Filmhandlung und Hintergrund

US-Remake eines israelischen Agentendrama von 2007 um ein dreiköpfiges Spezialkommando, das nach Jahrzehnten einen Auftrag zu Ende bringen muss.

Drei Mossad-Veteranen werden 1997 in ihrer Heimat als Helden gefeiert. Die Journalistin Sarah Gold hat gerade ein vielbeachtetes Buch über die Operation geschrieben, bei der ihre Mutter Rachel Singer gemeinsam mit ihren Mitstreitern David und Stefan den Nazi-Kriegsverbrecher Dieter Vogel, den „Chirurgen von Birkenau“, 1965 in Ost-Berlin aufgespürt und bei dessen Flucht erschossen haben. David ist über die Publikation beunruhigt, und dann behauptet auch noch ein Mann in der Ukraine, der getötete Vogel zu sein.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Dass das Ganze mehr ist als die Summer seiner Teile, ist zwar eine Binsenweisheit. Manchmal ist es aber auch umgekehrt, ist das Ganze weniger als die Summe seiner Teile. Was nicht nur bemerkenswerter ist, sondern auch bei „Eine offene Rechnung“ der Fall. Denn irgendwie müsste dieser Film einfach (noch) besser, spannender, tragischer, packender sein, betrachtet man die vorzüglichen Einzelelemente und die Qualität ihrer Verarbeitung.


      Der Film basiert auf dem israelischen Film „Ha-Hov“ / „The Debt“ vom 2007. Inszeniert hat das US-Remake „Shakespeare in Love“-Regisseur John Madden; das Drehbuch verfasste Matthew Vaughn, der sich mit selbst „Layer Cake“, „Der Sternenwanderer“ „Kiss-Ass“ und „X-Men: Erste Entscheidung“ als Filmemacher hervorgetan hat und der bei den drei Letztgenannten auch selbst das Buch mitverfassten. Weiterhin am Skript beteiligt: Vaughns langjährige Co-Autorin Jane Goldman sowie Peter Straghan („Männer, die auf Ziegen starren“). Die Darstellerriege der Agenten in ihrer gealterten Version ist wiederum ein Traum für sie: die große Hellen Mirren (zuletzt verschenkt in „RED“), Tom Wilkinson und Ciarán Hinds.

      Aber auch der Nachwuchs als die jungen Pendants kann sich sehen lassen – zumindest oder vor allem: Jessica Chastain, zuletzt hierzulande als junge Mutter in Terrence Malicks so berückendem wie vergeistigtem „Tree of Life“ im Kino aufgefallen. Ihre nuancierte Rachel, ein blasses, rothaariges junges Ding, ist als Charakter der Dreh- und Angelpunkt der Story, eine knallhart ausgebildete und doch noch unfertige, noch nicht ausgehärtete Agentin im ersten Außeneinsatz. Wir beobachten, wie sie über die Sektorengrenze kommt, schmal, viel zu ätherisch, leuchtend im der grauen freudlosen Ost-Berliner Kulisse. Sie wird von ihrem Mann abgeholt, beide strahlen sich an – doch das ist nur Fassade, David (der hier mit seinem nur einem Gesichtsaudruck ganz passende Sam Worthington) nur der Kollege, den sie zuvor nie gesehen hat.

      Zusammen mit dem Team-Anführer, dem dominanten Stephan (Marton Csokas) quartiert sich Rachel in einer dumpfen, großen aber runtergekommen Wohnung ein. Eine Dreiecksgeschichte entspannt sich, ein wenig, dann ist da aber wieder und vor allem anderen: die Mission. Die führt Rachen in die Klinik des als Chirurgen von Birkenau gesuchten Nazi-Arztes Vogel, der nun als Frauenarzt arbeitet. Jesper Christensen, genüsslich-maliziöser Mr. White in den letzten beiden James-Bond-Filmen, verleiht der Figur eine gruselige Präsenz, und ganz zum Schauer-Thriller wird „Eine offene Rechnung“, wenn sich Rachel in seinen Untersuchungsstuhl setzen muss, dabei ihm nicht nur ihren Unterleib preisgibt, sondern das Medizinmonster des Holocaust sie arglos bis an die seelische Grenzen der Selbstbeherrschung in ihrer notwendigen Maskerade führt.

