Ein 32. August auf Erden

  1. Ø 0
   1998
Ein 32. August auf Erden Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Ein 32. August auf Erden: Bizarr-wundersames und melancholisches Kammerspiel um eine Frau, die nach einem Unfall ihr Leben ändern will.

Simone schläft am Steuer ihres Autos ein und wacht in dessen Trümmern auf. Im Krankenhaus sagt man ihr, daß die physischen Verletzungen nur leicht sind, sie aber noch eine gewisse Zeit unter psychischer Unstabilität leiden könnte. Nachdem sie den Tod so nahe war, entschließt sich die junge Frau, ihr Leben grundlegend zu verändern.

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Kritikerrezensionen

  • Ein kanadischer Erstlingsfilm mit einer bizarren, streckenweise wundersamen Story über Entscheidungen im Leben und Taten in der Liebe. Ein Zwei-Personen-Kammerspiel in Cinemascope, von Autor und Regisseur Denis Villeneuve mit leichter Melancholie und einem spielerischen Hauch von Witz in klaren, poetisch-phantastischen Bildern sinnlich inszeniert. Ein Film über die Einsamkeit in der großen Stadt, wo er hauptsächlich seine Zuschauer finden wird.

    Eine junge Frau schläft am Steuer ihres Autos ein und wacht in dessen Trümmern inmitten einer Wiese auf. Im Krankenhaus sagt man ihr, daß die physischen Verletzungen nur leicht sind, sie aber noch eine gewisse psychische Unstabilität eine Zeitlang haben wird. Simone (Pascale Bussières) bewegt sich wie somnambul zu einem Motel. Nachdem sie den Tod so nahe war, entschließt sie sich, ihr Leben grundlegend zu verändern. Pascale Bussières, aus Patricia Rozemas „When Night is Falling“ noch gut in Erinnerung, beherrscht den minimalistischen Darstellungsstil des Scheinbar-nur-Anwesendseins in Gestik und Mimik genau, den wachen Blick nach außen und innen gerichtet, als wolle sie in sich hineinhören.

    Denis Villeneuve schafft eine irgendwie ganz witzige Stimmung von Irritation. Sie beginnt mit dem phantastischen Datum 32. August, und im Laufe des Films folgen der 33., 34., 35. – man ist sich nie sicher, ob die Geschichte real gemeint ist oder vielleicht nur als mögliche Projektion von Träumen und Gedanken verstanden werden soll. Diese leichte Unsicherheit erhöht erstaunlicherweise das Interesse an der, wenn auch für einen abendfüllenden Spielfilm etwas kleinen, widerborstigen Liebesgeschichte. Als Zuschauer wird man neugierig, wie es weitergeht.

    Simone gibt als erstes ihren Job als Model und Schauspielerin auf und ebenso eine Reise nach Italien. In Montreal trifft sie sich mit ihrem besten Freund Philippe (Alexis Martin) und bittet ihn um einen nicht gerade alltäglichen Gefallen: Sie will unbedingt ein Kind von ihm haben. Philippe, der eine feste Freundin hat, stellt, als er die Unbeirrtheit von Simones Entschluß spürt, eine Bedingung; das Kind müsse in der Wüste gezeugt werden. Er hofft, sie auf diese Weise von der Idee abbringen zu können, doch Simone stimmt begeistert zu, und sie reisen nach Utha in die Salzwüste bei Salt Lake City. Villeneuves Kameramann Andre Turpin findet faszinierende Bilder von der weißen Weite und der Einsamkeit zweier wie verloren wirkender Menschen darin. Beide stellen fest, daß diese salzige Landschaft absolut ungeeignet für einen Akt der Liebe ist. Und wie zum Beweis finden sie die verkohlte Leiche eines Menschen in der Dürre – vielleicht ein bißchen zuviel Symbolik. Sie stört die bis dahin angenehme Beiläufigkeit der lakonischen Erzählstruktur unnötig. Andererseits aber ist sie eine Vorbereitung auf das brutal schwergewichtige tragische Ende.

    Sie sind ziemlich interessant, diese Kanadier, wobei sie im frankophonen Osten, in Québec, deutlich existentialphilosophischen angehaucht sind, während der anglophone Westen in Toronto mit Cronenberg oder Egoyan mehr auf surrealistische Phantasien setzt. Denis Villeneuve, der sich bisher einen Namen mit Rockvideos gemacht und eine Episode des Spielfilms „Cosmos“ (1997) inszeniert hat, ist ein eindeutig visuelles Erzähltalent von großer sinnlicher Qualität und mit einer klaren Liebe zu seinen Figuren. Er macht neugierig auf seinen nächsten Film. fh.

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