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Fakten und Hintergründe zum Film "Falco - Verdammt wir leben noch!"

Kino.de Redaktion |

Falco - Verdammt, wir leben noch! Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Statements zu…

… Die Idee zum Film…

Die Idee oder der Gedanke zu diesem Film kam mir zum ersten Mal, so unpathetisch das klingen mag, unmittelbar nach dem Tod von Falco. Ich war der Meinung, dass sein Leben und seine außergewöhnliche Stellung als österreichischer Pop-Künstler sich sehr gut dramatisieren lassen.

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… Erster Kontakt mit Falco…

Ich bin Falco das erste Mal als jugendlicher Ö3-Reporter auf der Graz Tournee ’85 begegnet. Ich habe dort beim Soundcheck unerlaubterweise Aufnahmen gemacht. Er hat das von der Bühne aus gesehen, den Soundcheck abgebrochen und mich nach hinten gebeten, um meinen Mitschnitt vorzuführen. Sehr unangenehm. Am Ende war er zu meiner großen Überraschung damit einverstanden, dass ich das Material sende. Später bin ich ihm noch ein paar Mal begegnet, aber ich kann natürlich nicht sagen, dass ich ihn tatsächlich gekannt habe. Ich habe Mitte der 90er einen Konzertfilm gedreht, bei dem er auftrat. Das war unser engster Kontakt.

…Falco-Fan…

Ich war kein Falco-Fan im herkömmlichen Sinn, aber die Persönlichkeit Falco oder Hans Hölzel hat mich fasziniert. Seine Arroganz und sein Umgang mit der Öffentlichkeit haben mich beeindruckt. Dass er sich um seine Akzeptanz nicht weiter gekümmert hat oder vielmehr nach außen hin den Schein gewahrt hat, er sei unzerbrechlich, das hat mir sehr imponiert.

…Falco oder Hans Hölzel…

Ich glaube, dass er nach außen hin schon diese Kunstfigur Falco vertreten hat. Irgendwann sind zwischen dem Hans Hölzel und seinem alter ego Falco die Grenzen verschwommen. Aus den beiden Charakteren entstand eine dritte Persönlichkeit.

…Die Geschichte – Fiktion oder Realität…

Der Film basiert zwar auf biografischen Fakten, ist aber dennoch reine Fiktion. Ich habe versucht die biografischen Punkte, die mir dramaturgisch in Falcos Leben relevant erschienen, in ein Drehbuch einzuflechten. Durch die Beschäftigung mit ihm, durch die Gespräche mit seinen Freunden, seinen Managern, und im Zuge der ganzen Recherchen, die im Vorfeld zu dem Drehbuch stattgefunden haben, hat sich für mich eine Persönlichkeit herauskristallisiert. Diese Persönlichkeit wollte ich darstellen oder die soll der Film wahrhaftig abbilden. Manches ist dramatisiert, manches ist rein fiktiv.

… Originalpersonen…

Es kommen im Film natürlich Personen vor, die real existieren. Aber ich habe nicht versucht, ein Abbild dieser Figuren zu schaffen. Der Film konzentriert sich auf Falco, den wollte ich darstellen. Seine Einflüsse und seine Beeinflussung wollen wir zeigen. Man sollte sich jetzt also nicht hinsetzen und danach suchen, wie gut ist jetzt der Markus Spiegel charakterisiert oder wie real ist der Horst Bork getroffen. Die Figuren haben im Film eine dramaturgische Funktion, der wir die Charaktere untergeordnet haben.

… Diffamierung im Film…

Ich glaube nicht, dass irgendjemandes Ansehen durch den Film beschädigt wird. Dass Falco gelegentlich Bordelle aufgesucht hat, dass er dem Alkohol zusprach und dass es auch Phasen gab, in denen Drogen sein ständiger Begleiter waren, ist ja allseits bekannt. Es war bei vielen Gesprächen oft schwierig voran zu kommen, weil manche der Befragten sich ja in Erzählungen von Exzessen nur so ergangen sind. Das hat mich nur sehr vordergründig interessiert, und ich kann ruhigsten Gewissens sagen, ich habe in meiner Arbeit der Wahrheit bestimmt nichts Diffamierendes hinzugefügt. Manches mag ich drastischer gemacht haben, manches habe ich erfunden. Etwa, dass Billy Filanowski und Hans Hölzel sich schon in ihrer Kindheit kennen lernen. Aber ohne diese Freiheiten könnte man so ein Drehbuch ja gar nicht schreiben. Ich behaupte aber, dass wir mit allen Figuren sehr behutsam umgegangen sind.

