Filmhandlung und Hintergrund

Dokumentation über die Suche einer Frau nach den Ursachen des Todes ihres Bruders, der vor Jahren in seine alte Heimat Estland verschwunden ist.

Einst gab Klaus Tiedemann, Spross einer vertriebenen preußischen Arztfamilie aus Neu-Ulm, seine bürgerlich-gesicherte Existenz im Westen auf, um einen Neuanfang unter einfachsten Aussteigerbedingungen zu wagen. Ziel seiner Reise war der frisch aus sowjetischer Zwangsgemeinschaft befreite baltische Staat Estland. Nun folgt seine Schwester, die Filmemacherin Sibylle Tiedemann, seinen Spuren, um Licht in die immer noch dunklen Umstände seines Todes im Jahr 1996 zu bringen.

Eine für Zentraleuropa nicht unbedingt untypische Familiengeschichte, ein Reise-Videotagebuch und geschwisterliche Trauerarbeit gehen Hand in Hand in diesem melancholischen, sehr persönlichen Dokumentarfilm.

Filmemacherin Sibylle Tiedemann verfolgt die Spuren ihres Bruders, der vor Jahren sein bürgerliches Leben aufgegeben hatte und ins Baltikum aufgebrochen war, auf der Suche nach den Wurzeln seiner Heimatvertriebenen-Familie. 1996 starb er in Estland unter bizarren Umständen. Seine Schwester will die Ursachen seines Todes herausfinden.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Estland - Mon Amour: Dokumentation über die Suche einer Frau nach den Ursachen des Todes ihres Bruders, der vor Jahren in seine alte Heimat Estland verschwunden ist.

    Erinnerungs- und Trauerarbeit und Porträt eines Fischerdorfes im Nordosten von Estland gehen in Sibylle Tiedemanns sehr persönlichem Film ineinander über. Die durch „Kinderland ist abgebrannt“ (1998) bekannte Dokumentarfilmerin geht betroffen, bewegt und beklommen den Spuren ihres zwei Jahre jüngeren Bruders Klaus nach, dessen Todesnachricht sie im Juli 1996 erhält. Sibylle reist nach Tallin, um die Formalitäten zu erledigen, führt ein Video-Tagebuch und erkundet im Dorf Mustoja auf der Halbinsel Kesno die Umstände, die zu Klaus‘ frühem Tod geführt haben, der - Herzinfarkt, Unfall, Raubüberfall? - nicht geklärt werden kann. 2003 reist sie noch ein Mal in den Ort, trifft einige Menschen wieder, mit denen sie Freundschaft geschlossen hat, und arrangiert ein ‚verspätetes‘ Abschiedsfest für ihren Bruder.

    Das Video-Tagebuch, Fotos und Home Movies der Tiedemanns, die als preußische Arztfamilie in Neu-Ulm lebten, sind in Sibylles Reise von 2003 montiert, um dem Charakter von Klaus nahe zu kommen. Für sie ist er wie ein Zwillingsbruder, der auf keinen Fall wie der Vater werden wollte, Reisen liebte, Erfindungen für den Wintersport machte und in Estland eine Heimat gefunden hatte. Die Erzählungen von estrischen Nachbarn („ein Dorfverrückter im guten Sinn“), die sich an den Fremden, der so gut angeln konnte, mal in einem Sommerhaus, mal über einer Garage in einfachsten Verhältnissen lebte und in der Bar „Lambada“ ein zweites Zuhause“ fand, erinnern, ergänzen diese Ebene. Im Off-Kommentar lässt Tiedemann ihren Schmerz und Gedanken über Schicksal und die „neue Zeitrechung mit Toten“ mit einfließen.

    Auf der dritten Ebene sprechen Tiedemanns Bilder aus dem Baltikum ihre eigene Sprache. Die Ostsee, Strände, Wälder, Wiesen, Felsblöcke, Sonnenuntergänge, wild wuchernde Natur, Gärten, einfache Häuser und Hütten, Pilze, Lupinen, ein Elch und Aufnahmen der baltischen Seenplatte sind von einer natürlichen Schönheit, die den melancholischen Tenor der ungewöhnlichen Familien- und Reisegeschichte aufhellen. ger.

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