Filmhandlung und Hintergrund

Starkes Drama um die schonungslose Konfrontation einer Tochter mit ihrer Mutter, einer ehemaligen Terroristin.

Die erwachsene Alice fährt nach Frankreich, um ihre Mutter, die sie als Kleinkind zur Adoption freigab, weil sie als RAF-Mitglied auf der Flucht war, mit ihrer Vergangenheit zu konfrontieren. Zuerst gibt sich Alice auf dem Hof ihrer Mutter, die mittlerweile als Judith mit zwei Kindern und französischem Mann ein bürgerliches Leben lebt, als Unfallopfer aus.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. „Es kommt der Tag“ ist ein kammerspielartiges Psychodrama über eine Frau mit terroristischer Vergangenheit, die von ihrer Tochter in ihrem Versteck aufgespürt wird. Iris Berben spielt Judith Muller, die vor 30 Jahren in Deutschland als Jutta Beermann in den Untergrund ging und ihre kleine Tochter zurückließ. Katharina Schüttler spielt die inzwischen erwachsene Alice. Das Kinoregiedebüt von Susanne Schneider ist als emotionales Duell zwischen Mutter und Tochter konzipiert, vertraut dabei aber auf Theatralik und geht in der Auseinandersetzung mit den Motiven Judiths nicht in die Tiefe.

      Die Weinberge im Elsass bilden die beschauliche Kulisse für Judith Mullers scheinbar normale Existenz: Sie betreibt mit ihren Mann das Weingut im Familienbesitz, engagiert sich bei einer Bürgerinitiative gegen Gen-Mais, führt den Haushalt und erträgt die pubertäre Rebellion ihrer Tochter Francine. Doch immer noch wirkt sie misstrauisch, will nicht, dass ihr Foto in der Zeitung erscheint und dass auf dem Gut weiterhin Touristen übernachten.

      In diese fragile Idylle also bricht Alice aus Essen ein. Die argwöhnische Judith findet in ihrem Gepäck die Fahndungszettel und weiß, wer die junge Frau ist. Doch auf deren Forderungen ist sie nicht vorbereitet. Alice stellt in wenigen Tagen das Familienleben auf den Kopf und sich selbst den Mullers vor, die von ihrer Existenz gar nichts wussten. Mehr noch, sie will, dass alle von dem Mord erfahren, den ihre Mutter begangen hat und schließlich sogar, dass Judith sich selbst der Polizei stellt. Judith ist ihrer verleugneten Tochter hilflos ausgeliefert.

      Die Ex-Terroristin lässt sich nur widerstrebend auf die Konfrontation mit Alice ein und beharrt lange Zeit darauf, das Richtige getan zu haben. Iris Berben spielt Judith mit weichen, verletzlichen Zügen, aber auch eine Spur resigniert. Katharina Schüttler hingegen gibt als Alice den Racheengel, Weißglut im Blick, Unberechenbarkeit in den Handlungen. Sie fordert Vergeltung dafür, dass ihre Mutter sie verließ. Diese Motivation trägt nicht über die gesamte Spielfilmlänge, das Duell hätte ein wenig mehr Neugier vertragen. Auch die Rollen der anderen Familienmitglieder wirken oft wie Lückenfüller.

      So interessant der Ansatz ist, eine Ex-Terroristin mit ihren politischen Überzeugungen zu konfrontieren, noch dazu durch die verlassene Tochter, Susanne Schneider geht dabei auf Nummer sicher. Sie vermeidet Widersprüchliches und Zwischentöne, die unkorrekt wirken könnten. Sobald sich Judith vor ihrer Familie zu dem Mord an dem unbeteiligten Mann bekennt, wird ihr klar, dass sie sich dort nicht mehr verstecken kann.

      Fazit: In Frankreich untergetauchte Ex-Terroristin wird von ihrer Tochter aufgespürt: Susanne Schneider verlässt sich in ihrem Psychodrama auf Theatralik.
    2. Es kommt der Tag: Starkes Drama um die schonungslose Konfrontation einer Tochter mit ihrer Mutter, einer ehemaligen Terroristin.

      Iris Berben und Katharina Schüttler begegnen sich nach 30 Jahren in einer schonungslosen Konfrontation als Mutter und Tochter und leiden an den privaten Folgen einer radikalen politischen Vergangenheit.

      Weit weg vom modischen und oft unreflektierten 68er-Bashing bewegt sich dieses familiäre Drama, Kino-Regiedebüt von Drehbuchautorin Susanne Schneider (u.a. „Solo für Klarinette“). Nach fast 30 Jahren scheint alles vergessen für Ex-Terroristin Judith Muller, die mit ihrem französischen Mann und den beiden halbwüchsigen Kindern in der Nähe von Colmar ein Weingut betreibt. Ihr Zeitungsfoto bei einer Demo gegen die Anpflanzung von Genmais löst Ereignisse aus, die ihre Gegenwart auf den Prüfstand stellen und sie mit ihrer militanten Vergangenheit konfrontieren. Die in Norddeutschland wohnende Alice erkennt auf dem Bild ihre Mutter, die sie als Zweijährige zur Adoption frei gegeben hat, um ihr ein Leben im Untergrund zu ersparen - ein emotionaler Einschnitt, den die junge Frau nie verwunden hat. Sie fährt nach Frankreich, um die Wahrheit zu erfahren, und darf nach einem fingierten Unfall (unter falschem Namen) auf dem Weingut übernachten. Die misstrauische Judith findet in der Tasche der Fremden alte Fahndungsplakate. Als Jutta Beermann wurde sie wegen Mordes bei einem Banküberfall gesucht. Die Situation eskaliert, Mutter und Tochter stehen sich wie Feindinnen gegenüber, die kämpferische Ältere verteidigt ihr Recht auf ein spätes bürgerliches Leben, die zornige Jüngere will genau dieses zerstören, will sich rächen für mangelnde Mutterliebe und die ihr angetane Ungerechtigkeit.

      Das Schauspielerduell zwischen den beiden Frauen funktioniert. Vor allem Iris Berben geht an die Grenzen, wenn sie versucht, ihr Handeln zu rechtfertigen, wenn sie ihr Familienglück verteidigt und im Innern weiß, „es kommt der Tag“ sich zu stellen, während Katharina Schüttler eine „tour de force“ abliefert, wenn sie ungerührt ihren Kreuzzug durchzieht, anderen Leid zufügen möchte, weil sie gelitten hat - auch wenn am Ende ein Hauch von Verständnis und ungelenkem Gefühl zu spüren ist. Der Film stellt die Frage, wie weit ein Mensch für seine Ideale gehen darf, fragt nach der Dimension von Schuld und Vergebung, dem Preis der Freiheit und der Notwendigkeit von Verantwortung. „Es kommt der Tag“ ist nicht nur eine brüchige politische Biografie, sondern auch eine Auseinandersetzung mit einem Stück deutscher Geschichte, mit dem Deutschen Herbst, der Generation der 68er, ein moralisches Dilemma. mk.

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