… Billy Filanowski…

Billy Filanowski ist der positive Gegenpol zu den Abgründen von Falco. Sein Antrieb ist die Freundschaft zu Hans Hölzel. Er sieht, wenn es Falco schlecht geht, will mit ihm Sport treiben, wenn Falco sich gehen lässt und versucht eine Bremse im Umgang mit Alkohol und Drogen zu sein. Der Billy ist eine Figur, die wahrscheinlich auch in seinem wahren Leben eine solche Position in „Falcos Welt“ einnahm. Ein mühevolles Unterfangen.

… Gattin Jacqueline…

Für mich ist diese Jacky EINE Frau oder DIE Frauenfigur im Leben von Falco. Es hat mich nicht interessiert, jeder Beziehung oder der chronologischen Abfolge von Geliebten im Leben Falcos nach zu gehen – ich bin ja zum Glück kein Biografienschreiber, um Gottes Willen. Ich denke, das Frauenbild, das Falco gehabt hat, ist relativ klar und ich fand es tiefergehend sein Beziehungsleben in - mehr oder weniger - einer Figur zusammen zu fassen. Diese Figur heißt Jacky.

… Markus Spiegel, Horst Bork…

Ich glaube, dass seine beiden Manager Markus Spiegel und Horst Bork auf Falcos Karriere sehr viel Einfluss hatten. Die beiden haben sicherlich mit großem Geschick und großer Erfahrung einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg Falcos geleistet - genauso wie die Bolland Brüder oder wie Robert Ponger.

… Musikaufnahmen, Bolland Brüder…

Rob Bolland hat immer gesagt, dass zwar die Songs von ihm und seinem Bruder Ferdi gemacht und produziert wurden, aber wenn Falco ins Studio in Hilversum bei Amsterdam gekommen ist, hat er die Aufnahmen „falconized“. Das hat die Songs schließlich ausgemacht. Einmal, als ich mit Manuel vor Ort war, hat Rob im Studio alle Lichter abgedreht, bis auf eine kleine Schreibtischlampe über dem Mischpult. Es war finster und der in die Jahre gekommene Aufnahmeraum lag schwarz hinter der Glasscheibe. Man habe die ganze Nacht lang immer nur die Glut von Falcos Zigarette durch die Scheibe gesehen, hat Rob erzählt, um uns die Mystik der Aufnahmen in den 80ern nahe zu bringen. Ich konnte mir das herrlich vorstellen. Schön war das.

… Songtexte…

Ich glaube schon, dass es Einflüsse aus seinem Leben in seinen Stücken gibt. Das hört man auch aus seinen Texten sehr stark heraus. Im Film sagt Falco, dass er sein ganzes Leben auf seinem ersten Album festgehalten hat. Ich denke, da ist etwas Wahres dran. Für sein damaliges Alter von 24 Jahren war er schon ziemlich weit, finde ich.

… Lieblingslied von Falco…

Es ist seltsam, dass sich das immer wieder durch die Beschäftigung mit ihm verändert. Manuel und ich haben manchmal Phasen gehabt, wo wir plötzlich die gleichen Nummern ganz toll gefunden haben - das änderte sich dann wieder. „Jeanny“ ist eine sehr gute Nummer, die auch sehr geschickt vermarktet wurde. „Amerika“ ist ein guter Song, „Auf der Flucht“ mag ich auch sehr gerne. Ich finde eigentlich auf fast jedem Falco-Album Dinge, die heute noch sehr cool sind. Manche Sprüche oder Textzeilen sind einfach unschlagbar.

… Arbeit am Set…

Ich komme aufs Set und erkläre sehr genau was ich möchte. Ich sage die Kamerapositionen an, meist auch schon die Brennweite. Ich überlege mir vorher sehr detailliert, wie ich alles drehen möchte. Während die Technik aufbaut, ziehe ich mich dann irgendwo mit den Darstellern in eine Ecke zurück und wir proben. Wenn wir uns dann aufs Set begeben, sind wir eigentlich schon nach zwei / drei Kamera- Proben drehbereit, weil alle Dinge klar vorgearbeitet sind. Dadurch behalten die Takes lange etwas Frisches und Neues. Mir macht die Arbeit mit den Schauspielern sehr viel Spaß. Wir haben einen sehr jungen Cast mit zum Teil recht unerfahrenen Darstellern. Ich bin sehr stolz und glücklich, was sie alle bereit sind zu geben und aus sich herausholen.

