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Filmhandlung und Hintergrund

Drive: Existenzialistischer Actionkrimi nach Vorlage von James Sallis über einen Stuntman, der nachts als Fahrer der Mafia arbeitet.

Er ist das, was die Film- und Musik-Welt einen lonesome rider nennt – ein stiller Einzelgänger, der tagsüber als Mechaniker und Stuntfahrer arbeitet. Die Leute kennen ihn nur als Driver (Ryan Gosling), der nachts den bösen Buben von Los Angeles seine Dienste als Fluchtwagenfahrer anbietet. Die einzigen menschlichen Bande pflegt er zum Chef der Mechaniker-Werkstatt, Shannon (Bryan Cranston), der ihm gleichzeitig auch die nötigen Aufträge beschafft. Andere Kontakte sind dem Driver egal. Das soll sich allerdings ändern, als er zufällig seine neue Nachbarin Irene (Carey Mulligan) kennenlernt, die mit ihrem Sohn und ihrem Freund Standard (Oscar Isaac) in das Apartment zieht.

Als Standard erfährt, welchen der Driver nachts ausübt, bittet er ihn, ebenfalls einen Auftrag zu übernehmen. Mit dem beim Überfall erbeuteten Geld möchte sich Standard von diversen Geldeintreibern freikaufen, um endlich Ruhe zu haben. Aus Zuneigung zu Irene nimmt er den Auftrag an. Doch es soll sich schnell herausstellen, dass die Dinge etwas anders ablaufen, als geplant…

Mit „Drive“ wurde der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn der breiten Zuschauermasse bekannt, denn sein Film, der auf dem Roman von James Sallis beruht, erfreut sich großer Beliebtheit. Obwohl die Geschichte des stillen Fluchtwagenfahrers, dessen Leben durch die Liebe auf den Kopf gestellt wird, keine neue ist, konnte der Stil, untermalt mit dem passenden Soundtrack, überzeugen. Ursprünglich war Hugh Jackman für die Rolle des Drivers vorgesehen, wurde aber durch den Wunschkandidaten von Produzent Marc Platt ersetzt – Ryan Gosling. Neben dem Hauptdarsteller ist Oscar Isaac zu sehen, der zu jener Zeit vor allem durch seine Rolle in „Sucker Punch“ bekannt war, mit „Drive“ aber seiner Karriere nochmal weiteren Aufschwung verleihen konnte.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Nicolas Winding Refns US-Debüt ist ein bemerkenswerter Action-Thriller mit europäischem Flair.
  • Das Kino von Walter Hill und Michael Mann, Filme wie „Leben und Sterben in L.A.“ und „Der Einzelgänger“ werden eindringlich in Erinnerung gerufen in der ersten großen Hollywoodproduktion des dänischen Regiewunderkinds Nicolas Winding Refn, das es mit seinem achten Film erstmals – endlich! – auf deutsche Leinwände schafft. Es ist ein cooler, kühler, unendlich faszinierender und hypnotisierender Film geworden, eine Reise buchstäblich ans Ende der Nacht, ein L.A.-Neo-Noir, vorangetrieben von einem pumpenden Eurosynth-Soundtrack, seinem lakonischen, zupackenden Ton und einer Besetzung, die so hip ist, dass es fast wehtut. Ein mit großem Stilwillen realisiertes Krimimärchen, dessen namenloser Held – er wird einfach „Driver“ genannt und von Ryan Gosling als Steve McQueen mit Poker- und Babyface gespielt – ein einsamer Wolf mit einem ganz eigenen Ehrenkodex ist, wie die Hauptfiguren von Refns vorangegangenen Filmen „Bronson“ und „Walhalla Rising“, die den 41-jährigen Regisseur ganz nach oben in der Riege der jungen Wilden katapultierten. Während diese knorrigen Kerle sich jedoch in archaischen Machoritualen ergingen, ist Driver gezwungen, als erster Refn-Hero die Deckung aufzugeben: Er wickelt seine Arbeit – tagsüber als Stuntman für Hollywood und nachts als Fahrer für die Mafia – mit unbeteiligter Präzision ab, verliebt sich dann jedoch in seine Nachbarin, als würde er urplötzlich von einem William-Friedkin Movie in einen John-Hughes-Film stolpern: Carey Mulligan ist wie Molly Ringwald in „Sixteen Candles“. Diese Liebe ist es, die Driver befreit, aber schließlich auch seinen Niedergang herbeiführt: Um sie zu retten, beteiligt er sich an einem riskanten Raubzug, der prompt schiefgeht und ihn auf einmal auf einen Kollisionskurs mit denen schickt, die eigentlich seine Auftraggeber sind. In einer jetzt schon legendären – und in Cannes mit Applaus bedachten – Szene in einem Fahrstuhl liegen heiße Küsse und exzessive Ultragewalt so nahe beisammen, wie man es seit „Wild at Heart“ nicht mehr erlebt hat. Und doch verliert „Drive“ nie den Boden unter den Füßen oder gar die Kontrolle übers Lenkrad: Refn – der selbst keinen Führerschein besitzt – steuert seinen Film mit der Übersicht eines Schachspielers durch sein Plotlabyrinth, bis hin zum intensiven Showdown, in dem Driver gegen seine Nemesis – ausgerechnet der sprichwörtliche Nebbish Albert Brooks gibt den unnachgiebigen Bösewicht – antritt. Auf dem Weg dahin werden angesagte Fernsehstars aus „Breaking Bad“ und „Mad Men“ verschlissen, kleine Tragödien am Rande erzählt und das Kino mit originellen Verfolgungsjagden und eindringlichen Bildern zelebriert, die einem Augen und Herz übergehen lassen: Mit Bleifuß rast „Drive“ zum ewigen Kultstatus. ts.
  • Ein Actionfilm von Nicolas Winding Refn bildet im Grunde ein Widerspruch in sich. Konsequent bürstete der dänische „Auteur“ in den letzten 15 Jahren jedes Genre gegen den Strich, womit er stets die Zuschauerresonanz spaltete. Offensichtlich kennt und schätzt Ryan Gosling dessen düstere „Pusher“-Trilogie und den Ableger „Bleeder“, weshalb er Winding Refn als Regisseur für die Verfilmung eines James Sallis-Kriminalromans durchsetzte. Eine mutige Entscheidung, wenn bedenkt, dass der eigenwillige Filmemacher bei der verstörenden Wikingersaga „Walhalla Rising“ das Tempo bis zum völligen Stillstand entschleunigte und laut Audiokommentar auf den vorgesehenen Endkampf bewusst verzichtete. Überraschenderweise gibt es bei „Drive“ sogar wenige kurze Actionsequenzen, doch Winding Refn hakt sie kompetent, aber eher pflichtschuldig ab.