      Weitere packende atemlose Momente folgen: Vogel wird gekidnappt, aber die Flucht in den Westen scheitert, und so sitzen die drei mit dem gefesselten Verbrecher in ihrer dunklen, undichten Großbürgerwohnung. Der Druck wächst; Hüttenkoller, Vogel spukt, wettert, dann wieder: lauert, beginnt kleine perfide Psychospielchen…

      Das alles ist angenehm zurückhalten und zugleich effektiv gedreht und dosiert. „Eine offene Rechnung“ ist kein Reißer, eher ein Beziehungs- und Psychodrama, glaubwürdig, aufs Wesentliche beschränkt und selbst bei den kleinen Dialogen zu Wünschen und Zielen, der Pflicht und ihrem Auftrag beiläufiger und zugleich vielseitiger als der Spielberg’sche Großentwurf des nicht ganz unähnlichen „München“.

      „Eine offene Rechung“ funktioniert bei aller Spannung auf einer zurückgenommenen Ebene da, wo es um Schuld, Verantwortung und verpasste Chancen geht, bei der Frage, ob eine Lüge nicht die bessere Wahrheit ist (aber kann man, darf man mit ihr leben?). Es ist ein Film der Doppelungen und Spiegelungen, nicht nur mit dem sonnenhellen Tel Aviv des Jahres 1997 hier und dem düster-bedrohlichen Ost-Berlin der 1960er dort, nicht nur in und mit den
      Figuren und ihren je zwei Darstellern, denen der Nazi-Verbrecher zum ganz privaten, geheimen und bestimmenden Vergangenheits- und Erinnerungsschrecken wird und sie, in gewisser Weise, zum Verräter nicht nur am eigenen Volk macht.

      Was hakt nun aber an „Eine offene Rechnung“, der ja tatsächlich mehr so viel mehr bietet als „Potential“? Es ist gar nicht mal der Schluss, der mehr schlecht als recht mit einigen Unglaubwürdigkeiten und einer doch etwas abgehangenen Moral funktioniert (selbst hier sind die Mängel so sorgfältig und zugleich souverän gepackt und eingebettet). Eher schon ist es die etwas suboptimal dramaturgische Gliederung: was wann erinnert und erzählerisch nachgereicht wird.

      Wahrscheinlich liegt es aber vor allem an einem Zuviel an erzählerisch Hochklassigem. Nicht, dass etwas arg zu kurz käme – gleichwohl man mit und vor allem zwischen Mirren, Wilkinson und Hinds mehr Spannung, mehr Präsenz hätte erwarten dürfen. Eher verbergen sich in der erzählerischen Dichte und Fülle von „Eine offene Rechnung“ so viele grandiose Einzelfilme und -stoffe, die sich einfach gegenseitig aufheben. Zumindest die Aufarbeitung der Vergangenheit im Israel der 1990er Jahre und, ihm gegenüber, der Berlin-Teil des Films verlangen und verdienen ein ganz eigenes Recht, einen ganz eigenen Film je für sich und ohne Konkurrenz und der Relativierung aneinander.

      Letztlich sind nämlich auch die Probleme, die vor allem Rachel plagen, hier wie da gleichartig, aber doch zu unterschiedlich und voneinander entfernt: Wie banal erscheint der jungen Rachel im Gynäkologenstuhl der zu fangenden Bestie Vogel ihr Ruf und das Verhältnis zu ihrer Tochter 30 Jahre in der Zukunft (wo dann just die Tochter ein Buch über die Heldentat der Mama veröffentlicht)? Und wie fern sind der alternden Rachel mit ihrer Narbe im Gesicht und dem traurigen Leben die ganz konkreten Augenblicksabgründe, -gefahren und -anspannungen der Geheimmission vor längst vergessener Zeit? „Eine offene Rechnung“ kennt keine Helden, aber während das im einen Teil zum notwendigen Bestandteil der Erzählung wird, thematisiert das der andere und nimmt damit Schwung aus der Geschichte.