… Aufwand im Film…

So einen aufwändigen Film wie diesen habe ich bisher noch nicht gemacht. Es ist ein historischer Film. Wir wollen ungern über irgendeinen „Fehler“ stolpern, irgendein Auto, das es etwa 1984 noch gar nicht gegeben hat. Ein Beispiel: alleine die Figur Falco hat 77 Umzüge in diesem Film, das sind also 77 verschiedene Kostüme. Bei einem „normalen“ Film sind es vielleicht zehn für eine Hauptrolle. Es erforderte sehr viel Aufwand und den Einsatz von vielen Mitarbeitern, um so einen Film oder meine Vorstellungen auf die Leinwand zu bringen.

… Originaldrehorte…

Ich fand es gut und interessant für unser Projekt, in der Originalwohnung von Falco, in der Schottenfeldgasse, zu drehen. Klar ist diese inzwischen vermietet und verändert, aber dass man tatsächlich Szenen in der Wohnung dreht, wo Falco auch wirklich gelebt hat, finde ich gut. Da ist auch eine gewisse Authentizität spürbar. Das gleiche gilt natürlich auch für die Dominikanische Republik. Es war für mich ein seltsamer Moment, an dem Ort zu stehen, wo der Unfall passiert ist. Das sind auch für den Film gute und wichtige Szenen geworden, die unserer Arbeit Wahrhaftigkeit geben.

… Mondscheiner im Film…

Ich finde, dass das eigentlich sehr gut funktioniert hat. Sie gehen glaubwürdig als Musiker in verschiedenen Formationen durch. Man muss an dieser Stelle natürlich auch sagen, dass bei den ganzen Musiksequenzen das Hauptaugenmerk auf Falco liegt. Ich habe nicht versucht, den Bandcharakter herauszuarbeiten. Ich fand es gut, weil ich mir auch dachte, das gibt dem Manuel eine gewisse Sicherheit, wenn er seine Bandjungs auf der Bühne hat - überhaupt in großen Szenen, wo er etwa als „Falco live“ überzeugen muss. Und es gibt den praktischen Nebeneffekt: Man hat Musiker im Film, die wissen, wie man ein Instrument beherrscht und die es gewohnt sind, vor Publikum auf der Bühne zu stehen.

… Konzertszenen…

Konzertszenen sind Drehtage, die sehr viel Geld kosten. Alles, was dort nicht funktioniert ist doppelt bitter. Solche Tage leben davon, dass sie gut vorgedacht und vorbereitet sind. Es ist nichts Alltägliches, auf ein Set zu gehen, wo 400 Komparsen warten, das kommt nicht besonders oft vor. Es ist natürlich auch eine verantwortungsvolle Arbeit. Man muss das alles aber auch völlig wegdenken können. Den Aufwand und die Kosten. Das ist eine Erfahrungssache: Wenn man eine Explosion zum ersten Mal dreht, hat man eine enorm hohe Adrenalinausschüttung. Beim dritten Mal ist es dann aufregender, im richtigen Moment richtig zu fotografieren.

… Musikvideos…

Bei den Musikvideos waren natürlich die Vorlagen der DoRo-Filme sehr präsent. Ich glaube auch, dass viele Falco-Fans diese Clips gegenwärtig haben. Das ist ja x-fach auf DVDs und Fernsehdokumentationen verwertet worden. Ich wollte nichts Neues erfinden, weil ich glaube, dass ein echter Falco-Fan - und der wird sich unseren Film vermutlich ansehen wollen - eine gewisse Erwartungshaltung hat. Wir haben die Videos nicht 1:1 nachgedreht, vielmehr haben wir das optische Konzept und die Idee der Videoclips übernommen und an unseren Film und unsere Art der Fotografie angepasst.

