten. Von und mit Julie Delpy.

Sommer 1979: eine Zehnjährige reist mit ihren Eltern von Paris an die französische Atlantikküste, um mit der weit verzweigten Familie den Geburtstag der Großmutter zu feiern. Während der Clan am Wochenende sich die Zeit mit Essen, Trinken und Streiten um die Ohren schlägt, erlebt das Mädchen erste Liebe und ersten Liebeskummer. Obendrein droht der US- Satellit Skylab ausgerechnet in der Bretagne abzustürzen, was seltsamerweise niemanden so richtig beunruhigt.

Im Sommer 1979 reist eine Zehnjährige mit ihren Eltern von Paris zu einem Familienfest in die Bretagne. Tragikomische Geschichte über einen Familienurlaub in den späten Siebzigern, von und mit Julie Delpy.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Julie Delpy versorgt den deutschen Kinogänger diesen Sommer gleich mit zwei Komödien. Nach dem durchaus gelungenen und wirklich witzigen "2 Tage New York" kommt nun "Familientreffen mit Hindernissen" auf die Leinwände. Die beiden Filme haben außer Delpys Mitwirken aber nicht wirklich viel gemein. Während "2 Tage New York" zwar wirklich originell und einfallsreich war, war es dennoch ein massentauglicher Film, der auf allgemeinen Gefallen stoßen dürfte. "Familientreffen mit Hindernissen" hingegen ist ganz klar in der Riege des Independent Kinos angesiedelt und ist manchmal direkt ein bisschen anstrengend.

      Aber wenn Delpys Filme eines sind, dann authentisch. Das Familienfest im Sommer 1979 ist hier so realistisch inszeniert, dass dem Zuschauer unweigerlich eigene Kindheitserinnerungen ins Gedächtnis kommen, ob diese nun aus der gleichen Zeit stammen, oder nicht. Von der Kleidung, über die Dialoge bis hin zum Gartenmobiliar – hier ist alles realistisch umgesetzt und von Hollywood-Atmosphäre weit und breit keine Spur. Auch die Darsteller selber erinnern wenig an die Gesichter der Traumfabrik. Lou Alvarez, die die kleine Albertine spielt, erinnert eher an Abigail Breslin in "Little Miss Sunshine", als an ein gewöhnliches Hollywood Kind. Mit Babyspeck und ollen Klamotten kommt auch sie – wie der gesamte Film – äußerst wirklichkeitsnah herüber.

      Was wirklich schön ist, sind die ungezwungenen Szenen zwischen den Cousins und Cousinen, den Kindern der Familie. Ungestelzte Dialoge, zum Teil durchaus makaber anmutende Szenen, in denen die Kinder das geschlachtete Vieh untersuchen wollen und Zankereien zwischen den Kindern wirken angenehm unaffektiert und realistisch. Auch die Gespräche zwischen den Erwachsenen wirken oft, als wären sie ohne Drehbuch und eher spontan entstanden. Was ein bisschen stört ist, dass Delpy immer wieder versucht, tiefgehende Diskussionen rund um moralische und politische Gesinnungen einzubauen. Dies passt nicht wirklich in den sonst sehr leichtfüßigen Film und lässt ihre eigene Figur oft überdramatisiert und unsympathisch wirken. Hier treffen Kriegsveteran und antiautoritäre Eltern aufeinander und ein unangenehmer Streit bricht vom Zaun. Dieser findet seinen Höhepunkt dann in einer absurden Schlafzimmerszene, die auch nie ganz aufgearbeitet wird und am Ende irgendwie unstimmig wirkt. Dies ist allerdings nur ein kleines Manko. Alles in Allem überzeugt Familientreffen mit Hindernissen durch echten real-life Charme und durch eine Reihe an Figuren, die allesamt liebevoll und authentisch gezeichnet sind und angenehm ungekünstelt wirken. Natürlich ist auch Delpys Vater Albert Delpy wieder mit von der Partie und spielt diesmal einen mental angeschlagenen alten Onkel.

