Es ist alles in Ordnung

  1. Ø 4.4
   2013
Es ist alles in Ordnung Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Es ist alles in Ordnung: Nicole Weegmanns Film über eine scheinbar ganz normale Familie ist ein herausragend gespieltes Lehrstück zum Thema häusliche Gewalt.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Nicole Weegmanns Film über eine scheinbar ganz normale Familie ist ein herausragend gespieltes Lehrstück zum Thema häusliche Gewalt.

    Die Fernsehfilme des WDR beschäftigen sich regelmäßig mit jener Lebensphase, die sich so treffend mit „Unordnung und frühes Leid“ überschreiben lässt. Im Mittelpunkt stehen dabei stets junge Menschen, die aus dem Rahmen fallen und an Grenzen stoßen, die Gewalt begehen oder selbst Opfer von Gewalt werden. „Es ist alles in Ordnung“ setzt diese Tradition fort: Die Geschichte ist ausgesprochen bedrückend, die Inszenierung ist von beeindruckender Dichte, die Darsteller sind herausragend. Das gilt vor allem für Sinje Irslinger: Nicole Weegmann führt die junge Schauspielerin in ihrer ersten Hauptrolle zu einer bemerkenswerten Leistung.

    Ähnlich wie bei Giuseppe Tornatores Familiendrama „Allen geht’s gut“ (1990) steht der Titel „Es ist alles in Ordnung“ zwar in krassem Gegensatz zur Realität der Handlung, ist aber trotzdem nicht sarkastisch gemeint: In beiden Fällen beschreibt der Euphemismus einen Selbstbetrug. In Weegmanns Film, der auf einem Drehbuch von Christina Ebelt und Ingo Haeb basiert, ist es die Mutter, die sich etwas vormacht: Birgit (Silke Bodenbender) ist zum zweiten Mal verheiratet. Ihre Angst, auch den zweiten Mann zu verlieren, lässt sie die Abgründe ignorieren, die sich hinter der makellosen Mittelstandsfassade der scheinbar intakten Familie verbergen: Birgits Tochter aus erster Ehe, die 13jährige Sarah (Irslinger), findet großen Gefallen daran, ihren Stiefvater Andreas (Mark Waschke) so lange zur Weißglut zu treiben, bis er seiner Wut ungezügelt freien Lauf lässt. Natürlich ist es erschütternd, wenn Andreas wie von Sinnen auf Sarah einprügelt, doch fast noch beklemmender ist Birgits Reaktion auf diese Eskalation der Gewalt: Sie macht den Staubsauger an, um die Schreie der Tochter zu übertönen. Die Tonspur, die Birgit in Stressmomenten ein gemeines Pfeifen ins Ohr setzt, hat ohnehin ebenso wie die Bildgestaltung (Ngo The Chau) einen erheblichen Anteil an der Wirkung des Films.

    Neben der Alltagsnähe vieler Szenen liegt die besondere Qualität des Drehbuchs im Verzicht auf eine klassische Konstellation: Keine der Figuren ist nur gut oder nur böse, keine bloß Täter oder bloß Opfer. Natürlich hat man Mitleid mit Sarah, aber Weegmann inszeniert sie auch als böses Mädchen, das genau weiß, wie es die Mutter manipulieren und Andreas provozieren kann. Auch die harmoniebedürftige Birgit ist eine tragische Figur, denn im Grunde will sie nur das Beste für ihre Familie. tpg.

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