Über Falco…

Am 19.2.1957 kam Johann „Hans“ Hölzel als einzig Überlebender von Drillingen in Wien zur Welt. Schon früh zeigte sich bei dem jungen Hans eine musikalische Begabung, bereits zu seinem vierten Geburtstag wünschte er sich eine Ziehharmonika. Doch auf Anraten einer Musiklehrerin schenkten ihm seine Eltern einen Stutzflügel und meldeten ihn bei der Musikpädagogin Dr. Bodem zum Klavierunterricht an. Obwohl er keine einzige Note kannte, spielte er mit fünf Jahren bereits an die 30 Schlager zweihändig, Stücke aus dem Radio spielte er „nach Gehör“ nach. Im September 1963 trat Hans in die Volksschule der Piaristen, eine angesehene katholische Privatschule, ein. Bei der Weihnachtsfeier im selben Jahr spielte Hans erstmals vor größerem Publikum. Sein „Donauwalzer“ wurde mit frenetischem Applaus belohnt. In der ganzen Schule sprach man vom Wunderkind. Einer seiner damaligen Schulkollegen erinnert sich: „Wenn der Hans gefragt wurde, was er denn einmal werden wolle, sagte er: ,Popstar!' Er sagte nicht ,Musiker', sondern ,Popstar'.“

Ab 1967 besuchte er das Rainer-Gymnasium in Wien. Wenig später verließ Vater Alois Hölzel die Familie, so dass Hölzel unter der Obhut seiner Mutter und Großmutter aufwuchs. Unter der Trennung seiner Eltern und dem Tod seiner Großmutter 1971 litt er sehr, auch wenn er sich dies nicht anmerken ließ. 1973 verließ Hans die Schule und begann auf Drängen seiner Mutter eine Lehre zum Bürokaufmann bei der österreichischen Pensionsversicherungsanstalt für Angestellte, die er aber nach kurzer Zeit wieder abbrach und sich, weil er nicht wusste, wie es beruflich weitergehen sollte, freiwillig zum österreichischen Bundesheer meldete. Nach seiner Zeit dort besuchte er drei Semester lang das Wiener Jazz- Konservatorium, eher seiner Mutter zu Gefallen. Dort festigt sich seine Meinung Profi-Musiker zu werden.

Bereits zuvor hatte er mit Freunden im Alter von 17 Jahren die Band Umspannwerk gegründet, in der er als Bassist spielte. Inspiriert von der Punk-Bewegung Ende der Siebziger, zog er nach Berlin, um in der dortigen Musikszene Fuß zu fassen. Er kehrte aber schon bald nach Wien zurück und trat der Hallucination Company um den Wiener Szene-Papst Adam Wickerl bei. 1978 ging die Hallucination Company erstmals auf Tour. In München war die Show „Halluzinationen“ die Sensation, ausverkauft bis auf den letzten Platz. Hier war es auch, wo aus Hans Hölzel FALCO wurde. Er schnitt sein Haar kurz, trug nur noch stylische Anzüge und eine dunkle Brille. Auf den Künstlernamen „Falco“ kam Hans, weil ihn der zu dieser Zeit erfolgreiche ostdeutsche Skispringer Falko Weißpflog sehr imponierte. Aus dem „k“ machte er ein „c“, weil sich das international besser vermarkten läßt. Auch bei der legendären „Anarcho-Combo“ Drahdiwaberl und der Band Spinning Wheel spielte er in der Folgezeit Bass. 1980 begann Falcos steile Karriere: Seine selbst komponierte Nummer „Ganz Wien“, ein spöttisches Werk über die harte Drogenszene dort, wurde auf Live-Konzerten mit Drahdiwaberl zum Kulthit der New-Wave-Szene Wiens und stand schnell in Österreich auf dem Index. Seine Auftritte in den Wiener Sophiensälen blieben nicht unbeachtet: Markus Spiegel, der Chef des Wiener Kleinlabels GIG Records schloss mit Falco einen Vertrag als Solokünstler über drei LPs ab und brachte ihn mit dem Musikproduzenten und Soundmixer Robert Ponger zusammen.

Im Herbst 1981 kam die Single „Der Kommissar“ auf den Markt. Im November 1981 ist Falco mit seinem „Kommissar“ Nummer 1 in Österreich, zwei Monate später auch in Deutschland. Die Plattenverkäufe explodieren: Nummer 1 in fast ganz Europa, in Kanada wird die Single vergoldet, in der deutschsprachigen Fassung erreicht der Hit immerhin Platz 72 der amerikanischen Billboard-Charts, in der englischsprachigen Coverversion von After The Fire Platz 3. Durch den New Yorker Star-DJ Afrika Bambaataa, der wesentliche Starthilfe für Falco in den USA leistete, wird „Der Kommissar“ in amerikanischen Clubs zum Szene-Hit. Sogar in Guatemala führt der Song die Hitparade an. Der Hit ist auf der ganzen Welt zu hören. Weltweit wurden über 7 Millionen Einheiten des „Kommissars“ abgesetzt, der schon die künstlerische Richtung vorgibt, in die Falco sich bewegt: Polarisierende Texte, vorgetragen in einer Kunstsprache aus Hochdeutsch, Wienerisch und Englisch, die ihm den Ruf des „ersten weißen Rappers“ einbringen.