      „Eine offene Rechnung“ ist freilich auch so, „immer noch“ ein großartiger Film, aber als ein strenger geteilter Zweiteiler wäre er sicher phantastisch gewesen.

      Fazit: Hochkarätiges und intensives, spannendes und vielschichtiges Agentendrama, das sich mit seiner „Doppelgeschichte“ leider selbst Konkurrenz macht und sich ausbremst.
    2. Eine offene Rechnung: US-Remake eines israelischen Agentendrama von 2007 um ein dreiköpfiges Spezialkommando, das nach Jahrzehnten einen Auftrag zu Ende bringen muss.

      Stilsicheres, spannendes Remake des israelischen Spionagedramas „Ha-Hov“, in dem John Madden drei Ex-Agenten reaktiviert, um eine alte verdeckte Operation zum Abschluss zu bringen.

      „Eine offene Rechnung“ gilt es für die Helden John Maddens zu begleichen, der sich hier einmal mehr als versierter Genre-Regisseur erweist. Einen Oscar als bester Film gewann seine historische Komödie „Shakespeare in Love“, in den Krieg zog er bei „Corellis Mandoline“ und dem Privatleben König Victorias widmete er sich bei „Ihre Majestät Mrs. Brown“. Nun stehen die Zeichen auf Thriller, auf Täuschung und Verrat, Rache und die langen Schatten der Vergangenheit. Das Drehbuch lieferte das Autorenduo Matthew Vaughn und Jane Goldman („Kick-Ass“), deren verschachteltes Skript auf dem israelischen Agenten-Drama „Ha-Hov“ (dt. TV-Titel: „Der Preis der Vergeltung“) aus dem Jahre 2007 basiert.

      „The Debt“, „Die Schuld“, heißt der Film im Original und eine solche haben sich drei Mossad-Agenten aufgeladen. Seit Jahren schleppen sie sie mit sich herum, hoffen sie nie begleichen zu müssen. Doch die Wahrheit kommt irgendwann immer ans Licht. Unerwartet, zufällig. Ein Buch bringt die Lawine ins Rollen. 1997 von der Journalistin Sarah Gold publiziert. Von ihrer Mutter, der gefeierten patriotischen Kämpferin Rachel Singer (Helen Mirren), erzählt sie. 1965 hat diese in Ost-Berlin mit David (Ciarán Hinds) und Stefan (Tom Wilkinson) den Kriegsverbrecher Dieter Vogel, berühmt-berüchtigt als „Chirurg von Birkenau“, aufgespürt. Ihrem Zugriff hat er sich durch Flucht entzogen, Rachel hat daraufhin auf ihn geschossen, ihn getötet. So lautet zumindest die offizielle Version.

      Elegant springt Madden zwischen den Zeitebenen. Inszeniert die aus dem Ruder gelaufene Operation als spannenden Actioner – Sam Worthington und Newcomerin Jessica Chastain („The Tree of Life“) gefallen als David und Rachel in jungen Jahren -, vergisst aber darüber nicht, auf nostalgische Agentenfilmmomente mit den Genre-bedingten Rochaden und Heimlichkeiten einzugehen. Die emotionalen Spannungen im Team beleuchtet er, die Jahre später noch auf die einzelnen Mitglieder nachwirken. Singer wird gegen ihren Willen reaktiviert, persönliche Fragen und die der Staatsräson rücken ins Zentrum der Handlung.

