Filmhandlung und Hintergrund

Spannendes Jugenddrama mit realistischem Hintergrund.

Der Mittzwanziger Alex steht vor der Wahl: Wegen schwerer Sachbeschädigung und Körperverletzung muss er zwei Jahre Gefängnishaft absitzen oder für 120 Tage an einem neuartigen Resozialisierungsprojekt teilnehmen, das von einem sendungsbewussten Staatssekretär initiiert wurde. Was auf den ersten Blick als leichte Entscheidung anmutet, entpuppt sich in der Realität dieser deutschen Bootcamp-Variante als Ausflug in die physische und psychische Hölle. Unter den wachsamen Augen der Psychologin Britta Seidel und dem gnadenlosen Drill des militärischen Projektleiters Hartmut Röber absolviert Alex die härtesten vier Monate seines Lebens, wobei er auch privaten Ärger verkraften muss.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Experiment Bootcamp: Spannendes Jugenddrama mit realistischem Hintergrund.

    Die einzige inhaltliche Negativkritik, die man an der ebenfalls vom Regisseur geschriebenen Buchfassung von „Experiment Bootcamp“ machen kann, ist die vordergründig unlogische Verbindung, dass zwar die geschilderten martialischen „Erziehungs“-Praktiken die Aggressivität der Häftlingen eher verstärken, dass aber ausgerechnet dem jungen „Helden“ Alex dieses Erlebnis zu innerer Stärke und Ruhe verhilft. Doch diese Antithetik bedeutet die eigentliche Stärke dieses TV-Dramas, das sich wohltuend zurückhaltend über die seit den achtziger Jahren (wieder) in den USA praktizierten Resozialisierungsmaßnahme auslässt. Der gesellschaftspolitische Diskurs, auch bei uns angesichts steigender (Jugend-)Kriminalität zu drastischeren Strafmaßnahmen zu greifen, ist hierbei der genuine Aufhänger.

    Dabei warten Regisseur Andreas Linke und sein Produzent Sascha Schwingel nicht mit dem moralinsauren Zeigefinger, sondern mit einer tüchtigen Portion Action auf: Gleich in der Anfangssequenz rast Alex mit einem Auto in jenes Bankgebäude, in dem sein Vater beschäftigt ist. Dieser labile Angestellte terrorisiert Alex‘ Mutter und kleine Schwester, und so ist klar, dass das vordergründige Rabaukentum eine harsche Antwort auf eine bereits vorempfundene private Aggression darstellt. Dass ferner zwei Jahre Haft contra vier Monate „Lager“ für unruhige Sträflinge weniger als Chance zum Neuanfang denn eher als Schnelldurchlauf in die Freiheit gesehen werden kann, hat daher weniger mit warmherziger Pädagogik denn mit klarem machtpolitischem Strebertum zu tun. Linke und Schwingel zeigen auf, dass sich neben der Politik aber auch die vermeintlich neutralen Dienststellen der Exekutive (in Gestalt des Projektleiters Hartmut Röber alias Paul Fassnacht und der Psychologin Britta Seidel alias Natalia Wörner) mitschuldig machen an tödlichen Unfällen der Häftlinge und der gesteigerten Aggression seitens des Wachpersonals.

    Inszeniert wurde diese Lager-Geschichte trotz aller Härten angenehm fließend und elegant, beginnend mit dem erwähnten Autocrash, später mit sehr viel Schlamm und noch mehr Kasernenhofschreierei. Der Kampf der Häftlinge gegen die brutalen Drill-Vorschriften und den sogenannten inneren Schweinehund kontrastieren dabei mit den Auseinandersetzungen zwischen der Psychologin und dem Projektleiter, die beide wiederum gegen einen verkopften Politiker opponieren. In herausragenden Rollen gefallen neben den Hauptakteuren vor allem die starken Persönlichkeiten Erhan Emre, Jacob Matschenz und Aaron Hildebrand, von deren Spiel man gerne mehr gesehen hätte.

    Fazit: Auch wenn „Experiment Bootcamp“ sich mit preisgekrönten Fallstudien wie „Brubaker“ oder „Das Experiment“ nur entfernt messen kann, ist dem - im Übrigen an der Filmakademie Baden-Württemberg groß gewordenen - Team Andreas Linke, Sascha Schwingel und Stefan Unterberger (Kamera) ein hoch engagiertes Stück TV-Movie gelungen, das zum Mitzittern und - zum Nachdenken anregt. aw.

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