In der Folgezeit trennt er sich von seinem alten Produzenten und wechselt auf Vermittlung des Musikmanagers Horst Bork zum holländischen Produzenten- Brüderpaar Rob und Ferdi Bolland. Zu dieser Zeit erschienen nicht nur einige Mozart- kritische Bücher, sondern es kam der mit mehreren Oscars ausgezeichnete Film „Amadeus“ von Milos Forman in die Kinos.

Das inspirierte die Gebrüder Bolland dazu, das Leben Mozarts in einem Popsong zu verarbeiten: Das Ergebnis war „Rock me Amadeus“, ein Song, der alle bisherigen Grenzen der deutschen Popmusik sprengen und völlig neue Maßstäbe setzen sollte. Als Falco das Playback zum ersten Mal hörte, war ihm klar, daß er die richtigen Produzenten gefunden hatte. Sein drittes Album, das wesentlich kommerzieller und poppiger war als seine Vorgänger, schaffte Falco endgültig den internationalen Durchbruch.

Bereits im Mai 1985 wurde „Rock me Amadeus“ als Single ausgekoppelt und stürmte sofort nach Veröffentlichung an Platz 1 der österreichischen Hitparade, zwei Wochen später wurde er Spitzenreiter der deutschen Hitparade. Die bildhafte Umsetzung des Popsongs „Rock me Amadeus“ kreierten die Videoproduzenten Rudi Dolezal und Hannes Rossacher. Gemeinsam mit ihnen entwickelte Falco eine ihm eigene Bildsprache, wodurch er der erste europäische Popmusiker wurde, der die Zeichen der internationalen Videoclipkultur für sich zu nutzen wusste und sie weltweit mit prägte.

Im Sommer 1985 wurde Falco von der Popgruppe Opus eingeladen, an einem Open Air im Grazer Stadion Liebenau mitzuwirken. Am Vorabend des Konzertes ging er mit ein paar Freunden in ein Grazer Café, wo er seine spätere Frau Isabella Vitkovic (im Film heisst sie Jacqueline) kennen lernte. Er war sofort Hals über Kopf in sie verliebt. Sie entsprach genau seinem Idealtypus von Frau, wie er immer wieder ironisch meinte: groß, blond und tuberkulös. Isabella stammt aus bürgerlichen Verhältnissen und war damals noch mit einem um 19 Jahre älteren Mann verheiratet, wusste aber, dass sie in dieser Beziehung nicht mehr weiterleben konnte. Hans bat sie, zu ihm nach Wien zu ziehen, kurze Zeit später erzählt ihm Isabella, sie sei schwanger. Am 13. März 1986 kam seine Tochter Katharina Bianca (heisst im Film Carolina-Tanja) zur Welt.

Die Doppelrolle des Familienvaters einerseits und die des Weltstars andererseits führten zu Spannungen zwischen Isabella und Falco, die der Popstar mit Alkohol, Drogen und Tabletten kompensierte. Hans Hölzel, der aus kleinen Verhältnissen stammte, hatte große Schwierigkeiten, seinen Reichtum zu verkraften. Falcos erster Vertrag mit GIG Records lief mit dem Album „Falco 3“ aus. Falco unterschrieb daraufhin bei der deutschen Firma Teldec einen Vertrag über drei Studio-LPs und einer Live-LP, weil eine große Firma Falcos Interessen weltweit besser wahrnehmen konnte. Markus Spiegel wurde Lizenznehmer in Österreich. Der neue Vertrag Falcos zählt zu den höchstdotierten, die je mit einem deutsch-sprachigen Künstler abgeschlossen wurde.