      „Queen“ Helen Mirren glänzt als in die Jahre gekommene Agentin, die erstmals damit fertig werden muss, die Tochter Jahre lang belogen zu haben, eine Klasse für sich ist der wuchtige Tom Wilkinson („Der Ghostwriter“) als undurchschaubarer Meisterspion. Ein wenig Schade nur, dass sich die Filmemacher um moralische und historische Fragen, sei es Vergangenheitsbewältigung oder Selbstbild und Rechtsempfinden Israels, herumgedrückt haben. Hier wäre mehr Tiefe möglich gewesen. Doch letztendlich zählt das bei einem Spionagethriller wenig, der so glatt und reibungslos funktioniert wie seine Figuren.

      geh.
    3. „Wertvoll”

        Tel Aviv, 1997. Die Journalistin Sarah Gold hat gerade ein Buch über drei Mossad-Veteranen veröffentlicht, die 30 Jahre zuvor den gefährlichen Auftrag verfolgten, einen in der DDR untergetauchten KZ-Arzt seiner gerechten Strafe zuzuführen. Sowohl Sarahs Mutter Rachel als auch ihr Vater Stefan gehörten zu dieser Spezialeinheit, zusammen mit dem sensiblen David. Rachel würde die ganzen Geschehnisse am liebsten vergessen, doch durch die Buchveröffentlichung werden die Erinnerungen an die damaligen Ereignisse und eine folgenschwere Entscheidung wieder lebendig. Regisseur John Madden ist mit dem Remake eines israelischen Thrillers ein spannender und intelligent komponierter Agententhriller mit hohem Suspense-Faktor geglückt. Auf mehreren zeitlichen Ebenen wird eine ausgeklügelte komplexe Geschichte erzählt, die immer wieder leise feinsinnige Momente des Zwischenmenschlichen zulässt. Eindringliche Dialoge lassen eine kammerspielartige Atmosphäre entstehen, die grandiosen Darsteller, allen voran Helen Mirren und Jessica Chastain als ihr junges Alter Ego, ziehen den Zuschauer in ihren Bann. Bei diesem Politdrama ist Hochspannung bis zur letzten Minute garantiert.

        Jurybegründung:

        1965: Der kalte Krieg bestimmt das Leben im geteilten Berlin. Dem noch jungen Staat Israel sind viele Mittel recht, die Verbrecher des Dritten Reichs einem Prozess zuzuführen. Zu Beginn des Films steht eine Buchpräsentation. Die Tochter einer Heldin des israelischen Staates stellt eine Biographie über das Leben ihrer Mutter vor und der Zuschauer wundert sich, warum bei der Geehrten so gar keine Freude aufkommen mag. Auf äußerst geschickte Weise versteht es der Regisseur, den Zuschauer in eine non-linear erzählte Agentengeschichte zu verwickeln, bei der Fragen nach Recht und Moral, nach der Macht, der Wahrheit und dem Recht oder womöglich gar der Pflicht zur Lüge auf vielfältige Weise beleuchtet werden.

        Getragen wird der Film von einem hervorragenden Cast, der sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart glänzend besetzt ist und mit einem nuancenreichen Spiel aufwartet, bei dem Blicke und Gesten häufig mehr sagen als das gesprochene Wort. Die Geschichte wechselt zwischen den perfekt ausgestatteten Settings des Ost-Berlins der 60er und des Israels der späten 90er Jahre. Bis auf kleine historische Fehler (auch die DDR-Post hieß „Deutsche Post“) wurde mit viel Liebe zum Detail die Vergangenheit wieder belebt. Dort, wo die Grenzen der Ausstattung erreicht werden, schafft die Kamera es, die Szenen bewusst unscharf zu halten, um so den Schein der Authentizität aufrecht zu erhalten.

        Auf ideale Weise wurde hier eine packende, politische Geschichte mit tiefgreifenden moralischen Fragen verquickt, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben. Der Zuschauer wird dazu aufgefordert, selbst abzuwägen, welcher Moral er folgen mag, auch wenn sich final die Kraft der Schuld gegen die Macht der Lüge durchsetzt. Und so gelingt es, dem Geschehen bis zum Ende der Story gebannt zu folgen, denn die Auflösung der politischen und persönlichen Last ist bis zum Ende hin nicht vorhersehbar – hier agieren Menschen und keine Reißbrettcharaktere.

        EINE OFFENE RECHNUNG ist der Glücksfall einer raffinierten fiktionalen Story, angesiedelt in einem realen politischen und historischen Umfeld, die in der Umsetzung nicht zu einer oberflächlichen Thriller- und Moralfarce verkommt, sondern den Zuschauer auf höchstem Niveau unterhält.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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