    Ansonsten bleibt er sich in seiner Handschrift vollkommen treu: lange hypnotische Kamerafahrten, introvertierte Einzelgänger als Protagonisten, ein ausgefallener, die Handlung unterstützender Soundtrack und eruptiv einbrechende, exzessive Gewalteinlagen. Ähnlich stilisiert wie die Vorgängerfilme, kommt sein absurd-makaberer Humor etwa in einem surrealen Tableaux zum Tragen, als Driver einen seiner Gegenspieler in einer Umkleidekabine das Gesicht zu Brei schlägt, während um sie herum eine Gruppe gelangweilter, halbnackter Stripperinnen die Konfrontation desinteressiert verfolgt.

    Ryan Gosling charakterisiert seinen Macho-Protagonist als stillen, regungslosen Zeitgenossen, der keine Kommunikation zu seinen Mitmenschen sucht. Erst eine schüchterne Kellnerin und ihr kleiner Sohn vermögen seinen Kokon aufzubrechen. Dass mit Driver nicht zu spaßen ist, offenbart sich in einer späten Szene, als ein Gangster, mit dem er in der Vergangenheit bei einer kriminellen Aktion in Kontakt kam, ihn in einer Bar ansprechen will und der abweisende Stuntman mit einer emotionslosen, aber eindeutigen Drohung reagiert.

    Wenig originell steuert die konventionelle Handlung auf die Konfrontation eines in die Enge getriebenen, prinzipientreuen Outlaws zu, der sich nicht der Übermacht einer mächtigen Organisation beugen will und damit seine ehrgeizigen Aufstiegspläne aufs Spiel setzt. Winding Refn, der das Projekt von Neil Marshall übernahm, kann auf eine starke Besetzung mit derzeit angesagten Darstellern wie Carey Mulligan, Bryan Cranston aus „Breaking Bad“, Christina Hendricks aus „Mad Men“, einem gewohnt bedrohlichen Ron Perlman und dem perfekt gegen seinen Typ besetzten Komödianten Albert Brooks als aalglatter Gangsterboss Bernie Rose zurück greifen.

    Schon von den ersten Momenten an zeigt sich der Neo-Noir-Thriller mit stimmigen nächtlichen Los Angeles-Bildern, einem Vorspann mit rosa Schriftzug und atmosphärischen Synthesizer-Score in Tangerine Dream-Tradition am Achtziger-Jahre-Gangsterkino orientiert. Während Ryan Gosling mit seiner weißen Skorpion-Jacke, welche der Protagonist trotz aller Blutflecken demonstrativ weiter trägt, an Steve McQueen erinnert, folgt „Drive“ deutlich den Vorbildern zwischen Walter Hills „Driver“ (anfangs fast ein Remake), Michael Manns „Der Einzelgänger“ oder William Friedkins „Leben und sterben in L.A.“. Dank präziser Kameraarbeit, konsequenter Farbdramaturgie und perfekter Lichtsetzung kann das düstere Drama durchaus Drive entwickeln, wenn man sich auf die stilisiert-distanzierte Inszenierung und exzessiven Gewalteinlagen einzulassen bereit ist.

    Fazit: Spröde, drastische und übersteigerte Hommage an das harte Männerkino der Achtziger. Actionfans sitzen definitiv im falschen Film.
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