Im Frühsommer des Jahres 1986 machte Falco einen kurzen Ausflug ins Filmgeschäft und übernahm eine kleine Rolle in der Filmkomödie „Geld oder Leber“ mit Mike Krüger und Ursela Monn in den Hauptrollen. Es waren noch weitere Filmprojekte mit Falco geplant, jedoch konnten seine schauspielerischen Qualitäten nicht überzeugen, weshalb man weitere Pläne in diese Richtung fallen ließ. Im Sommer 1986 ging er auf Festspieltournee, bei der er Pop und Klassik miteinander kombinierte, in dem er in seine Konzerte einen Auftritt eines Ensembles des Tanztheaters Wien einbaute, das zur Musik von Tschaikowsky eine rund zehnminütige Tanzshow bot. Höhepunkt dieser Konzertreise war der Open-Air-Auftritt vor 20.000 Fans am Salzburger Domplatz.

Im Jahr 1987 zog sich Falco von der Öffentlichkeit weitgehend zurück. Er brauchte Zeit, um seine innere Balance wieder zu finden. Er kaufte für sich und seine Familie ein Jugendstilvilla auf dem Lande, rund eine Stunde von Wien entfernt. Ende 1987 meldete sich Falco mit der Single „Body next to Body“, die der gebürtige Südtiroler Giorgio Moroder produzierte, bei seinen Fans zurück. Falco nahm diesen Song gemeinsam mit der Dänin Brigitte Nielsen auf. Doch die Platte floppte. 1988 erschien, wieder unter der Mitwirkung der Bolland-Brüder, das Album „Wiener Blut“ - die Verkaufszahlen blieben jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Die geplante Europatournee musste mangels Publikumsinteresse abgesagt werden.

Am 17. Juni 1988 heiratete Hans Hölzel Isabella Vitkovic heimlich in Las Vegas. Nicht einmal die wichtigste Frau in seinem Leben, seine Mutter, wusste davon. Im November 1988 war Falco physisch wie psychisch völlig am Boden: seine Karriere schien zu Ende und seine Ehe stand kurz vor dem Ende – er bricht aus und tritt eine „Flucht“ rund um den Erdball an. Viereinhalb Monate lang wusste niemand, wo er sich befand. Er wollte sein Leben neu positionieren, wieder in die richtigen Bahnen lenken. Nach seiner Rückkehr setzte Hans Hölzel einen Schlusspunkt, packte 3,8 Millionen Schilling in einen schwarzen Koffer, fuhr nach Graz und stellte seiner Ehefrau die alles entscheidende Frage: „Geld oder Ehe?“ 1989 folgte die einvernehmliche Scheidung.

In der Folgezeit konzentrierte sich Falco wieder mehr auf seine Musikkarriere und versuchte mit dem Produzenten seiner ersten beiden Alben, Robert Ponger, und einigen deutschen und österreichischen Studio- und Gastmusikern im ablaufenden Jahr 1989 einen Comebackversuch: 1990 erschien „Data de Groove“, das allerdings kaum Erfolg hatte. 1992 erschien das Album Nachtflug, das sich deutlich besser verkaufte. Davon beflügelt, ging Falco im Mai 1993 wieder auf Europa-Tournee. 1995 veröffentlichte Falco die Single „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“, eine Techno- Version eines Alt-Berliner Gassenhauers aus den 1920er Jahren. Dafür wählt er das Pseudonym T>>MA, um so dem Druck einer neuen Falco-Single zu entgehen. Ein halbes Jahr später erklomm der Titel die Charts und bescherte Falco unverhofft einen neuen Achtungserfolg.

Im Sommer 1996 wurde die Dance-Nummer „Naked“ (unter Falco feat. T>>MB) veröffentlicht, die die Erfolgsaussichten des geplanten neuen Albums Egoisten (so der ursprüngliche Titel von „Out Of The Dark“) lancieren sollte. Während die Single in Österreich bis auf Platz 4 kam, wurden in Deutschland nicht einmal 50.000 Exemplare verkauft. Dieser Misserfolg führte dazu, dass Falco seine Ideen für das neue Album verwarf und dessen Veröffentlichung auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Naked sollte die letzte Veröffentlichung zu Falcos Lebzeiten sein. Hans Hölzel, der Sonne, Palmen und das Meer liebte und die kalten Winter in Österreich hasste, begann im Frühjahr 1996, seinen Wohnsitz in die Dominikanische Republik zu verlegen. Es waren aber hauptsächlich die damit verbundenen Steuererleichterungen, die ihn zu diesem Schritt bewogen.

