Ein Prophet

  1. Ø 4
   2009
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Ein Prophet Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Ein Prophet: Packender Gefängnisthriller über den Aufstieg eines 18-jährigen arabischen Jungen vom unbedarften Analphabeten zum Drogendon.

Malik El Djebena ist 18 Jahre alt und Analphabet, als er zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt wird. Im Gefängnis ist er als einer der Jüngsten völlig auf sich allein gestellt. Von César, dem Anführer einer Gang der korsischen Mafia, die den Knast kontrolliert, wird Malik gezwungen, wiederholt Missionen zu erledigen und seinen ersten Mord zu begehen. Schnell lernt er dazu und gewinnt das Vertrauen der Korsen. Gleichzeitig arbeitet der Junge in die eigene Tasche und baut seinen eigenen Drogenring auf.

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Kritikerrezensionen

  • Mit seinem kompromisslosen Knastepos über einen 18-Jährigen in den Fängen der Korsenmafia zementiert Jacques Audiard seinen Ruf als Meister des Genrekinos

    Aufgrund des Titels mutmaßten Kritiker, Jacques Audiard könne sich in seinem Gefängnisfilm an den vier Stufen des Wegs des Propheten Mohammed (Kampf, Überleben, Wille, Eroberung) orientiert haben, dabei predigt der Mann exklusiv und ausschließlich am Altar des Kinos: Audiards Vorliebe für das amerikanische Genrekino der Siebzigerjahre ist wohl dokumentiert – so wie seine Vorgänger Duvivier, Melville und Clouzot Inspiration aus dem amerikanischen Gangsterfilm eines Hawks oder Walsh bezogen und auf französische Verhältnisse übertrugen, verleihen ihm die Frühwerke Scorseses und Coppolas Flügel: Sein „Der wilde Schlag meines Herzens“ war ein Remake von James Tobacks „Finger – Zärtlich und brutal“ aus dem Jahr 1978 und eine Verbeugung vor dem eurozentrischen Kino des New Hollywood. So darf man denn auch den qualitativen Quantensprung, den der Sohn des legendären Drehbuchautoren Michel Audiard mit seiner fünften Arbeit als Filmregisseur macht, mit einem entsprechenden Vergleich werten: Wenn „Der wilde Schlag meines Herzens“ sein persönlicher „Hexenkessel“ war, so ist „Ein Prophet“, obwohl die Geschichte selbst eher der des Michael Corleone in „Der Pate“ gleicht, Audiards ganz eigener „GoodFellas“ – ein mit allen Wassern des Genrefilms gewaschenes und in der Geschichte des Kinos verankertes Meisterwerk, das einen von der ersten Minute packt und die nächsten 150 Minuten nicht mehr loslässt. Kino pur direkt an der Schnittstelle von elektrisierendem Kintopp und intellektuellem Arthouse, sozialem Realismus streng verpflichtet, aber immer bereit zu Freiflügen der Fantasie.

    Simpel mutet die Geschichte an, die zunächst dem Regelwerk eines konventionellen Knastfilms folgt und von Malik erzählt, ein minderjähriger arabisch-französischer Achtzehnjähriger, der wegen einer nicht weiter benannten Dummheit zu sechs Jahren Knast verurteilt und von der korsischen Mafia für Dienste eingespannt wird. Alsbald verlässt der Film die ausgetretenen Pfade und entwickelt sich zu einem überaus komplexen Krimiepos: Wie der Junge sich zwischen den vereinzelten Gangsterfraktionen behauptet und selbst einen gut funktionierenden Drogenring aufbaut, erzählt Audiard mit einem Höchstmaß an Konzentration und absolutem Vertrauen in das eigene Können. Kommt einem ein Versatzstück auch noch so bekannt vor, Audiard findet immer eine spektakuläre Art, es neu und aufregend wirken zu lassen. Nach dem ersten Mord im Auftrag des korsischen Dons César Luciani (von Audiard-Regular Niels Arestrup als eine jener monströser Übervaterfiguren gespielt, mit denen die Filme des Regisseurs gespickt sind) an einem arabischen Mitinsassen – mit einer Hochspannung und Brutalität inszeniert, dass Michael Mann vor Neid erblassen würde – wird er wiederholt von dessen Geist besucht: Beginn einer Entdeckungsreise zu den eigenen Wurzeln, die zu dem gefährlichen Doppelspiel Maliks führt. Wiederholte Explosionen von Gewalt im Gefängnis oder später auf Freigängen bei einem verkorksten Überfall oder einer fatalen Autofahrt lassen keinen Zweifel aufkommen, dass Malik stets in Lebensgefahr ist. Doch bei aller Härte verliert der Film nie aus den Augen, dass er von einer verlorenen Unschuld erzählt, was zu einem bewegenden Schlussbild zu den Klängen von „Mack the Knife“ in einer Version von Jimmie Dale Gilmore führt, das Audiards Themen mit resigniertem Galgenhumor zusammenfasst: All das Taktieren und Morden waren für die Titelfigur nur Mittel zum Zweck, sich die eigene Jugend zu bewahren. Beeindruckend die darstellerische Leistung des charismatischen Newcomers Tahar Rahim, zärtlich und brutal zugleich, ein abgebrühter Killer, der nur Überleben kann, weil er bereit zu lernen ist, und doch ein ganz normaler Junge, der seine kindliche Freude über seine erste Reise in einem Flugzeug nicht verhehlen kann. Beim Kritiker-Poll des Filmmagazins Sight & Sound wurde „Ein Prophet“ zum Film des Jahres 2009 gewählt. Die Damen und Herren wissen, wovon sie sprechen. ts.

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