      Trotzdem dürfte "Familientreffen mit Hindernissen" nicht jedermanns Sache sein, denn gerade dieses Hollywood-ferne Ambiente kann durchaus auch einmal befremdlich wirken. Auch ist Albertines Angst vor dem drohenden Einschlag des Skylabs eine recht unsensible Metapher für das nahende Ende ihrer Kindheit und die Angst vor dem "Einschlagen" des Erwachsenwerdens und wird wohl nicht bei jedem Zuschauer auf Gefallen treffen. Und wer hier großes Emtotionskino á la "Melancholia" erwartet, wird eher enttäuscht werden. Das Skylab dient hier lediglich als kleine Metapher, die sich durch den Film zieht, aber nie wirklich an Bedeutung gewinnt.

      Fazit: "Familientreffen mit Hindernissen" ist ein netter und authentischer Film über Familiendynamik und Erwachsenwerden, wird wegen seiner ganz konkreten Independent-Ausrichtung aber nicht jeden Zuschauer begeistern können.
    2. Familientreffen mit Hindernissen: Tragikomische Geschichte über einen Familienurlaub in den späten Siebzigern, in dem die Kinder den Sex entdecken und die Erwachsenen über Politik streiten. Von und mit Julie Delpy.

      Französische Komödie und turbulentes Drei-Generationenporträt an einem Sommerwochenende in den späten 1970er Jahren.

      Wer es sich irgendwie erlauben kann, verbringt in Frankreich das Wochenende „à la campagne“, im Landdomizil, das auch am Meer liegen kann. Dort treffen sich Familie und Freunde, man feiert und geht sich auf die Nerven, macht nach einem Mahl auch schon mal tabula rasa, um sich das nächste Mal bestens gelaunt wieder zu treffen. Wenn wie in Julie Delpys Sommerkomödie sich ein weit verzweigter Familien-Clan von Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen zum Geburtstag der Großmutter in deren Häuschen in der Bretagne trifft, ahnt man, dass die Wiedersehensfreude nur von kurzer Dauer sein kann.

      Auf einer Zugfahrt mit gestresstem Ehemann und nölenden Kindern erinnert sich Albertine (Karin Viard) an ein Wochenende von 1979, als sie mit ihren Eltern (Julie Delpy, Eric Elmosnino) an die bretonische Küste reiste und erlebt in einer Rückblende noch einmal die Tage, an denen sich die Erwachsenen die Zeit mit Essen, Trinken und Streiten um die Ohren schlugen und sie - gerade mal zehn Jahre alt - erste Liebe und ersten Liebeskummer erlebte. Aus ihrer persönlichen Perspektive erzählt der Film von sozialem und politischem Brennstoff, von Tabus, die die einen mit Lust brechen, von konventionellen Denkweisen, an denen die anderen sich festklammern. Linke und rechte Ideologien prallen aufeinander, je mehr Wein fließt, um so höher schlagen die Wellen der Emotion ob über die Folgen des Algerienkriegs oder der sexuellen Revolution.

      Delpy geht es nicht um Feinheiten wie in Louis Malles heiter-melancholischer Gesellschaftskomödie über das Jahr 1968 „Eine Komödie im Mai“ (1990) oder Claude Sautets subtilem Gruppenporträt „Vincent, François, Paul und die anderen“ (1974), sondern mehr um die kleine Gemeinheiten in einer Großfamilie, deren Mitglieder bei ihrer exzessiven französischen Debattierlust kein Blatt vor den Mund nehmen und weder vor Ehebruch-Geschichten noch schmutzigen Familiengeheimnissen Halt machen, ohne jedoch wie in Thomas Vinterbergs „Das Fest“ zu tief zu graben und zu verletzen. Sie belässt es bei einer charmanten, manchmal etwas süß und nostalgisch wirkenden Sommerkomödie, die punktgenaue Erinnerungen weckt an einstige modische Sünden wie gelockte Haaren, geschmacklose Shorts oder gemusterte Hemden. Und ganz nebenbei auch an den US-Satelliten Skylab, der ausgerechnet auf die Bretagne abzustürzen droht, was aus der kleinen Albertine aber niemanden so richtig beunruhigt. mk.

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