Zu Silvester 1997/98 hatte Falco seinen letzten offiziellen Live-Auftritt in der Excalibur City (unter den vorgetragenen „Songs Out Of The Dark“, „Push Push“, Kommissar 2000). Anfang 1998 flog Falco nach der gemeinsamen Weihnachtsfeier mit seiner Mutter zurück in seine karibische Wahlheimat, wo er am 6. Februar 1998 gegen 16.40 Uhr Ortszeit bei einem Autounfall verstarb. Bei der Obduktion wurden ein Blutalkoholwert von 1,5 ‰ und große Mengen an Kokain sowie Marihuana nachgewiesen. Es kam das Gerücht auf, Falco hätte sich selbst das Leben genommen. Dies lag in erster Linie an der entsprechend interpretierten Textzeile „Muss ich denn sterben, um zu leben?“ aus dem Titel „Out Of The Dark“; allerdings entstand das Lied bereits einige Jahre vor Falcos Tod.

Nach der Überführung seines Leichnams nach Österreich wurde Falco im Beisein von über 6.000 Fans auf dem Wiener Zentralfriedhof beerdigt. Sein Sarg wurde von Mitgliedern der Wiener Motorrad-Rocker „Outsider Austria“ (diese hatten 1985 im Video zu Rock Me Amadeus mitgespielt) zu Grabe getragen. Wenige Wochen nach Falcos Tod wurde das Album „Out Of The Dark (Into The Light)“ veröffentlicht und entwickelte sich zu einem großen kommerziellen Erfolg. Das Album stieg in Österreich auf Platz 1 ein und blieb drei Monate lang in den Charts; in Deutschland hielt es sich fast ein Jahr in den Top 100. Das Album verkaufte sich allein in Deutschland und Österreich zwei Millionen Mal, die gleichnamige Single über 3,5 Millionen Mal. Es folgten noch weitere posthume Veröffentlichungen, darunter das Album „Verdammt, wir leben noch“ mit bisher unveröffentlichten Titeln.

2000 kam im Wiener Ronacher die Multimediashow „F@lco – A Cyber Show“ von Joshua Sobol mit Andre Eisermann, Hansi Lang, Roman Gregory, Georgij Makazaria von Stahlhammer in der Regie von Paulus Manker und unter der musikalischen Leitung von Falcos Bandleader Thomas Rabitsch zur Uraufführung, in der das Leben Falcos als Kampf gegen ein mächtiges Über-Ich paraphrasiert wurde. Die Bühne war in Form des @-Symbols in den Zuschauerraum hineingebaut und präsentierte die Figur Falcos mit Hilfe von Laser, 3D-Animationen und Wasserleinwand im Stil eines spektakulären interaktiven Rockkonzertes. Am 24. September 2000 wurde das Musical „Falco meets Amadeus (FMA)“ im Berliner Theater des Westens uraufgeführt.

Am 6. April 2006 debütierte das Musical im Düsseldorfer Capitol-Theater. Aus Anlass des 50. Geburtstags von Falco wurde die Doppel-CD und die gleichnamige DVD „Hoch wie nie“ veröffentlicht, welche in kürzester Zeit Doppelplatinstatus erreichte und in den österreichischen Jahrescharts den 1. Platz belegen konnte.

Anlässlich des 10. Todestages Falcos erschienen am 1. Februar 2008 eine CD sowie eine DVD mit dem Titel „Symphonic“, welche aus einem Mitschnitt seines einzigen Konzerts mit einem Orchester 1994 in Wiener Neustadt entstanden ist. Außerdem wurde noch eine weitere Limited Edition der CD „Hoch wie nie“ veröffentlicht.

Thomas Roth über die Musik im Film

Ich habe von Anfang an einen Darsteller gesucht, der selbst singen kann. Es war mir völlig unvorstellbar, wenn zwischen den Musikstücken Manuel den Falco spielt und man hört dann den Original-Falco die Songs singen. Man muss vom ersten Moment an diese Figur glauben, an Manuel glauben. Ich wollte daher beim Sound und beim Konzept des Originals, des „echten“ Falco bleiben. Ich wollte also nicht, dass das, was raus kommt, vom Stil her nach „produziert 2007“ klingt. Deshalb war die Überlegung nahe liegend, die Originalproduzenten von Falco mit unserem Darsteller zusammen zu bringen. Was auch - wie sehr Vieles bei diesem Film nach einigem Hin und Her und großen Mühen - letztendlich gelungen ist. Es ist sehr gut geworden. Manuel hat sich bei den beiden Bollands gut aufgehoben gefühlt, und ich bin mit dem Resultat sehr zufrieden.

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